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Personalbedarfsprognose im Gesundheits- und Pflegewesen

Eine berufs-, einrichtungs- und regionalspezifische Betrachtung für Deutschland

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Tobias Ehrhard

Gefährden zukünftige Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen die Sicherstellung einer flächendeckenden medizinischen Versorgung? Der Autor widmet sich dieser zentralen gesundheitspolitischen Fragestellung und untersucht, wie sich die Personalnachfrage und das Personalangebot im Gesundheits- und Pflegewesen bis zum Jahr 2030 entwickeln könnten. Neu ist dabei die gemeinsame Analyse der für die gesundheitliche Versorgung wichtigen ärztlichen und nichtärztlichen Berufsgruppen, differenziert nach Qualifikationen, Bundesländern sowie nach Einrichtungen des Gesundheits und Pflegewesens. Die Arbeit stellt erstmals regional differenzierte und vergleichbare Ergebnisse zur Verfügung und zeigt die Möglichkeiten und Grenzen der Messung des zukünftigen Personalbedarfs auf.
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6 Analyse der Ergebnisse

← 164 | 165 → 6 Analyse der Ergebnisse

Für die Analyse der Angebots- und Nachfrageprojektion wird der Blick zunächst auf die Entwicklung des Angebotspotenzials und der Personalnachfrage in Deutschland gerichtet. Im Zuge dessen erfolgt eine getrennte Analyse der Dimensionen Einrichtung und Beruf. Anschließend wird eine differenzierte regionale Analyse für jene Bundesländer und Regionen durchgeführt, die einen hohen absoluten oder relativen Personalengpass erwarten lassen. In dieser regionalen Analyse werden die Dimensionen Einrichtung und Beruf miteinander kombiniert. Abschließend wird im Rahmen einer Szenarienanalyse dargestellt, wie sich das Angebotspotenzial steigern lässt.

6.1 Angebot und Nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Deutschland

Bevor eine detaillierte Analyse unternommen wird, bietet sich eine deutschlandweite Betrachtung der Entwicklung der Personalangebots- und Nachfragepotenziale im Gesundheits- und Pflegewesen an. In Abbildung 6-1 ist die Entwicklung beider Größen in Vollzeitäquivalenten in Deutschland dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-1: Entwicklung von Angebot und Nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Deutschland

← 165 | 166 → Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass die potenzielle Nachfrage nach Gesundheitspersonal sowohl gegenwärtig als auch in Zukunft das Angebot übersteigen wird. Die Entwicklung von Angebot und Nachfrage verläuft bis zum Jahr 2020 steigend, wenngleich auf unterschiedlichem Niveau: Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage nimmt im Zeitverlauf deutlich zu. Bis zum Jahr 2023 könnte das Angebotspotenzial der betrachteten Berufe auf über 1,85 Mio. VZÄ steigen, danach geht es voraussichtlich wieder leicht zurück. Dieser Zuwachs beträgt im Vergleich zum Jahr 2011 rund 5,3%. Im gleichen Zeitraum könnte die Nachfrage nach diesen Berufen sogar um 12,3% auf über 2,13 Mio. VZÄ zunehmen. Wie die Abbildung zeigt, werden die Auswirkungen der demografischen Entwicklung voraussichtlich ab diesem Zeitpunkt deutlich spürbar. So ist davon auszugehen, dass das Personalangebot ab dem Jahr 2024 bis zum Ende des Betrachtungszeitraums im Jahr 2030 sogar um über 30.000 VZÄ auf 1,82 Mio. schrumpfen wird. Im Gegensatz dazu könnte die Nachfrage nach Gesundheitspersonal zwischen den Jahren 2020 und 2030 voraussichtlich um weitere 4,8% auf über 2,23 Mio. VZÄ steigen. Aus dieser Entwicklung könnte im Jahr 2020 ein Personalengpass im Gesundheits- und Pflegewesen von rund 231.000 VZÄ bzw. 11,1% der Gesamtnachfrage resultieren. Bis zum Jahr 2030 würde sich dieser Engpass unter der dargestellten Entwicklung auf rund 410.000 VZÄ vergrößern. Dies entspräche einem relativen Engpass von 18,4%.

Um ausgehend von dieser Gesamtbetrachtung der möglichen Entwicklung des Gesundheits- und Pflegewesens auf die einrichtungs- und berufsspezifische Entwicklung schließen zu können, wird zunächst eine getrennte Analyse dieser beiden Dimensionen vorgenommen.

6.1.1 Einrichtungsspezifische Betrachtung

Zuvor wurde die Entwicklung des gesamten Personalangebots und der gesamten Personalnachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen dargestellt. Für die Analyse der zukünftigen einrichtungsspezifischen Personalentwicklung ist es von besonderem Interesse, wie sich die Personalnachfrage in den einzelnen ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesen entwickeln könnte. In Abbildung 6-2 ist die Nachfrageentwicklung nach Einrichtungen dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-2: Nachfrageentwicklung in den Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens in Deutschland

Die höchste Personalnachfrage entsteht in den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens. Im Jahr 2011 lag die Nachfrage in VZÄ dort bei rund 792.000 Personen. Bis zum Jahr 2030 könnte die Nachfrage um weitere 12,6% auf rund 892.000 VZÄ ansteigen. In den ambulanten Einrichtungen des Gesundheitswesens ist die Nachfrage im Jahr 2011 mit rund 758.000 VZÄ ähnlich hoch. Der zu erwartende Nachfrageanstieg bis zum Jahr 2030 fällt mit 9,8% jedoch etwas geringer aus.

Deutlich geringer ist die Nachfrage nach den betrachteten Berufen in den Einrichtungen des Pflegewesens. Mit einer Personalnachfrage von rund 222.000 VZÄ im Jahre 2011 haben die stationären Einrichtungen den höchsten Personalbedarf. Dieser könnte bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um 46,6% auf 326.000 VZÄ ansteigen. Die gleiche Entwicklung könnte auch auf die ambulanten Einrichtungen zukommen. Zwar ist deren Nachfrage mit 129.000 VZÄ im Jahr 2011 geringer, der Zuwachs bis zum Jahr 2030 könnte 45,7% auf 184.000 VZÄ betragen und verliefe damit auf vergleichbarem Niveau.

Diese einrichtungsspezifische Nachfrageentwicklung ist im Berechnungsmodell entscheidend für die berufsspezifische Nachfrageentwicklung. Bevor diese in Kapitel 6.1.2 für Deutschland analysiert wird, sollen an dieser Stelle zunächst die einrichtungsspezifischen Engpässe analysiert werden. Durch Saldierung von Personalnachfrage und -angebot und unter Berücksichtigung der in Kapitel 5.1.3 beschriebenen Verteilung der Neuzugänge auf die Einrichtungen ergibt sich das in Abb. 6-3 dargestellte Bild.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-3: Personalengpässe in den ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens in Deutschland im Jahr 2020 und 2030

Aus dieser Abbildung wird deutlich, dass die möglichen Personalengpässe in Deutschland nach Einrichtungen sehr unterschiedlich verteilt sind. In den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens könnten unter Berücksichtigung der modellinhärenten Annahmen die größten Personalengpässe auftreten. Gemäß den Berechnungen beliefe sich der Engpass in diesem Bereich im Jahr 2020 auf ca. 194.000 VZÄ. Bis zum Jahr 2030 könnte er sogar auf über 270.000 fehlende VZÄ steigen. Dies entspricht einer Steigerung um weitere 39,1%. Dagegen ist unter den jetzigen Rahmenbedingungen davon auszugehen, dass in den ambulanten Einrichtungen des Gesundheitswesens, unabhängig von möglichen berufsspezifischen Engpässen, in Summe kein Personalengpass zu erwarten ist. Im Jahr 2020 könnte sogar eine Überversorgung von rund 52.000 VZÄ entstehen. Dies entspricht 6,5% der Nachfrage. Da im weiteren Verlauf das Angebot stärker steigen könnte als die Nachfrage, könnte sich dieser Überschuss bis zum Jahr 2030 auf rund 23.000 VZÄ bzw. 2,7% reduzieren.

In den Einrichtungen des Pflegewesen ist der absolute Engpass aufgrund des deutlich geringeren Beschäftigungsumfangs niedriger. Dennoch wird in den ambulanten Pflegeeinrichtungen im Jahr 2020 bereits ein Personalmangel von rund 30.000 VZÄ bzw. 18,9% der Nachfrage erwartet. Bis zum Jahr 2030 ist mit einem leichten Angebotsrückgang von 2,9% zu rechnen. Bei einem möglichen Nachfrageanstieg um 15,3% im gleichen Zeitraum, könnten sich die Engpässe mit 58.000 VZÄ nahezu verdoppeln. In den stationären Einrichtungen des Pflegewesens ← 168 | 169 → erreicht der potenzielle Engpass bereits im Jahr 2020 diese Höhe. Hier könnte der Nachfrageanstieg sogar rund 17,2% betragen, so dass sich im Jahr 2030 ein Engpass von über 104.000 VZÄ einstellen könnte. Dies entspricht einem Anteil von 32,0% der Nachfrage.

Wie sich die betrachteten Berufe in Zukunft entwickeln könnten, wird im Folgenden Kapitel analysiert.

6.1.2 Berufsspezifische Betrachtung

Die sich aus der skizzierten potenziellen Angebots- und Nachfrageentwicklung in den Einrichtungen ergebenden Personalengpässe nach Berufen werden im Folgenden diskutiert. In Abbildung 6-4 ist der zu erwartende Engpass für die Allgemeinmediziner und die Fachärzte in den Jahren 2020 und 2030 dargestellt. Unter dem Begriff Allgemeinmediziner werden hier vereinfachend die Berufskennziffern 8410 (Praktische Ärzte, Ärzte, o.n.A.) und 8411 (Allgemein-(fach)-, Kinderärzte, Internisten) zusammengefasst. Zu den Fachärzten gehören alle Ärzte, die der BKZ 8412 bis 8419 zuzuordnen sind.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-4: Personalengpässe bei Allgemeinmedizinern und Fachärzten in Deutschland im Jahr 2020 und 2030

Die Gruppe der Allgemeinmediziner ist traditionell die beschäftigungsstärkste Gruppe und stellt mit knapp 63% des ärztlichen Angebots voraussichtlich rund 169.000 VZÄ im Jahr 2020. In jenem Jahr könnte, unter den sich abzeichnenden Entwicklungen, mit einem Engpass von rund 27.500 Allgemeinmedizinern ← 169 | 170 → zu rechnen sein. Damit wären 14,0% der möglichen berufsspezifischen Personalnachfrage nicht zu befriedigen. Wenn das Angebot an Allgemeinmedizinern wie prognostiziert bis zum Jahr 2030 um 3,1% auf rund 163.000 VZÄ sinkt, wird sich bei gleichzeitigem erwartenden Nachfrageanstieg um 6,7% die mögliche Personallücke auf rund 46.000 Vollzeitäquivalente erhöhen. Damit könnten 22,0% der benötigten Stellen nicht besetzt werden. Bei der Gruppe aller Fachärzte ist der mögliche Personalengpass im Jahr 2020 mit rund 5.200 VZÄ oder 4,9% der Nachfrage dagegen deutlich geringer. Da zwischen 2020 und 2030 jedoch mit einem Einbruch im Angebot von 18,5% gerechnet werden muss, könnte sich die mögliche Lücke im Jahr 2030 auf 28.000 VZÄ bzw. 25,5% der Nachfrage vergrößern.

Da unter den Fachärzten insgesamt sieben ärztliche Berufsklassen zusammengefasst sind, soll deren Entwicklung im Folgenden differenzierter analysiert werden. In Abbildung 6-5 ist die Entwicklung diese Facharztrichtungen jeweils getrennt dargestellt. Dazu gehören:

Chirurgen, Orthopäden (8412),

Hals-, Nasen- und Ohrenärzte (8413),

Augenärzte (8414),

Frauenärzte (8415),

Radiologen (8416),

Neurologen, Psychiater, Psychotherapeuten (8418) sowie

andere Fachärzte (8419).

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-5: Personalengpässe bei Fachärzten nach Berufsklassen in Deutschland im Jahr 2020 und 2030

← 170 | 171 → Die Facharztrichtung mit dem größten Angebotspotenzial im Jahr 2020 ist voraussichtlich die Gruppe der Chirurgen und Orthopäden. In den vorliegen Berechnungen wird von voraussichtlich 29.900 VZÄ ausgegangen. Mit einem möglichen Engpass von rund 1.100 Ärzten blieben damit im Jahr 2020 lediglich 3,5% der benötigen Stellen unbesetzt. Aufgrund eines möglichen Angebotsrückgangs in VZÄ von 15,5% bei gleichzeitigem Nachfrageanstieg von 4,6% bis zum Jahr 2030 könnte die Personallücke allerdings auf 7.100 Ärzte anwachsen und entsprechend 22,0% der Nachfrage betragen.

Das zweithöchste Angebotspotenzial wird voraussichtlich in der Gruppe der übrigen Fachärzte erreicht. Darunter subsumieren sich alle Facharztrichtungen, die nicht zu einer der anderen sechs Facharztrichtungen gehören. Im Jahr 2020 könnte sich dieses Angebotspotenzial auf rund 26.200 VZÄ belaufen. In jenem Jahr wird die Nachfrage auf ca. 29.900 VZÄ geschätzt, so dass sich ein Personalengpass von rund 3.700 VZÄ bzw. 12,2% der Nachfrage ergeben könnte. Bis zum Jahr 2030 könnte das Angebotspotenzial auf 20.300 VZÄ sinken, gleichzeitig ist mit einem Nachfrageanstieg auf ca. 31.400 VZÄ zu rechnen. Die sich daraus ergebende Lücke ist über 11.100 VZÄ groß.

Bei den Frauenärzten könnte dagegen im Jahr 2020 ein Überangebot an Ärzten bestehen. Einer Nachfrage von rund 9.800 VZÄ steht voraussichtlich ein Angebot von 11.600 VZÄ gegenüber. Da zwischen den Jahren 2020 und 2030 mit einem Angebotsrückgang von 15,6% zu rechnen ist, könnten sich Angebot und Nachfrage voraussichtlich ausgleichen. Die Nachfrage nach Frauenärzten bleibt zwischen den Jahren 2020 und 2030 nahezu konstant, von einem signifikanten Anstieg kann nicht ausgegangen werden.

Die Angebots- und Nachfrageprojektion auf Deutschlandebene lässt auch für die nichtärztlichen Berufe erhebliche Personalengpässe erkennen. In Abb. 6-6 sind diese möglichen Engpässe für die Pflegeberufe, die BKZ 853, 854 und 861 dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-6: Personalengpässe bei den Pflegeberufen in Deutschland in den Jahren 2020 und 2030

Mit 491.000 beschäftigten VZÄ ist das höchste Angebotspotenzial im Jahr 2020 bei der Gruppe der Krankenschwestern und -pfleger zu erwarten. Im gleichen Jahr könnte die Nachfrage jedoch um 145.000 VZÄ höher liegen, was zu einem Engpass in gleicher Höhe führen würde. Würde die Nachfrage wie prognostiziert bis zum Jahr 2030 um weitere 7,7% steigen, das Angebot im gleichen Zeitraum dagegen um 8,7% sinken, könnte sich dieser berufsspezifische Engpass auf über 236.000 VZÄ erhöhen. Dann könnte jede 3. nachgefragte Stelle nicht besetzt werden.

Das zweithöchste Angebotspotenzial dieser drei Pflegeberufe ist im Jahr 2020 bei den Altenpflegern und Altenpflegehelfern zu erwarten. In dieser Gruppe könnten in jenem Jahr etwa 277.000 Vollzeitäquivalente ihre Arbeitskraft im Gesundheits- und Pflegewesen anbieten. Im gleichen Jahr beläuft sich die potenzielle Nachfrage auf rund 294.000 VZÄ, was einen Engpass von etwa 16.700 VZÄ bzw. 5,7% der Nachfrage entsprechen würde. Zwischen 2020 und 2030 könnte die Nachfrage in dieser Berufsordnung um weitere 14,3% ansteigen, gleichzeitig ist mit einem Anstieg des Angebotspotenzials in VZÄ um ca. 4,0% zu rechnen. Durch diese Entwicklung würde sich der mögliche Engpass auf rund 48.000 Vollzeitäquivalente erhöhen, damit wären 14,2% der nachgefragten Vollzeitstellen nicht zu besetzen.

Den relativ höchsten Personalengpass im Jahr 2020 könnten die Helfer in der Krankenpflege verzeichnen. Einem Angebotspotenzial von 116.000 VZÄ könnte ein Nachfragepotenzial von knapp 165.000 VZÄ gegenüberstehen. Im ← 172 | 173 → Jahr 2030 könnte der Personalengpass bei den Helfern in der Krankenpflege bei 69.500 Vollzeitäquivalenten liegen, damit könnten in diesem Fall 39,1% der nachgefragten Stellen nicht besetzt werden.

Die Personalengpässe der weiteren nichtärztlichen Berufe sind in Abb. 6-7 dargestellt. Zu diesen Berufen gehören:

Masseure, Krankengymnasten und verwandte Berufe (852),

Diätassistenten, Pharmazeutisch-technische Assistenten (855),

Sprechstundenhelfer (856) sowie

Medizinallaboranten (857).

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-7: Personalengpässe bei den sonstigen nichtärztlichen Berufen in Deutschland im Jahr 2020 und 2030

Die beschäftigungsstärkste Berufsordnung im Gesundheits- und Pflegewesen sind die Sprechstundenhelfer (856). Im Jahr 2020 könnte ein Angebot von rund 491.000 VZÄ erreicht werden. Damit stellt diese Berufsordnung einen Anteil von 26,6% des potenziellen Personalangebots im Jahr 2020. Die Berechnungsergebnisse zeigen für das gleiche Jahr einen möglichen Personalüberschuss von ca. 1.300 VZÄ. Bis zum Jahr 2030 könnte das Angebot um weiter 25.400 VZÄ bzw. 5,2% steigen. Ein möglicher Nachfrageanstieg von 5,4% im gleichen Zeitraum könnte dazu führen, dass Angebot und Nachfrage der Sprechstundenhelfer im Jahr 2030 im Gleichgewicht stehen.

Ebenfalls kein Personalengpass ist langfristig bei den Diätassistenten und Pharmazeutisch-technische Assistenten (855) zu erwarten. Im Jahr 2020 könnte ein Angebotspotenzial von rund 9.300 VZÄ zur Verfügung stehen. Mit einem ← 173 | 174 → Anteil von 0,5% am gesamten Angebotspotenzial ist dies die kleinste nichtärztliche Berufsordnung. Bis zum Jahr 2030 könnte das Personalangebot mit voraussichtlich 10,3% stärker als die Personalnachfrage steigen, die nur um 5,3% zunimmt. Daraus resultiert ein möglicher Überschuss, der absolut mit knapp 800 VZÄ zwar gering ist, im Verhältnis zur Nachfrage allerdings 8,3% beträgt.

Entgegen der bisher darstellten Entwicklung der sonstigen nichtärztlichen Berufe könnten die Medizinallaboranten (857) in Zukunft auf einen Engpass zusteuern. Die Berechnungsergebnisse zeigen für das Jahr eine mögliche Nachfrage von rund 55.300 VZÄ. Dem steht ein Angebotspotenzial von 46.300 VZÄ gegenüber, woraus eine Lücke von rund 9.000 VZÄ entsteht. Da die Nachfrage bis zum Jahr 2030 voraussichtlich um weitere 4,3% steigt, das Angebot im gleichen Zeitraum dagegen um 2,6% fällt, könnte sich der Engpass auf rund 12.900 VZÄ steigern.

Mit einem möglichen Angebotspotenzial von rund 144.000 VZÄ im Jahr 2020 macht die Berufsordnung der Masseure, Krankengymnasten und verwandten Berufe etwa 7,8% des gesamten Angebotspotenzials im Jahr 2020 aus. Die mögliche Nachfrage liegt im gleichen Jahr allerdings nur bei etwa 124.000 VZÄ, so dass eine Überversorgung von etwa 19.700 VZÄ die Folge sein könnte. Bis zum Jahr 2030 könnte das Angebot unter den jetzigen Rahmenbedingungen um weitere 11,8% zunehmen. Da im gleichen Zeitraum die Nachfrage wahrscheinlich um lediglich 5,6% zunimmt, vergrößert sich die mögliche Überversorgung auf rund 29.500 VZÄ bzw. 22,5% im Jahr 2030.

Zusammenfassend kann festgehalten werden, dass Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen insbesondere bei den Ärzten und den Pflegekräften zu erwarten sind. Dagegen ist bei den Masseuren, Krankengymnasten und verwandte Berufen sowohl im Jahr 2020 als auch im Jahr 2030 unter den jetzigen Rahmenbedingungen mit einem Überschuss zu rechnen.

Die bisher dargestellten Ergebnisse wurden zum einen berufsübergreifend auf Ebene der Einrichtungen analysiert. Daraus lassen sich einrichtungsspezifische Engpässe identifizieren. Zum anderen wurde eine einrichtungsübergreifende Analyse auf Ebene der Berufe vorgestellt. Berufs- und einrichtungsspezifische Personalengpässe sind aber vor allem auch regionale Probleme. Aus diesem Grund wird im folgenden Kapitel die Berufs- und Einrichtungsperspektive mit der regionalen Perspektive kombiniert.

← 174 | 175 → 6.2 Regionale Betrachtung

Die Berechnungsergebnisse zeigen, dass die zukünftige Personalsituation im Gesundheits- und Pflegewesen zum Teil erhebliche regionale Unterschiede und Entwicklungen aufweist. Zudem wurde im Verlauf dieser Arbeit herausgestellt, dass zur Erklärung von Mismatches – also des Auseinanderklaffen von Personalangebot und -nachfrage – auch regionale Unterschiede herangezogen werden müssen. In Abb. 6-8 ist daher ein Vergleich der einzelnen Bundesländer412 und Deutschland für die Jahre 2020 und 2030 dargestellt. Dabei werden auf der rechten Ordinate die Werte für Deutschland abgetragen, auf der linken die Werte für die Bundesländer. In dieser Darstellung wird die gesamte Nachfrage dargestellt, die sich aus der durch das Angebot gedeckten Nachfrage und den nicht gedeckten Engpässen zusammensetzt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-8: Gesundheits- und Pflegewesen in den Bundesländern – Engpässe im Jahr 2020 und 2030

Die Flächenländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg haben in den beiden betrachteten Jahren (2020 und 2030) – bedingt durch ihre ← 175 | 176 → Größe und den Bevölkerungsanteil – den absolut größten Anteil der Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegewesen. Es ist zu erwarten, dass in diesen Bundesländern die höchsten absoluten Personalengpässe auftreten könnten. Allein in diesen drei Bundesländern könnte der Personalengpass im Jahr 2020 mit ca. 117.000 Vollzeitäquivalenten rund die Hälfte des gesamtdeutschen Engpasses von 231.000 VZÄ in den Gesundheitsberufen ausmachen. Diese Personalengpässe könnten sich bis zum Jahr 2030 sowohl deutschlandweit als auch in jenen drei Bundesländern deutlich erhöhen. Die größten Veränderungen in den möglichen Personalengpässen werden in Nordrhein-Westfalen erwartet. Im Jahr 2030 könnten mit über 89.000 VZÄ rund 45.000 VZÄ mehr fehlen, als es im Jahr 2020 der Fall war. Dies entspricht dem höchsten absoluten Personalengpass der Bundesländer. Der zweithöchste absolute Personalengpass im Gesundheits- und Pflegewesen könnte in Baden-Württemberg auftreten. Im Jahr 2020 werden voraussichtlich rund 44.500 Vollzeitstellen nicht besetzt werden können. Bis zum Jahr 2030 könnte sich dieser Engpass auf knapp 66.000 erhöhen.

Neben den absoluten Mangelzahlen, die vor allem durch die Bevölkerungsgröße in den einzelnen Bundesländern bestimmt werden, ist die Entwicklung des relativen Mangels bezogen auf die Gesamtnachfrage von besonderem Interesse. Die Berechnungsergebnisse zeigen, dass insbesondere Brandenburg mit einem relativen Engpass von 17,5% im Jahr 2020 und rund 28,2% im Jahr 2030 mit gravierenden Personalengpässen im Gesundheits- und Pflegewesen zu kämpfen haben könnte. Dies stellt die höchste Zunahme des relativen Personalengpasses in allen Bundesländern dar. Der dritthöchste relative Personalengpass im Jahr 2030 wird in Mecklenburg-Vorpommern erwartet. Dann könnten 21,5% oder über 11.000 Vollzeitäquivalente mehr benötigt werden, als zur Verfügung stehen. Im Jahr 2020 könnte dieser Engpass mit ca. 7.300 VZÄ oder 15,2% nicht besetzbarer Stellen moderater ausfallen. Knapp dahinter rangiert Berlin mit einem relativen Engpass von 21,0% im Jahr 2030. Die drei Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin übersteigen somit deutlich die relativen Mangelwerte für gesamt Deutschland von 18,4%.

Die beschriebene regionale Entwicklung der Personalengpässe im gesamten Gesundheits- und Pflegewesen lassen in dieser Form noch keine Rückschlüsse über berufs- oder einrichtungsspezifische Entwicklungen zu. Bei der regionalen Betrachtung ist dabei von besonderem Interesse, in welchen Einrichtungen zukünftig welche Berufe nachgefragt werden. Die Entwicklung der einrichtungsspezifischen Nachfrage ist der entscheidende Treiber für den berufsspezifischen Personalbedarf. Da die Neuzugänge gemäß des Berechnungsmodells anhand der im Jahr 2009 vorzufindenden einrichtungsspezifischen Berufsstruktur auf die Einrichtungen des Bundeslandes verteilt werden (vgl. Kapitel 5.1.3), können zukünftige Anpassungsprozesse auf den regionalen Arbeitsmärkten nicht modelliert ← 176 | 177 → werden. Bei der regionalen Analyse sollten daher mögliche einrichtungsspezifische Engpässe weniger in den Vordergrund gestellt werden. Auf diese Weise würden Mismatches suggeriert, die in dieser Form nicht auftreten werden. Es ist auf regionalen Arbeitsmärkten viel eher davon auszugehen, dass sich Personalangebot und -nachfrage zukünftig gegenseitig beeinflussen und das Personalangebot insbesondere von Einrichtungen mit einer hohen, möglicherweise nicht gedeckten Personalnachfrage absorbiert wird. Von einem Nebeneinander von Einrichtungen mit Personalengpässen und im Extremfall Personalüberschüssen, wie in Kapitel 6.1.1 für die Summe aller ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens in Deutschland dargestellt, kann auf regionaler Ebene nicht ausgegangen werden. Es ist viel mehr davon auszugehen, dass bereits kleine Lohndifferenzen zwischen den Einrichtungen auf regionalen Arbeitsmärkten zu Anpassungsprozessen führen werden.

Aus diesem Grund wird im Folgenden die berufs- und einrichtungsspezifische Nachfrage in den Regionen Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg analysiert und dem gesamten in der jeweiligen Region zur Verfügung stehenden berufsspezifischen Angebot gegenüber gestellt. Dadurch können berufsspezifische Engpässe in den Regionen identifiziert werden, ohne dass durch den Fokus auf Einrichtungsebene Fehlinterpretationen entstehen.

← 177 | 178 → 6.2.1 Nordrhein-Westfalen

In Nordrhein- Westfalen sind die höchsten absoluten Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen zu erwarten. In Abbildung 6-9 wird die Entwicklung von Arbeitsangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Nordrhein-Westfalen dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-9: Entwicklung von Personalangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Nordrhein-Westfalen

Bereits zu Beginn des Betrachtungszeitraums im Jahr 2011 klaffen Arbeitsangebot und -nachfrage auseinander, so dass sich ein Mangel von rund 24.500 Vollzeitäquivalenten im Gesundheits- und Pflegewesen zeigen könnte. Dies entspricht einem Anteil unbesetzter Stellen von rund 6,0%. In den folgenden Jahren wird die Nachfrage nach Gesundheitspersonal weiter ansteigen, im Jahr 2030 könnten etwa 488.000 VZÄ benötigt werden, etwa 18,9% mehr als im Jahr 2011. Zwar steigt auch das Angebot bis etwa zum Jahr 2020 an, jedoch entwickeln sich Angebots- und Nachfrageseite danach voraussichtlich deutlich auseinander. Der Angebotsanstieg von nur rund 3,3% zwischen den Jahren 2011 und 2030 führt dazu, dass der Personalmangel auf über 89.000 VZÄ im Jahr 2030 ansteigen könnte. Damit wären etwa 18,3% der nachgefragten Stellen im Gesundheits- und Pflegewesen nicht zu besetzen.

Neben der globalen Betrachtung von Personalangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen ist insbesondere die berufs- und einrichtungsspezifische Nachfrage von Interesse. In Tabelle 6-1 ist die Personalnachfrage nach ← 178 | 179 → Berufen in den ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie des Pflegewesens im Jahr 2020 dargestellt. Darüber hinaus werden das Angebot sowie der mögliche absolute und relative Personalengpass dargestellt.

Tab. 6-1: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2020

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die höchste Personalnachfrage in den ärztlichen Berufen entsteht in den Facharztrichtungen 8410/8411. Im Jahr 2020 machen sie 64,8% der gesamten Nachfrage nach Ärzten aus. Von dieser Nachfrage könnten rund 36,5% auf die ambulanten und 63,5% auf die stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens fallen. Insgesamt könnte dieser Nachfrage ein Angebot von 35.700 VZÄ ← 179 | 180 → gegenüber stehen, das seit dem Jahr 2011 einen Anstieg von rund 6,2% erfahren hat. Daraus resultiert ein möglicher Engpass von 6.500 VZÄ bzw. 15,4% der Nachfrage in Nordrhein-Westfalen. Dies könnte sowohl absolut als auch relativ der höchste Engpass in den ärztlichen Berufen bedeuten.

Die zweithöchste Personalnachfrage könnten im Jahr 2020 die Chirurgen und Orthopäden (8412) verzeichnen, die rund 6.700 VZÄ bzw. 10,3% der gesamten Nachfrage nach ärztlichen Berufen verzeichnen könnte. Damit wäre die Nachfrage seit 2011 um 6,3% gestiegen. Von der Nachfrage entfallen 63,5% auf die stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens. Die Berechnungen zeigen für das Jahr 2020 jedoch ein Angebot von knapp 7.000 VZÄ, so dass sich eine Überversorgung von knapp 300 VZÄ bzw. 4,2% einstellen könnte. Ein ebenfalls hoher relativer Personalmangel im Jahr 2020 könnte bei den Augenärzten zu erwarten sein. In jenem Jahr könnten 13,1% der benötigten Stellen nicht besetzt werden.

Ferner zeigen die Berechnungsergebnisse eine deutliche Überversorgung mit Frauenärzten. Der Nachfrage von knapp 2.200 VZÄ, die zu einem Großteil aus den ambulanten Einrichtungen des Gesundheitswesens kommt, steht ein Angebot von rund 2.700 VZÄ gegenüber. Damit wäre eine rechnerische Überversorgung von 27,1% erreicht. Weitere Facharztgruppen mit einer möglichen Überversorgung in Nordrhein-Westfalen sind die Chirurgen und Orthopäden mit 4,2% sowie die Radiologen mit 5,7%.

Unter den nichtärztlichen Berufen hat die Gruppe der Krankenschwestern, -pfleger, Hebammen (853) mit rund 135.000 VZÄ voraussichtlich die höchste Personalnachfrage. Diese Nachfrage kommt mit 70,3% maßgeblich aus den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens, gefolgt von den ambulanten Pflegeeinrichtungen mit 13,5%, den stationären Pflegeeinrichtungen mit 11,4% und dem ambulanten Gesundheitswesen mit 4,8%. Dieser Nachfrage steht im Bundesland voraussichtlich ein Angebot von 109.000 VZÄ gegenüber, so dass ein Engpass von 26.700 VZÄ bzw. 19,7% entstehen könnte.

Ein noch höherer relativer Personalengpass könnte bei der Gruppe der Krankenpflegehelfer (854) entstehen. Mit einer Lücke von rund 11.400 VZÄ könnten dann 32,0% der 35.800 nachgefragten Stellen nicht besetzt werden. Diese Nachfrage entsteht zu 51,7% in den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens. Eine ebenfalls stark nachgefragte Berufsordnung stellen die Altenpfleger und Altenpflegehilfskräfte (861) dar. Im Jahr 2020 könnten rund 68.400 VZÄ nachgefragt werden, die mit 66,4% maßgeblich aus den stationären Einrichtungen des Pflegewesens kommen.

Die zweithöchste Personalnachfrage im Jahr 2020 könnte auf die Sprechstundenhelfer entfallen. Etwa 92,8% der Nachfrage über rund 103.000 VZÄ entfallen auf die ambulanten Einrichtungen des Gesundheitswesens. Mit einem ← 180 | 181 → möglichen Angebot von 109.000 könnte in der Region allerdings eine Überversorgung mit dieser Berufsordnung von rund 5,7% entstehen. Weitere Überversorgungen sind bei der Gruppe der Masseure und Krankengymnasten (852) mit 7,4% sowie den Diätassistenten und Pharmazeutisch-technischen Assistenten (855) mit 17,4% zu erwarten.

Wie eingangs dargestellt, wird die Personalnachfrage bis zum Jahr 2030 weiter steigen, während das Angebot nahezu konstant bleibt. Die Auswirkungen auf die berufs- und einrichtungsspezifische Personalnachfrage sind in Tab. 6-2 dargestellt.

Tab. 6-2: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 181 | 182 → Auch im Jahr 2030 wird die höchste Personalnachfrage bei den ärztlichen Berufen in der Facharztrichtung 8410/8411 entstehen. Während die Nachfrage von 2020 bis 2030 um rund 8,0% steigen könnte, geht das Angebot im gleichen Zeitraum um etwa 3,6% zurück. Die Nachfrage steigt in den stationären Einrichtungen voraussichtlich stärker mit 8,9%, während in den ambulanten Einrichtungen mit einem Anstieg von 6,5% zu rechnen ist. Aus dieser Entwicklung resultiert für das Jahr 2030 ein Personalengpass von 11.200 VZÄ bzw. 24,5%.

Unverändert an zweiter Stelle des Nachfragerankings rangieren auch im Jahr 2030 die Chirurgen und Orthopäden. Die Nachfrage steigt zwischen den Jahren 2020 und 2030 etwas moderater als bei den Allgemeinmediziner. Es könnte ein Wachstum der Nachfrage von 5,7% eintreten, die Steigerung kommt ungefähr zu gleichen Teilen aus ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens. In dieser Zeitspanne ist allerdings ein Angebotsrückgang von 16% möglich, so dass sich der Personalüberschuss aus dem Jahr 2020 in einen Personalengpass im Jahr 2030 umkehren könnte. Dann könnten rund 1.200 VZÄ in dieser Facharztrichtung mehr benötigt werden, als zur Verfügung stehen. Damit könnte sich ein relativer Personalmangel von 17,2% einstellen.

Die zuvor skizzierte Überversorgung mit Frauenärzten könnte sich bis zum Jahr 2020 abbauen und zu nahezu einem Ausgleich von Angebot und Nachfrage führen. Diese Entwicklung ist vor allem auf das sinkende Personalangebot zurückzuführen, das zwischen den Jahren 2020 und 2030 um rund 21,3% zurückgeht. Auch bei den Radiologen könnte die Überversorgung aus dem Jahr 2020 verschwinden und einem Personalengpass von 22,7% oder knapp 400 VZÄ weichen. Verantwortlich dafür ist neben einem möglichen Nachfrageanstieg von 5,8% ein deutlicher Angebotsrückgang von 22,6%.

Den Berechnungsergebnissen zufolge, könnte der höchste relative Personalengpass unter den ärztlichen Berufen im Jahr 2020 bei den Augenärzten erwartet werden. Die Personallücke könnte sich auf über 500 VZÄ bzw. 39,6% der Nachfrage belaufen. Hier zeigen die Berechnungsergebnisse mit 26,6% den größten Personalrückgang aller ärztlichen Berufe.

Bei den nichtärztlichen Berufen hat auch im Jahr 2030 die Gruppe Krankenschwestern die höchste Personalnachfrage, die zwischen den Jahren 2020 und 2030 um rund 12.000 VZÄ bzw. 8,8% auf über 147.000 VZÄ ansteigen könnte. Neben der absolut hohen Nachfrage in den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens sind für diesen Anstieg vor allem die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen verantwortlich, die im Jahr 2030 17,1% bzw. 19,3 mehr VZÄ der BKZ 853 nachfragen, als im Jahr 2020. Bei einem zu erwartenden Personalrückgang von rund 9,0% im gleichen Zeitraum könnte sich der Personalengpass in dieser Berufsordnung im Jahr 2030 auf 48.300 VZÄ bzw. 32,8% ← 182 | 183 → vergrößern. Damit bliebe etwa jede dritte benötigte Stelle im Gesundheits- und Pflegewesen in Nordrhein-Westfalen unbesetzt.

Auch der relativ hohe Personalengpass bei der Gruppe der Krankenpflegehelfer (854) wird sich unter den dargestellten Rahmenbedingungen bis zum Jahr 2030 wahrscheinlich deutlich erhöhen. Im Jahr 2030 könnten rund 16.200 VZÄ fehlen, was einem relativen Engpass im Bezug nur Nachfrage von 41,3% entspräche. Diese Entwicklung ist insbesondere einem Nachfrageanstieg von 9,5% zuzuschreiben. Der Angebotsrückgang ist mit 5,6% im Vergleich zur BKZ 853 moderat.

Einen absolut hohen Personalengpass im Jahr 2030 könnten auch die Altenpfleger haben, der rund 15.000 VZÄ bzw. 18,8% der Nachfrage betragen könnte. Damit würde sich der Personalengpass im Vergleich zum Jahr 2020 nahezu verdreifachen. Ursächlich für diese Entwicklung ist der höchste Nachfrageanstieg aller nichtärztlichen Berufe von 16,5% im Vergleich zum Jahr 2020. Im gleichen Zeitraum steigt das Angebot wahrscheinlich um nur 2,6%. Hauptnachfragetreiber sind hier ebenfalls die ambulanten und stationären Einrichtungen des Pflegewesens.

Entgegen den ärztlichen Berufen, können die nichtärztlichen Berufe mit einem Personalüberschuss im Jahr 2020, diesen auch bis zum Jahr 2030 nicht gänzlich abbauen. So ist bei den Sprechstundenhelfern auch im Jahr 2030 eine Überversorgung zu erwarten, die mit rund 4.500 VZÄ zwar kleiner ausfällt, aber immer noch 4,1% der Nachfrage beträgt. Hier zeigen die Berechnungsergebnisse auch zwischen 2020 und 2030 einen Anstieg des Angebotspotenzials um 4,8%. Weiter zunehmen könnte die Überversorgungen dagegen bei den Masseuren und Krankengymnasten (852) und den Diätassistenten und Pharmazeutischtechnischen Assistenten (855). Während das Angebotswachstum bei der BKZ 855 mit 7,8% nur leicht das Nachfragewachstum übersteigt, nimmt das Personalangebot der BKZ 852 wahrscheinlich um 17,0% zu. Im gleichen Zeitraum steigt die Nachfrage aber lediglich um 6,8%.

← 183 | 184 → 6.2.2 Baden-Württemberg

Die Berechnungsergebnisse zeigen für Baden-Württemberg nicht nur die zweithöchsten absoluten Personalengpässe im Jahr 2030, sondern auch die zweithöchsten relativen Engpässe. Zunächst ist in Abb. 6-10 die Entwicklung von Arbeitsangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Baden-Württemberg dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-10: Entwicklung von Personalangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Baden-Württemberg

Die Personalnachfrage liegt im gesamten Betrachtungszeitraum über dem Personalangebot. Im Jahr 2011 war bereits ein rechnerischer Personalmangel von rund 25.700 VZÄ vorhanden. Dies entspricht einem relativen Personalmangel von rund 10,6%. Bis zum Jahr 2030 kann unter den Rahmenbedingungen des Berechnungsmodells mit einem Nachfrageanstieg von 19,5% auf über 290.000 VZÄ gerechnet werden. Bei einem Anstieg des Angebotspotenzials von voraussichtlich 3,4% im gleichen Zeitraum, würde sich der Personalengpass bis zum Jahr 2030 auf knapp 66.000 VZÄ erhöhen. Dann könnten rund 22,6% der nachgefragten Stellen im Gesundheits- und Pflegewesen unbesetzt bleiben.

In Tab. 6-3 ist die berufsspezifische Personalnachfrage in den ambulanten und stationären Einrichtungen des Gesundheits- und Pflegewesens im Jahr 2020 dem Angebotspotenzial in jenem Jahr gegenübergestellt.

← 184 | 185 → Tab. 6-3: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in Baden-Württemberg im Jahr 2020

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die Allgemeinmediziner (BKZ 8410/8411) stellen mit rund 25.100 VZÄ die größte Personalnachfrage der ärztlichen Berufe. Die Nachfrage stammt zu gut einem Drittel aus den ambulanten und zwei Drittel aus den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens. Das im Jahr 2020 voraussichtlich zur Verfügung stehende Angebotspotenzial in dieser Berufsklassifizierung beträgt knapp 21.100 VZÄ. Damit übersteigt die Personalnachfrage das -angebot um rund 4.000 VZÄ, was einen Engpass von 16,1% bedeuten könnte.

Auch in Baden-Württemberg entsteht die zweithöchste Personalnachfrage im Jahr 2020 voraussichtlich bei den Chirurgen und Orthopäden (8412). 35,2% der Nachfrage von knapp 4.000 VZÄ entfallen auf die ambulanten Einrichtungen ← 185 | 186 → des Gesundheitswesens, 64,8% auf die stationären Einrichtungen. Den Ergebnissen zufolge könnte dieser Nachfrage im Jahr 2020 jedoch nur ein Angebot von gut 3.600 VZÄ gegenüberstehen. Daraus resultiert ein möglicher Personalmangel von 8,4% der Nachfrage.

Mit einer möglichen Nachfrage von gut 3.800 VZÄ ist die Gruppe der anderen Fachärzte (8419) die drittstärkste ärztliche Berufsklasse. Seit dem Jahr 2011 ist das Angebotspotenzial um 8,2% gesunken. Im gleichen Zeitraum könnte die Nachfrage um 6,7% steigen. Aus dieser Entwicklung resultiert für das Jahr 2020 ein möglicher Personalengpass von gut 600 VZÄ bzw. 16,3% der Nachfrage. Hohe relative Personalengpässe sind zudem bei den HNO-Ärzten (8413) und den Augenärzten (8414) zu erwarten. Im Jahr 2020 könnte der Engpass 22,5% bzw. 20,5% betragen.

Wie in der Analyse für Nordrhein-Westfalen weisen die Berechnungsergebnisse auch in Baden-Württemberg auf eine Überversorgung mit Frauenärzten (8415) hin, sie fällt mit rund 140 VZÄ bzw. 11,2% aber wesentlich moderater aus. Weitere Überversorgungen sind nicht zu erwarten. Generell zeigen die Berechnungsergebnisse eine im Vergleich zu Nordrhein-Westfalen ausgeprägtere Engpasssituation in den ärztlichen Berufen. Insgesamt beläuft sich der relative Personalengpass der Ärzte auf 13,9%.

Die mit deutlichem Abstand höchste Personalnachfrage bei den nichtärztlichen Berufen ist mit rund 82.000 VZÄ bei den Krankenschwestern und -pflegern (853) zu verzeichnen, die zu 69,1% maßgeblich aus den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens entstammt. Die Nachfrage könnte seit dem Jahr 2011 um 13,9% gestiegen sein. Im gleichen Zeitraum sinkt das Angebotspotenzial dieser Berufsklassifizierung voraussichtlich um 1,6%. Damit steht der Nachfrage im Jahr 2020 ein Angebot von rund 59.000 VZÄ gegenüber, so dass ein Engpass von 22.800 VZÄ bzw. 27,9% entstehen könnte.

Bezüglich des relativen Engpasses liegt die Gruppe der Krankenpflegehelfer (854) auch in dieser Region über der BKZ 853. Hier könnte das Angebotspotenzial zwischen den Jahren 2011 und 2020 um rund 1,7% sinken, während die Nachfrage im gleichen Zeitraum 9,2% steigen könnte. Daraus könnte im Jahr 2020 eine Lücke von rund 6.700 VZÄ bzw. 34,7% der Nachfrage resultieren.

Die nichtärztliche Berufsordnung mit dem zweithöchste absoluten Personalengpass im Jahr 2020 sind die Altenpfleger und Altenpflegehilfskräfte (861). Im Jahr 2020 könnte ein Engpass von rund 8.900 VZÄ bzw. 20,9% entstehen. Mit einem relativen Engpass von 25,4% fehlen darüber hinaus rund 1.800 Vollzeitäquivalente in der Berufsordnung der Medizinallaboranten. Dagegen kann für die Gruppe der Sprechstundenhelfer von einem ausgeglichen Arbeitsmarkt im Jahr 2020 ausgegangen werden, hier beträgt der relative Personalengpass voraussichtlich ← 186 | 187 → lediglich 0,4%. Gleiches kann für die Gruppe der Diätassistenten und Pharmazeutisch-technischen Assistenten konstatiert werden.

Auch in Baden-Württemberg könnte es nichtärztliche Berufsordnungen geben, deren Angebot über der tatsächlichen Nachfrage liegt. Mit einem möglichen Angebot von 17.600 VZÄ könnte dies für die Masseure und Krankengymnasten (852) zutreffen, deren Nachfrage im Jahr 2020 bei voraussichtlich bei 16.200 VZÄ liegt. Damit würde sich ein Angebotsüberhang von 8,6% einstellen.

In Tab. 6-4 ist die einrichtungs- und berufsspezifische Nachfrage im Jahr 2030, sowie der sich daraus ergebende Personalengpass dargestellt.

Tab. 6-4: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in Baden-Württemberg im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 187 | 188 → Der Personalengpass der Facharztrichtung 8410/8411 vergrößert sich um rund 1.700 auf 6.700 VZÄ bzw. 25,0% der Nachfrage. Ursächlich hierfür ist sowohl eine Nachfrageanstieg um 6,5% als auch ein Angebotsrückgang um 4,8% zwischen den Jahren 2020 und 2030. Besonders hohe relative Personalengpässe sind im Jahr 2030 bei den HNO-Ärzten (8413) und den Augenärzten (8414) zu erwarten. Hier könnten in beiden Fällen rund 42% der nachgefragten Stellen nicht besetzt werden. In beiden Arztgruppen ist das schrumpfende Angebot für den Anstieg des Engpasses verantwortlich. In der BKZ 8413 sinkt es zwischen den Jahren 2020 und 2030 wahrscheinlich um 22,7%, in der BKZ 8414 sind es 23,2%.

Der stärkste Angebotsrückgang im Zeitraum von 2020 bis 2030 wird bei den ärztlichen Berufen wahrscheinlich in der Gruppe der andere Fachärzte zu erwarten sein, in der alle sonstigen, nicht in einer der anderen Gruppen klassifizierten Facharztrichtungen zusammengefasst sind. Die Berechnungsergebnisse zeigen in diesem Zeitraum einen Rückgang des Angebotspotenzials um 23,6%. Gleichzeitig könnte die Nachfrage um 5,4% steigen. Daraus resultiert ein möglicher Personalengpass von 1.600 VZÄ im Jahr 2030 in Baden-Württemberg. Dies entspricht einem relativen Engpass von 39,4%.

Die im Jahr 2020 möglicherweise anzutreffende Überversorgung unter den Frauenärzten mit 11,2% könnte sich bis zum Jahr 2030 in einen relativen Personalengpass von etwa gleicher Höhe umschlagen. Ursächlich hier könnte insbesondere das um 18,3% schrumpfende Angebotspotenzial sein, während die Nachfrage nahezu konstant bleibt.

Unter den nichtärztlichen Berufen verzeichnen die Altenpfleger zwischen den Jahren 2020 und 2030 den höchsten Nachfrageanstieg. In jenem Zeitraum wächst die Personalnachfrage um voraussichtlich 12,2% auf rund 48.000 VZÄ an. Da das Angebotspotenzial im gleichen Zeitraum nur um 4,4% steigen könnte, wird sich die Personallücke im Vergleich zum Jahr 2020 weiter vergrößern. Im Jahr 2030 könnte diese Lücke 12.700 VZÄ betragen. Allerdings würde sich die Personallücke damit „nur“ um 41,7% erhöhen, in Nordrhein-Westfalen könnte eine Verdreifachung des Engpasses auftreten. Der überdurchschnittlich hohe Anstieg in der Personalnachfrage nach dieser Berufsordnung kommt auch in Baden-Württemberg aus den ambulanten und stationären Einrichtungen des Pflegewesens.

Die absolut höchste Personalnachfrage der nichtärztlichen Berufe im Jahr 2030 hat allerdings nach wie vor die Berufsordnung der Krankenschwestern und -pfleger. Sie könnte im Jahr 2030 voraussichtlich rund 87.400 VZÄ betragen und wäre damit um weitere 6,8% gestiegen. Für diesen Nachfrageanstieg verantwortlich sind zum einen die stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens, die eine hohe absolute Nachfrage zeigen, aber vor allem auch die ambulanten ← 188 | 189 → und stationären Pflegeeinrichtungen, die zwischen den Jahren 2020 und 2030 12,6% bzw. 14,0% zusätzliche Vollzeitäquivalente nachfragen könnten. Der sich abzeichnende Personalengpass im Jahr 2030 könnte dann rund 33.100 VZÄ bzw. 37,9% der Nachfrage betragen.

Ein nahezu ausgeglichenes Verhältnis von Personalangebot und -nachfrage zeigen die Berechnungsergebnisse für die Berufsordnungen der Diätassistenten und Pharmazeutisch-technischen Assistenten (855) sowie der Sprechstundenhelfer (856). Dagegen könnte die Überversorgung der Masseure, Krankengymnasten und verwandten Berufe (852) bis zum Jahr 2030 weiter auf 16,0% der Nachfrage zunehmen.

6.2.3 Mecklenburg-Vorpommern

Mecklenburg-Vorpommern gehört zu den Bundesländern mit dem geringsten Beschäftigungsumfang im Gesundheits- und Pflegewesen. Im Jahr 2011 waren dort rund 39.100 VZÄ in den relevanten Einrichtungen und Berufen beschäftigt. Lediglich die beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen sowie das Saarland haben eine geringere Beschäftigung. In Abb. 6-11 ist die Entwicklung von Personalangebot und -nachfrage dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-11: Entwicklung von Personalangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in Mecklenburg-Vorpommern

Die Personalnachfrage lag im Jahr 2011 mit 42.500 Vollzeitäquivalenten rund 3.400 VZÄ über dem Angebotspotenzial. Folglich könnten bereits in jenem ← 189 | 190 → Jahr ein Engpass von ca. 7,9% bzw. 9,3% entstanden sein. Im Zeitraum bis zum Jahr 2030 könnte das Personalangebot zwar um 3,3% zunehmen, die mögliche Nachfragesteigerung um 21,2% führt jedoch dazu, dass sich der Personalengpass im Gesundheits- und Pflegewesen in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2030 auf rund 11.100 VZÄ vergrößern könnte. Bei einer Personalnachfrage von ca. 51.500 VZÄ wären damit 21,5% der nachgefragten Vollzeitstellen unbesetzt.

Für die detaillierte berufs- und einrichtungsspezifische Nachfrageanalyse in den Jahren 2020 und 2030 sei auf Tab. 6-5 und Tabelle 6-6 verwiesen.

Tab. 6-5: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2020

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 190 | 191 → Analog zu den bereits analysierten Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg zeigen sich auch in Mecklenburg-Vorpommern ähnliche Trends bezüglich des Beschäftigungsumfangs und der möglichen Engpasssituation in den einzelnen Berufen. Allerdings ist der relative Personalengpass der Facharztrichtungen 8410/8411 mit 13,8% im Jahr 2020 der niedrigste der drei Bundesländer. Es könnten rund 550 der 4.000 nachgefragten VZÄ in dieser Berufsklasse fehlen. Der höchste relative Personalengpass der ärztlichen Berufsklassen wird in Mecklenburg-Vorpommern in der Gruppe der „anderen Fachärzte“ (8419) erwartet. Dort könnte die Nachfrage rund 100 VZÄ über dem Angebot liegen, was zu einem relativen Engpass von 16% führt.

Dagegen zeigen die Berechnungsergebnisse bei einigen Facharztgruppen eine mögliche Überversorgung. Dies trifft insbesondere die Frauenärzte (50,5%), die HNO-Ärzte (25,3%) und die Augenärzte (10,3%). Auch die Chirurgen und Orthopäden (8412) könnten im Jahr 2020 eine Überversorgung erreichen, mit nur 3,6% Angebotsüberhang ist das Verhältnis von Personalangebot und -nachfrage aber nahezu ausgeglichen.

Auch bei den nichtärztlichen Berufen zeigt sich das aus den anderen Bundesländern bekannte Bild. Die BKZ 853 wird voraussichtlich mit 15.300 VZÄ die insgesamt höchste Personalnachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen verzeichnen. Der mögliche Personalengpass über alle Einrichtungen hinweg könnte im Jahr 2020 rund 3.500 VZÄ bzw. 23,3% betragen. Darüber hinaus sind in den Berufsordnungen der Krankenpflegehelfer (854) und der Altenpfleger (861) höhere Personalengpässe zu erwarten. Diese betragen in beiden Fällen rund 1.100 VZÄ. Bei den Altenpflegern ist der relative Engpass mit 30,6% gegenüber den Krankenpflegehelfern mit 14,7% jedoch deutlich höher.

Im Gegensatz zu den bisher analysierten Bundesländern zeigen die Berechnungsergebnisse für die Sprechstundenhelfer in Mecklenburg-Vorpommern ein differenziertes Bild. Hier könnte im Jahr 2020 ebenfalls ein deutlicher Personalengpass von rund 1.400 VZÄ bzw. 13,1% entstehen. In Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg waren Personalangebot und -nachfrage in dieser Berufsordnung stets ausgeglichener. In Tab. 6-6 ist die berufs- und einrichtungsspezifische Personalsituation in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2030 dargestellt.

← 191 | 192 → Tab. 6-6: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die Personalnachfrage nach der Facharztrichtung 8410/8411 könnte zwischen den Jahren 2020 und 2030 um rund 7,2% steigen, gleichzeitig wird sich das Angebot um voraussichtlich 5,1% erhöhen. Zwar verläuft die Entwicklung hier nahezu parallel, dennoch könnte sich der mögliche relative Personalengpass im Jahr 2030 auf rund 15,5% erhöhen. Dagegen könnte der Engpass in der Gruppe der Radiologen (8416) deutlich zunehmen. Während im Jahr 2020 voraussichtlich noch ein relativer Engpass von 8,6% vorlag, könnte dieser bis zum Jahr 2030 auf 41,4% ansteigen. Ursächlich hierfür ist der starke Rückgang des Angebotspotenzials von rund 33,1% zwischen den Jahren 2020 und 2030. Ein ebenfalls deutlicher Anstieg des relativen Personalengpasses zeigen die Neurologen, ← 192 | 193 → Psychiater und Psychotherapeuten (8418), die im Jahr 2030 einen relativen Engpass von 27,2% haben könnten. Hier bricht das Angebot um 19,6% ein, bei nahezu konstanter Nachfrageentwicklung. Weitere arztgruppenspezifische Entwicklungen sind in Tabelle 6-6 dargestellt.

Bei den nichtärztlichen Berufen wird bei den Altenpflegern der stärkste Nachfrageanstieg erwartet. Zwischen den Jahren 2020 und 2030 könnten rund 12,5% mehr Vollzeitäquivalente nachgefragt werden. Da das Angebotspotenzial den Berechnungsergebnissen zufolge im gleichen Zeitraum um lediglich 1,5% steigen könnte, wird sich der Engpass voraussichtlich auf 22,9% bzw. 2.000 VZÄ erhöhen. Dies ist der zweithöchste absolute Personalengpass aller betrachteten nichtärztlichen Berufsordnungen.

Der zweithöchste Nachfrageanstieg könnte bei den Krankenpflegehelfern eintreten, die um 8,3% zunehmen. Dem steht ein möglicher Angebotsrückgang von 7,3% gegenüber. Aus diesem Grund vergrößert sich die Personallücke im Jahr 2030 auf über 1.600 VZÄ bzw. 40,6%. Mit einem Nachfrageanstieg von 7,8% liegt die BKZ 853 nur knapp dahinter. Allerdings zeigen die Berechnungsergebnisse in dieser Berufsordnung einen noch stärker Angebotsrückgang von 10,6%. Daraus resultiert ein möglicher Personalengpass von rund 6.000 VZÄ, der mit Abstand höchste Engpass im gesamten Gesundheits- und Pflegewesen in Mecklenburg-Vorpommern.

Bei den Sprechstundenhelfern wird sich der Engpass im Vergleich zum Jahr 2020 dagegen verringern. Da das Angebot mit 9,5% voraussichtlich stärker als die Nachfrage mit 5,1% steigen könnte, schrumpft der Personalengpass von 1.400 VZÄ auf rund 1.100 VZÄ bzw. 9,5%.

← 193 | 194 → 6.2.4 Berlin-Brandenburg

In diesem Kapitel wird die Personalsituation im Gesundheits- und Pflegewesen in der Region Berlin-Brandenburg analysiert. Beide Bundesländer erfordern wegen des Metropolcharakters der Region eine gemeinsame Betrachtung. Wie sich im weiteren Verlauf des Kapitels zeigen wird, kommt es insbesondere bei den Ärzten zu Engpassentwicklungen, die diese gemeinsame Betrachtung rechtfertigt. In Abbildung 6-12 ist die Entwicklung von Arbeitsangebot und -nachfrage in der gesamten Region dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-12: Entwicklung von Personalangebot und -nachfrage im Gesundheits- und Pflegewesen in der Region Berlin-Brandenburg

Bereits zu Beginn des Betrachtungszeitraums im Jahr 2011 könnte sich ein Gesamtmangel von rund 12.300 Vollzeitäquivalenten im Gesundheits- und Pflegewesen einstellen. Dies bedeutet, dass etwa 8,5% der nachgefragten Stellen nicht besetzt werden können. Bis zum Jahr 2030 könnte die Personalnachfrage um 24,8% zunehmen, während das Personalangebot um lediglich 3,1% ansteigt. Aus dieser Entwicklung könnte im Jahr 2030 ein Personalengpass von ca. 44.300 VZÄ bzw. 24,4% entstehen.

Die Berechnungsergebnisse zeigen insbesondere bei den berufs- und einrichtungsspezifischen Ergebnissen deutliche Unterschiede zwischen beiden Bundesländern, die auch auf die Modellierung des Berechnungsmodells zurückzuführen sind. Anhand einer getrennten Analyse beider Bundesländer, können die Eigenheiten und Grenzen des Berechnungsmodells sehr gut dargestellt werden. ← 194 | 195 → Dazu wird zunächst die einrichtungs- und berufsspezifische Nachfrage der Ärzte für Berlin und Brandenburg in den Jahren 2020 und 2030 dargestellt (vgl. Tabelle 6-7). Anschließend wird die Situation der nichtärztlichen Berufsordnungen analysiert.

Tab. 6-7: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung der ärztlichen Berufe im Gesundheitswesen in Berlin und Brandenburg im Jahr 2020 und 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Es fällt auf, dass die Berechnungsergebnisse für alle ärztlichen Berufe im Bundesland Berlin einen Personalüberschuss im Jahr 2020 ausweisen. Dieser fällt mit 45,8% bei den Frauenärzten besonders gravierend aus. Aber auch bei den Chirurgen und Orthopäden (8412), Neurologen (8418) und den „anderen ← 195 | 196 → Fachärzten“ (8419) sind hohe absolute Personalüberschüsse zu erwarten. Dagegen zeigen die Ergebnisse für Brandenburg im Jahr 2020 bereits einen sehr hohen ärztlichen Personalmangel, der bis zu 66,4% bei den „anderen Fachärzten“ reicht. Lediglich bei den Neurologen zeigen die Berechnungsergebnisse eine Überversorgung von 55,7%. Bis zum Jahr 2030 könnte sich die rechnerische Überversorgung in Berlin in vielen Facharztrichtungen abbauen, während der Personalmangel in Brandenburg in einigen Berufsklassen auf über 90% steigen könnte.

Um dieses Phänomen zwischen Berlin und Brandenburg besser darstellen zu können, sind für beide Bundesländer in Abb. 6-13 die durch das Angebot gedeckte Nachfrage sowie der Personalengpass oder -überschuss nach Allgemeinmedizinern (8410/8411) und Fachärzten (8412-8419) dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-13: Entwicklung von gedeckter Nachfrage (Angebot) und Personalengpass bei Allgemeinmedizinern und Fachärzten in Berlin und Brandenburg im Jahr 2020 und 2030

Während in Berlin vor allem im Jahr 2020 eine Überversorgung, insbesondere an Fachärzten herrscht, verdeutlicht die Grafik den bereits angesprochenen Personalmangel in Brandenburg. Im Jahr 2030 ergibt sich für Berlin immer noch ein rechnerisch ausgeglichener Arbeitsmarkt sowohl für Allgemeinmediziner als auch für Fachärzte. In Brandenburg ist dagegen bereits im Jahr 2020 mit einem Engpass 9,5% Allgemeinmedizinern zu rechnen, der sich bis zum Jahr 2030 auf 20,7% bzw. rund 1.700 VZÄ erhöhen könnte.

← 196 | 197 → Dagegen zeichnet die Gruppe der gesamten Fachärzte ein anderes Bild. Hier scheint es so, dass Berlin im Jahr 2020 eine relativ hohe Überversorgung von 23,1% hat, während Brandenburg eine Unterversorgung von 42,9% aufweist. Im Jahr 2030 ist der Arbeitsmarkt in Berlin ausgeglichen und in Brandenburg würde sich ein rechnerischer Personalengpass von 63,8% ergeben.

Bei der Interpretation dieser Ergebnisse müssen die zugrundeliegenden Annahmen des Berechnungsmodells beachtet werden. Die Personalnachfrage entsteht maßgeblich durch die demografisch bedingte Morbiditätsentwicklung in den Bundesländern, der das Personalangebot des jeweiligen Bundeslandes gegenüber gestellt wird. Durch diese Methodik können Nachfrage- und Angebotsbeziehungen und Verschiebungen über die Landesgrenzen hinweg nicht modelliert werden. Allerdings ist gerade bei den Fachärzten in der Region Berlin-Brandenburg davon auszugehen, dass sich diese in Berlin konzentrieren, da dort eine hohe Dichte von Kliniken und medizinischen Zentren vorzufinden ist.413 Diese Einrichtungen befriedigen auch die Nachfrage nach medizinischen Leistungen aus den angrenzenden Regionen in Brandenburg. Es kommt zu einer Art „Gesundheitstourismus“ in die Hauptstadt hinein. Da die Nachfrage im Berechnungsmodell lediglich über die Bevölkerungsentwicklung in Berlin berechnet wird, zeigen die Berechnungsergebnisse diese deutlichen Angebotsüberschüsse in Berlin.

Bis zum Jahr 2030 kann ferner davon ausgegangen werden, dass sich bei diesen gravierenden Engpässen in Brandenburg frühzeitig Anpassungsprozesse in Gang setzten werden, die von der Modellierung der Angebotsverteilung im Berechnungsmodell nicht berücksichtigt werden können. Es ist anzunehmen, dass sich die tatsächlichen Werte zwischen den Extremwerten der Über- und Unterversorgung einpendeln werden. Wird die gesamte Region betrachtet, würde der Personalmangel der Fachärzte im Jahr 2030 rund 2.300 VZÄ betragen. Bezogen auf die Gesamtnachfrage in der Region Berlin-Brandenburg, würden rund 28% der benötigten Facharztstellen nicht besetzt werden können. Dieser Wert ist mit anderen Regionen vergleichbar.

Neben den ärztlichen Berufen werden im Gesundheits- und Pflegewesen in der Region Berlin-Brandenburg in Zukunft vor allem die Krankenpfleger (853) und Krankenpflegehelfer (854), Sprechstundenhelfer (856) sowie Altenpfleger und Altenpflegehelfer (861) besonders stark nachgefragt. Die Entwicklung der nichtärztlichen Berufsordnungen wird im Folgenden erläutert.

← 197 | 198 → Tab. 6-8: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung der nichtärztlichen Berufe im Gesundheits- und Pflegewesen in Berlin und Brandenburg im Jahr 2020

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die Berufsordnung der Krankenschwestern und -pfleger (853) ist im Jahr 2020 sowohl in Berlin als auch in Brandenburg mit rund 19.100 bzw. 18.100 VZÄ die voraussichtlich beschäftigungsstärkste nichtärztliche Berufsordnung. In beiden Bundesländern entsteht die Nachfrage nach dieser Berufsordnung zu rund zwei Drittel in den stationären Einrichtungen des Gesundheitswesens. In Berlin könnte sie mit rund 27.300 VZÄ im Vergleich zu Brandenburg mit 20.200 VZÄ allerdings deutlich höher ausfallen. Daraus resultiert in Berlin ein Engpass von rund 8.200 VZÄ bzw. 30,1%. In Brandenburg fällt der Personalengpass mit 16,4% bzw. 3.600 VZÄ voraussichtlich moderater aus.

Den höchsten relativen Personalengpass in Berlin könnten die Krankenpflegehelfer erwarten. Möglicherweise stehen im Jahr 2020 rund 2.800 VZÄ bzw. 36,9% zu wenig zur Verfügung. Für Brandenburg weisen die Berechnungsergebnisse ← 198 | 199 → dagegen bei der Berufsklassifizierung 855 mit 32,2% den höchsten relativen Engpass aus. Auch wenn dieser nur rund 100 VZÄ beträgt.

Die Sprechstundenhelfer (856) sind die Berufsordnung mit der zweithöchsten Personalnachfrage in der Region Berlin-Brandenburg. Die Berechnungsergebnisse zeigen im Vergleich zu den bisher analysierten Bundesländern eine untypische Entwicklung auf. Im Jahr 2020 könnten in Berlin etwa 2.400 VZÄ auf dem Arbeitsmarkt fehlen, was rund 11,8% der gesamten Nachfrage entspricht. In Brandenburg könnten es mit 5.100 VZÄ sogar 25,7% sein. Ein relativer als auch absoluter Mangel in dieser Höhe kann in keiner anderen Region für diese Berufsordnung festgestellt werden.

Die dritthöchste Personalnachfrage im Jahr 2020 erfahren voraussichtlich die Altenpfleger (861). Dabei entsteht in der gesamten Region eine Nachfrage von rund 23.800 VZÄ, die zu 56,3% in Berlin entsteht. Da in Berlin den Berechnungsergebnissen zufolge nur 55,2% des gesamten Personalangebots von rund 22.100 vorhanden sein könnten, entsteht dort ein relativer Engpass von 9,2%, während er in Brandenburg voraussichtlich nur 4,2% beträgt.

Die Personalsituation der nichtärztlichen Berufe in Berlin und Brandenburg im Jahr 2030 ist in Tab. 6-9 dargestellt.

← 199 | 200 → Tab. 6-9: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung der nichtärztlichen Berufe im Gesundheits- und Pflegewesen in Berlin und Brandenburg im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die Nachfrage der Berufsordnung der Krankenschwestern und -pfleger (853) nimmt zwischen den Jahren 2020 und 2030 in Brandenburg mit 12,1% stärker zu als in Berlin mit 8,0%. Gleichzeitig kann laut den Berechnungsergebnissen davon ausgegangen werden, dass das Angebot in Brandenburg in diesem Zeitraum mit 11,5% stärker abnimmt als in Berlin mit 7,0%. Folge dieser Entwicklung könnte sein, dass sich die relativen Engpässe in beiden Bundesländern annähern. In Berlin könnten dann 39,8% und in Brandenburg 34,1% der nachgefragten Stellen nicht besetzt werden. Tendenziell gleiche Entwicklungen erfahren die Krankenpflegehelfer. Sowohl in Berlin als auch in Brandenburg bricht das Angebot ein, während die Nachfrage weiter steigt. Daraus resultieren in beiden Bundesländern die höchsten relativen Personalengpässe mit 46,7% bzw. 44,1%.

← 200 | 201 → Dagegen ist bei den Sprechstundenhelfern (856) mit einem weiteren Anstieg des Angebotspotenzials zu rechnen, der sowohl in Berlin als auch in Brandenburg über dem möglichen Nachfrageanstieg liegt. Dadurch reduzieren sich in beiden Bundesländern die Personalengpässe in dieser Berufsordnung auf 9,2% in Berlin und 25,5% in Brandenburg. Dennoch sind die möglichen Personalengpässe im Jahr 2030 mit 7.500 VZÄ bzw. über 17% der Gesamtnachfrage in der gesamten Region immer noch auf vergleichsweise hohem Niveau.

Die stärkste Nachfragesteigerung zwischen den Jahren 2020 und 2030 erfahren auch in dieser Region die Altenpfleger. In Berlin könnte die Nachfrage um 15,4% auf 15.500 VZÄ zunehmen, in Brandenburg sogar um 23,7% auf 12.900 VZÄ. In beiden Bundesländern bleibt das Arbeitsangebot dagegen nahezu konstant. Damit vergrößert sich die mögliche Personallücke auf 3.300 VZÄ in Berlin bzw. 2.800 VZÄ in Brandenburg. Die relativen Personalengpässe in den Bundesländern wären damit nahezu identisch. Die weiteren berufsspezifischen Ergebnisse für das Jahr 2030 sind in Tabelle 6-9 dargestellt. In Tabelle 6-10 sind beide Bundesländer für das Jahr 2030 zusammengefasst.

← 201 | 202 → Tab. 6-10: Einrichtungs- und berufsspezifische Betrachtung in der Region Berlin- Brandenburg im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 202 | 203 → 6.3 Szenarienanalyse

In Kapitel 3.4.2 wurden die entscheidenden Entwicklungstrends der Erwerbstätigkeit aufgezeigt. Dabei hat sich gezeigt, dass die Entwicklung der Erwerbstätigkeit insbesondere von der Teilnahme der Gesundheitsdienstberufe an der gesundheitlichen Versorgung (Teilnahmequote) und der Zunahme der Teilzeitarbeitsverhältnisse (Vollzeitquote) geprägt war. In den bisher dargestellten Ergebnissen wurden diese Quoten auf dem Stand von 2009 belassen.414 In diesem Abschnitt wird nun analysiert, wie sich eine Erhöhung der Teilnahmequote (TQ) und Vollzeitquote (VZQ) auf das Arbeitsangebot auswirken könnte. Darüber hinaus wurde in einem weiteren Szenario zusätzlich das Renteneintrittsalter angehoben.

In der nachfolgenden Tabelle sind die Annahmen der Einflussfaktoren im Basisszenario sowie deren Variation in Szenario 1 und Szenario 2 dargestellt (vgl. Tab. 6-11).

Tab. 6-11: Darstellung der Szenarien und der zugrundeliegenden Annahmen

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Quelle: Eigene Darstellung.

Im Basis-Szenario werden die Einflussfaktoren auf dem aktuellen Stand des Jahres 2009 belassen. In Szenario 1 wurden die berufsspezifischen Teilnahmeund Vollzeitquoten schrittweise bis 10% (2030) erhöht. Jedoch sei angemerkt, dass diese Quoten per Definition nicht größer 1 werden können. Hätte ein Beruf beispielsweise eine Vollzeitquote von 0,93 so ließe sie sich maximal um 7,5% auf 1,00 steigern. In Szenario 2 wurde zusätzlich zu den beschriebenen Maßnahmen des Szenarios 1 eine Erhöhung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre im Vergleich zum Basis-Szenario vorgenommen.

← 203 | 204 → 6.3.1 Nordrhein-Westfalen

Im Rahmen der differenzierten regionalen Analyse wurden in Kapitel 6.2.1 die möglichen berufsspezifischen Personalengpässe für Nordrhein-Westfalen aufgezeigt und analysiert. In Tabelle 6-12 sind die Berufe mit den höchsten Engpässen in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2020 und 2030 erneut zusammengefasst.

Tab. 6-12: Berufe mit den höchsten Engpässen in Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2020 und 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Im weiteren Verlauf dieses Kapitels soll nun analysiert werden, wie sich das Angebot in ausgewählten Berufen abhängig von den zuvor beschriebenen Szenarien entwickeln und welche Auswirkungen diese Entwicklung auf die regionalen und berufsspezifischen Personalengpässe haben könnte. Zunächst ist in Abb. 6-14 die mögliche Entwicklung des Angebotspotenzials in Vollzeitäquivalente der Facharztrichtung 8410/8411 dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-14: Angebotspotenzial der Allgemeinmediziner (8410/8411) in Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Szenarien

Unter den eingangs des Kapitels beschriebenen Annahmen könnte bei einer Erhöhung der Teilnahme- und Vollzeitquote um 10% (Szenario 1) das Angebotspotenzial in VZÄ im Jahr 2030 um 10,5% auf über 38.000 VZÄ gesteigert werden. Im Basisszenario betrug es rund 34.400. Wäre es darüber hinaus möglich, das Renteneintrittsalter wie beschrieben anzuheben (Szenario 2), könnte das Angebotspotenzial im Jahr 2030 um weitere rund 2.000 VZÄ erhöht werden. Dies entspräche einem Zuwachs von 16,5% im Jahr 2030. Unter den beschriebenen Entwicklungen ließe sich der Personalengpass im Jahr 2030 in dieser ärztlichen Berufsklasse auf rund 7.500 VZÄ bzw. 5.500 VZÄ reduzieren. Dies entspräche einem relativen Personalengpass von 16,5% bzw. 12,0%.

Die Entwicklung des Angebotspotenzials der Gruppe der anderen Fachärzte ist für die drei Szenarien in Abb. 6-15 dargestellt. Anders als bei den bisher dargestellten ärztlichen Berufsklassen, geht das Angebot in allen drei Szenarien deutlich zurück. In Szenario 1 könnte es durch eine Erhöhung der Teilnahmeund Vollzeitquote gelingen, das Angebotspotenzial in VZÄ im Jahr 2030 um 10,7% auf rund 5.000 VZÄ zu erhöhen. Dies entspräche einem Zuwachs von ca. 500 VZÄ im Vergleich zum Basisszenario. Bei einer zusätzlichen Erhöhung des Renteneintrittsalters (Szenario 2), würde sich sogar eine Erhöhung des Angebotspotenzials im Jahr 2030 um 24,0% im Vergleich zum Basisszenario ergeben. Dies entspräche einem Zuwachs von 16,5% im Jahr 2030. Damit könnte ausgehend von einem Personalengpass von rund 2.400 VZÄ im Basisszenario ← 205 | 206 → eine Verringerung auf 1.900 VZÄ in Szenario 1 bzw. 1.300 VZÄ in Szenario 2 erreicht werden. Damit beliefe sich der relative Engpass auf 27,2% bzw. 18,5%.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-15: Angebotspotenzial der „anderen Fachärzte“ (8419) in Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Szenarien

Die Entwicklung des Angebotspotenzials ausgewählter nichtärztlicher Berufe wird im Folgenden analysiert. In Abb. 6-16 ist die Entwicklung des Angebotspotenzials in der Berufsordnung der Krankenschwestern und -pfleger dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-16: Angebotspotenzial der Krankenschwestern, -pfleger, Hebammen (853) in Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Szenarien

Im Basisszenario ist mit einem Angebotsrückgang von 10,9% zwischen den Jahren 2011 und 2030 auszugehen. Durch eine Erhöhung der Teilnahme- und Vollzeitquote um 10% (Szenario 1) könnte das Angebotspotenzial in VZÄ im Jahr 2030 nahezu das Niveau des Ausgangsjahres halten, es ist lediglich von einem Rückgang um 0,8% auszugehen. Das Angebotspotenzial könnte im Vergleich zum Basisszenario um 11,8% auf über 110.000 VZÄ gesteigert werden. Bei einer zusätzlichen Anhebung des Renteneintrittsalters unter den in Szenario 2 beschrieben Annahmen, könnte das Angebotspotenzial in Vollzeitäquivalenten sogar um 18,6% erhöht werden. Dies entspräche einem gesamten Zuwachs von rund 18.400 VZÄ im Vergleich zum Basisszenario. Die beschriebene Steigerung des Angebotspotenzials in den beiden Szenarien könnte dazu führen, dass sich der Personalengpass dieser Berufsordnung im Jahr 2030 auf rund 36.600 VZÄ bzw. 29.900 VZÄ reduzieren ließe. Dies entspräche einem relativen Engpass von 24,9% bzw. 20,3%.

Als zweite nichtärztliche Berufsordnung soll die Gruppe der Altenpfleger (862) analysiert werden, da diese insbesondere durch den starken Nachfrageanstieg in den ambulanten und stationären Einrichtungen des Pflegewesens eine hohe Zunahme der absoluten Personalengpässe erwarten lässt. In Abbildung 6-17 ist die Entwicklung in den Szenarien dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-17: Angebotspotenzial der Altenpfleger (861) in Nordrhein-Westfalen in verschiedenen Szenarien

Im Vergleich zur Berufsklassifikation 853 ist bei den Altenpflegern auch im Basisszenario von einem Anstieg des Angebotspotenzials auszugehen. Zwischen den Jahren 2011 und 2030 könnte das Angebot um 7,0% zunehmen. Szenario 1 könnte dazu beitragen, dass sich das Angebotspotenzial in VZÄ im Jahr 2030 um 13,1% auf rund 73.200 VZÄ erhöhen ließe. In Szenario 2 könnte die zusätzliche Erhöhung des Renteneintrittsalters zu einer weiteren Steigerung des Angebotspotenzials um rund 3.000 VZÄ führen. Die Steigerung um rund 11.600 VZÄ im Jahr 2030 im Vergleich zum Basisszenario bedeutet eine Zunahme des Angebotspotenzials um 18,0%. Somit könnte der im Basisszenario auftretende Engpass von rund 15.000 VZÄ bereits in Szenario 1 mehr als halbiert werden. Hier würde sich voraussichtlich ein Personalengpass von rund 6.500 VZÄ einstellen. Dies entspricht 8,1% der Nachfrage. In Szenario 2 würde der Mangel weiter auf rund 3.300 VZÄ bzw. 4,2% schrumpfen.

Zusammenfassend ist die Entwicklung der berufsspezifischen Personalengpässe im Jahr 2030 in den drei Szenarien in Tabelle 6-13 dargestellt.

← 208 | 209 → Tab. 6-13: Engpässe nach Berufen in Nordrhein-Westfalen in den Szenarien im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 209 | 210 → 6.3.2 Baden-Württemberg

In Kapitel 6.2.2 wurden die möglichen berufsspezifischen Personalengpässe im Gesundheits- und Sozialwesen in Baden-Württemberg analysiert. In Tab. 6-14 sind jene Berufe dargestellt, die in den Jahren 2020 und 2030 einen Personalengpass verzeichnen könnten.

Tab. 6-14: Berufe mit den höchsten Engpässen in Baden-Württemberg in den Jahren 2020 und 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Anschließend erfolgt die Analyse des Angebotspotenzials ausgewählter ärztlicher und nichtärztlicher Berufe unter den Rahmenbedingungen der zuvor definierten Szenarien. Es wird ferner aufgezeigt, welche Auswirkungen auf die regionalen und berufsspezifischen Personalengpässe daraus resultieren. Abbildung 6-18 zeigt die in den drei Szenarien mögliche Entwicklung des Angebotspotenzials der Facharztrichtung 8410/8411 (Allgemeinmediziner). Auch wenn diese ärztliche Berufsklasse eher durchschnittliche relative Fachkräfteengpässe aufweisen könnte, ist sie aufgrund ihrer Beschäftigungsstärke für die Sicherstellung der ärztlichen Versorgung entscheidend.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-18: Angebotspotenzial der Allgemeinmediziner (8410/8411) in Baden-Württemberg in verschiedenen Szenarien

Die Berechnungsergebnisse zeigen im Basis-Szenario einen Rückgang des Angebotspotenzials von 1,9% zwischen den Jahren 2011 und 2030. Durch Erhöhung der Teilnahme- und Vollzeitquote um 10% in Szenario 1 könnte das Angebotspotenzial im Jahr 2030 um über 2.100 VZÄ gesteigert werden. Bei einer Anpassung des Renteneintrittsalters zu den in Szenario 2 getroffenen Annahmen, würde sich das Angebotspotenzial in Vollzeitäquivalente abermals um ca. 1.200 VZÄ auf dann rund 23.300 VZÄ erhöhen lassen. Damit ließe sich der Personalengpass im Jahr 2030 auf ca. 4.600 VZÄ (Szenario 1) bzw. 3.400 VZÄ (Szenario 2) reduzieren. Im besten Fall bliebe so nur etwa jede 10. benötigte Stelle (12,0%) unbesetzt.

Darüber hinaus zeigen die eingangs dargestellten Berechnungsergebnisse, dass bei HNO-Ärzten der höchste relative Personalengpass entstehen könnte. Die Entwicklung des Angebotspotenzials in den drei Szenarien wird in Abbildung 6-19 für diese Facharztgruppe dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-19: Angebotspotenzial der HNO-Ärzte (8413) in Baden-Württemberg in verschiedenen Szenarien

Im Basis-Szenario sinkt das Angebotspotenzial der HNO-Ärzte im Betrachtungszeitraum um 29,2%. Auch in den übrigen beiden Szenarien ist mit einem Rückgang zu rechnen. In Szenario 1 ließe sich das Angebotspotenzial im Jahr 2030 um 10,8% auf über 400 VZÄ steigern. Mit Szenario 2 ließen sich sogar rund 23,3% mehr Vollzeitäquivalente in dieser Berufsklasse im Jahr 2030 gewinnen. Der Personalengpass im Jahr 2030 ließe sich durch Erhöhung der Teilnahme- und Vollzeitquote sowie des Renteneintrittsalter von 42,0% auf 28,5% der Nachfrage reduzieren. Dennoch würde knapp 200 Vollzeitäquivalente mehr nachgefragt als im Bundesland Baden-Württemberg angeboten.

Die höchsten relativen Personalengpässe der nichtärztlichen Berufe ergeben sich laut den Berechnungsergebnissen bei den Berufskennziffern 853 und 854. Zunächst ist die Entwicklung des Angebotspotenzials der Berufsordnung der Krankenschwestern und -pfleger (853) in Abbildung 6-20 dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-20: Angebotspotenzial der Krankenschwestern, -pfleger, Hebammen (853) in Baden-Württemberg in verschiedenen Szenarien

Das Basisszenario zeigt auch hier einen Angebotsrückgang von 9,4% im Betrachtungszeitraum. Die Annahmen des Szenario 1 würden zunächst für einen deutlichen Angebotsanstieg um bis zu 3,5% im Jahr 2020 führen, bis zum Ende Jahr 2030 würde sich das Angebot allerdings auf dem Niveau des Startjahres einpendeln. Dennoch ließe sich so das Angebotspotenzial im Jahr 2030 um rund 11,9% auf rund 60.700 VZÄ heben. Würde zusätzlich das Renteneintrittsalter angehoben, würde sich das Angebotspotenzial im Jahr 2030 auf rund 64.200 VZÄ erhöhen. Damit ließen sich die zuvor dargestellten Personalengpässe auf 26.600 VZÄ (Szenario 1) bzw. 23.100 VZÄ verringern. Dennoch wäre auch in Szenario 2 noch 26,5% der Nachfrage nicht durch das Angebot in Baden-Württemberg gedeckt.

Der zweithöchste relative Personalengpass der nichtärztlichen Berufe in Baden-Württemberg könnte laut den Berechnungsergebnissen bei den Krankenpflegehelfern (854) auftreten. In Abbildung 6-21 ist die Entwicklung dieser Berufsordnung in Abhängigkeit der drei Szenarien dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-21: Angebotspotenzial der Krankenpflegehelfer (854) in Baden-Württemberg in verschiedenen Szenarien

Im Vergleich zur Berufsklassifikation 853 geht das Angebotspotenzial der Krankenpflegehelfer voraussichtlich weniger stark zurück. Im Betrachtungszeitraum ist mit einem Rückgang von 5,2% zu rechnen. Mit einer um 10% höheren Teilnahme- und Vollzeitquote ließe sich das Angebotspotenzials im Jahr 2030 um bis zu 12,7% erhöhen (Szenario 1). Dann ständen 13.800 Vollzeitäquivalente zur Verfügung, in Szenario 2 sogar 14.400 VZÄ. Selbst im besten Szenario ließe sich Personalengpass „nur“ auf 6.200 VZÄ bzw. 30% der Nachfrage reduzieren. Die weiteren berufsspezifischen Personalengpässe, die sich im Jahr 2030 in den Szenarien 1 und 2 einstellen könnten, sind in Tab. 6-15 zusammenfassend dargestellt.

← 214 | 215 → Tab. 6-15: Engpässe nach Berufen in Baden-Württemberg in den Szenarien im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 215 | 216 → 6.3.3 Mecklenburg-Vorpommern

In Kapitel 6.2.3 wurden die möglichen berufsspezifischen Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen in Mecklenburg-Vorpommern analysiert. In Tab. 6-16 sind die Berufe mit den höchsten Engpässen zusammenfassend dargestellt.

Tab. 6-16: Berufe mit dem höchsten Engpass in Mecklenburg-Vorpommern in den Jahren 2020 und 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die Berufsklasse mit dem höchsten relativen Personalengpass im Jahr 2030 ist die Gruppe der Radiologen (8416). In Abb. 6-22 ist die Entwicklung des Angebotspotenzials in Vollzeitäquivalenten in den drei Szenarien dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-22: Angebotspotenzial der Radiologen (8416) in Mecklenburg-Vorpommern in verschiedenen Szenarien

Im Basisszenario sinkt das Angebotspotenzial im Betrachtungszeitraum voraussichtlich um 33,1%. Durch eine Erhöhung der Teilnahme- und Vollzeitquote um 10% (Szenario 1) ließe sich das Angebotspotenzial in VZÄ im Jahr 2030 um 8,1% steigern. Eine deutlich größere Auswirkung hätte den Berechnungsergebnissen zufolge eine zusätzliche Erhöhung des Renteneintrittsalters (Szenario 2). Dadurch könnte das Angebotspotenzial im Jahr 2030 sogar um 27,3% erhöht werden. In Szenario 1 würde sich der Personalengpass im Jahr 2030 damit auf 36,7%, in Szenario 2 immerhin auf 25,4% reduzieren.

Die zweithöchsten absoluten Engpässe der ärztlichen Berufe treten im Jahr 2030 voraussichtlich bei der Gruppe der „anderen Fachärzte“ auf. Aus Abbildung 6-23 ist ersichtlich, dass das Angebotspotenzial im Basisszenario im Betrachtungszeitraum um 14,9% sinkt, der relative Engpass im Jahr 2030 beträgt 33,0%. Die Annahmen des Szenario 1 würden zu einer Erhöhung des Angebots um 10,8% führen. Die Erhöhung des Renteneintrittsalters in Szenario 2 würde das Angebotspotenzial im Jahr 2030 sogar um 20,8% im Vergleich zum Basisszenario erhöhen. Damit ließen sich die relativen Personalengpässe auf 19,0% der Nachfrage reduzieren. Neben einer vorübergehenden Erhöhung des Personalangebots könnte damit im Jahr 2030 das Niveau des Ausgangsjahres gehalten werden.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-23: Angebotspotenzial der „anderen Fachärzte“ (8419) in Mecklenburg-Vorpommern in verschiedenen Szenarien

Die beschäftigungsstärkste nichtärztliche Berufsordnung im gesamten Gesundheits- und Pflegewesen in Mecklenburg-Vorpommern ist die Gruppe der Krankenschwestern, -pfleger und Hebammen (853). In Abb. 6-24 ist die Entwicklung des Angebotspotenzials dieser Berufsordnung dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-24: Angebotspotenzial der Krankenschwestern, -pfleger, Hebammen (853) in Mecklenburg-Vorpommern in verschiedenen Szenarien

← 218 | 219 → Unter den Annahmen des Basisszenarios könnte das Angebotspotenzial im Betrachtungszeitraum um 15,9% sinken. In Szenario 1 könnte es gelingen, das Angebot im Jahr 2030 um 11,8% auf 11.700 VZÄ zu erhöhen. Damit würde der Rückgang im Betrachtungszeitraum nur 6,5% betragen. Mit Szenario 2 ließe sich das Beschäftigungsniveau des Ausgangsjahres erreichen, dann könnten im Jahr 2030 etwa 12.400 VZÄ zur Verfügung stehen. Unter diesen Voraussetzungen würde sich der Personalengpass in dieser Berufsordnung auf 4.000 VZÄ reduzieren. Dennoch blieben etwa ein Viertel der benötigen Stellen unbesetzt. Die Hebung des Angebotspotenzials kann den erwarteten Nachfrageanstieg nicht ausgleichen.

Die zweithöchsten absoluten Personalengpässe im Gesundheits- und Pflegewesen werden bei den Altenpflegern (862) erwartet. Abb. 6-25 stellt die Entwicklung des Angebotspotenzials in den drei Szenarien dar.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-25: Angebotspotenzial der Altenpfleger (861) in Mecklenburg-Vorpommern in verschiedenen Szenarien

Bereits im Basisszenario bleibt das Angebotspotenzial stabil auf dem Niveau des Ausgangsjahres und kann leicht um 2,2% zunehmen. Durch Erhöhung der Teilnahme- und Vollzeitquote um 10% wäre eine deutliche Steigerung des Personalangebots möglich. Im Jahr 2030 könnten in Szenario 1 rund 13,1% bzw. knapp 900 Vollzeitäquivalente mehr zur Verfügung stehen. Szenario 2 würde zu einem zusätzlichen Anstieg von 300 VZÄ führen. Dann könnten im Jahr 2030 rund 7.700 VZÄ zur Verfügung stehen. Damit ließe sich der Personalengpass auf rund 1.100 VZÄ bzw. 12,8% in Szenario 1 und sogar auf rund 800 VZÄ ← 219 | 220 → bzw. 9,3% in Szenario 2 reduzieren. In Tabelle 6-17 ist die Entwicklung aller Engpassberufe in Abhängigkeit der Szenarien 1 und 2 zusammenfassend dargestellt.

Tab. 6-17: Engpässe nach Berufen in Mecklenburg-Vorpommern in den Szenarien im Jahr 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

← 220 | 221 → 6.3.4 Berlin-Brandenburg

In Kapitel 6.2.4 wurden die berufsspezifische Entwicklung und die sich daraus ergebenden berufsspezifischen Engpässe im Gesundheits- und Pflegewesen in der Region Berlin-Brandenburg analysiert. Die Berufe mit einem möglichen Engpass sind in Tab. 6-18 zusammengefasst.

Tab. 6-18: Berufe mit dem höchsten Engpass in der Region Berlin-Brandenburg in den Jahren 2020 und 2030

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Quelle: Eigene Darstellung.

Die Facharztrichtungen der Praktischen Ärzte, Allgemeinärzte, Kinderärzte und Internisten (8410/8411) weist mit 10,7% den geringsten relativen Personalmangel im Jahr 2030 auf. Dennoch ist diese größte ärztliche Berufsklasse für die Sicherstellung der gesundheitlichen Versorgung entscheidend. Ob sich die Personallücke von rund 1.800 VZÄ durch Anhebung der Teilnahme- und Vollzeitquote (Szenario 1) sowie zusätzlich des Renteneintrittsalters (Szenario 2) schließen lässt, soll im Folgenden analysiert werden. In Abb. 6-26 ist das Angebotspotenzial in der Region Berlin-Brandenburg in Abhängigkeit der drei Szenarien dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-26: Angebotspotenzial der Allgemeinmediziner (8410/8411) in der Region Berlin-Brandenburg in verschiedenen Szenarien

Im Basisszenario steigt das Angebotspotenzial im Betrachtungszeitraum um 6,4% auf rund 15.000 VZÄ. In Szenario 1 könnte das Angebotspotenzial um 9,1% auf rund 16.400 VZÄ gehoben werden. Bei einer zusätzlichen Anhebung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre (Szenario 2), könnte das Angebotspotenzial im Jahr 2030 um insgesamt 13,8% gesteigert werden. Damit ließe sich bereits in Szenario 1 der mögliche Personalmangel auf rund 400 VZÄ bzw. 2,6% reduzieren. In Szenario 2 könnte die Personallücke sogar vollständig geschlossen werden, es würde sich gar ein rechnerischer Überschuss von 1,6% einstellen.

Bei der ärztlichen Berufsklasse der „anderen Fachärzte“ könnte im Jahr 2030 sowohl ein sehr hoher relativer Personalengpass als auch der zweithöchste absolute Engpass aller ärztlichen Berufe auftreten. Die Entwicklung des Angebotspotenzials in den drei Szenarien ist für diese Berufsklasse in Abb. 6-27 dargestellt.

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-27: Angebotspotenzial der „übrigen Fachärzte“ (8419) in der Region Berlin-Brandenburg in verschiedenen Szenarien

Im Basisszenario sinkt das Angebotspotenzial im Betrachtungszeitraum um 30,8%. Die Erhöhung der Quoten in Szenario 1 könnten zu einer Anhebung des Angebotspotenzials im Jahr 2030 um 12,8% führen. Die zusätzliche Erhöhung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre würde sogar zu einer Erhöhung von 29,9% auf knapp 1.700 Vollzeitäquivalente führen. Dadurch ließe sich der ursprüngliche Personalengpass von rund 1.100 VZÄ im Jahr 2030 auf 700 VZÄ reduzieren. Dennoch blieben auch unter den Annahmen des besten Szenarios noch 29,4% der nachgefragten Stellen unbesetzt.

Die Zusammenfassung in Tab. 6-18 hat gezeigt, dass die absolut höchsten Personalengpässe bei den nichtärztlichen Berufen in der Region Berlin-Brandenburg bei den Krankenpflegehelfern (854) und den Sprechstundenhelfern (856) entstehen könnten. Zunächst wird in Abbildung 6-28 die Entwicklung des Angebotspotenzials der Krankenpflegehelfer in Abhängigkeit der drei Szenarien dargestellt.

← 223 | 224 →

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-28: Angebotspotenzial der Krankenpflegehelfer (854) in der Region Berlin-Brandenburg in verschiedenen Szenarien

Der im Basisszenario festgestellte Rückgang des Angebotspotenzials von 15,7% im Betrachtungszeitraum, ließe sich durch die Erhöhung der Teilnahmeund Vollzeitquote um 10% (Szenario 1) bereits deutlich reduzieren. Im Jahr 2030 könnten damit bereits rund 1.000 VZÄ bzw. 12,3% mehr Vollzeitäquivalente als im Basisszenario erreicht werden. Der Engpass dieser Berufsordnung würde damit von 7.000 VZÄ auf 6.000 VZÄ bzw. 38,8% der Nachfrage sinken. Durch Anhebung des Renteneintrittsalters um zwei Jahre, könnte das vorhandene Angebotspotenzial noch besser genutzt werden, so dass im Jahr 2030 ca. 600 weitere VZÄ zur Verfügung stehen könnten. Insgesamt könnte dann ein Angebotspotenzial von knapp 10.000 VZÄ erreicht werden, was dem Niveau des Ausgangsjahres entspricht. Damit würde sich der Engpass der Krankenpfleger auf ca. 5.400 VZÄ bzw. 35,1% reduzieren.

Die nichtärztliche Berufsordnung mit dem zweithöchsten Beschäftigungsumfang nach der BKZ 853 stellt die Gruppe der Sprechstundenhelfer (856) dar. Im Vergleich zu den bisher analysierten Bundesländern zeigte sich, dass die Berechnungsergebnisse für Berlin-Brandenburg einen Personalengpass ausweisen. Aus diesem Grund ist in Abbildung 6-29 die Entwicklung des Angebotspotenzials unter Berücksichtigung der Szenarien dargestellt.

← 224 | 225 →

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Quelle: Eigene Darstellung.

Abb. 6-29: Angebotspotenzial der Sprechstundenhelfer (856) in der Region Berlin-Brandenburg in verschiedenen Szenarien

Im Vergleich zu den bisher analysierten nichtärztlichen Berufsordnungen ist bei den Sprechstundenhelfern auch in Zukunft mit einem Anstieg des Angebotspotenzials zu rechnen. Im Basisszenario steigt das Angebot in der Region Berlin-Brandenburg um 26,6%. Wenn sich die Teilnahme- und Vollzeitquote dieser Berufsordnung um 10% steigern ließe (Szenario 1), könnten im Jahr 2030 ca. 4.400 zusätzliche VZÄ zur Verfügung stehen; ein Anstieg von 12,4% im Vergleich zum Basisszenario. Die Anpassung des Renteneintrittsalters in Szenario 2 hat mit einem zusätzlichen Potenzial von ca. 1.300 VZÄ dagegen einen geringeren Hebel. Insgesamt ließe sich in diesem Szenario eine Steigerung des Angebots von 16,0% im Jahr 2030 im Vergleich zum Basisszenario erreichen. Ausgehend von einem Engpass im Basisszenario von rund 7.500 VZÄ, könnten die Personalengpässe in Berlin-Brandenburg auf 3.100 VZÄ bzw. 7,2% in Szenario 1 oder ca. 1.800 VZÄ bzw. 4,2% in Szenario 2 reduziert werden. Die Entwicklung des Engpasses der übrigen Berufe ist in Tab. 6-19 dargestellt.

← 225 | 226 → Tab. 6-19: Engpässe nach Berufen in der Region Berlin-Brandenburg in den Szenarien im Jahr 2030.

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Quelle: Eigene Darstellung.

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412 In dieser Darstellung werden die beiden Stadtstaaten Hamburg und Bremen jeweils zusammen mit angrenzenden Bundesländern Schleswig-Holstein bzw. Niedersachsen ausgewertet. Damit werden insgesamt 14 Regionen bzw. Bundesländer unterschieden.

413 Im Jahr 2011 waren 70,0% aller in der Region Berlin-Brandenburg bei der Ärztekammer registrierten Ärzte in Berlin registriert. Im gleichen Jahr standen in Berlin 56,6% der der Krankenhausbetten in der Region zur Verfügung.

414 Eine Übersicht aller Quoten findet sich im Anhang in Tab. A-7, Tab. A-8 und Tab. A-9.