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Versuch über Kundry

Facetten einer Figur

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Chikako Kitagawa

Thema des Buches ist Kundry, die weibliche Hauptfigur in Richard Wagners Spätwerk Parsifal (1882) und eine singuläre Gestalt der Operngeschichte. Als Grenzgängerin und in sich Zerrissene findet sie – zwischen Schrei, Lachen und Verstummen – zu verstörend neuen Artikulationsformen an den Rändern des Sagbaren. Ziel der Autorin ist es, das Vielgestaltige, stets wieder Beunruhigende der Kundry-Figur aus verschiedenen Perspektiven zu beleuchten, ihre Vorbilder zu erhellen, die in mythische Fernen zurückweisen, sowie ihre Fortschreibungen in der verschlungenen Rezeptions- und Inszenierungsgeschichte des Werkes zu erkunden. Dank der ihr innewohnenden Dynamik wird Kundry zum geistesgeschichtlichen Paradigma: zu einer Schlüssel- und Schwellenfigur zwischen Romantik und anbrechender Moderne.
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Zusammenfassung

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Kundry: ihr Sein ist ein Werden. Solcher Dynamik nachzuspüren, bildete das Ziel meiner Arbeit. Versucht wurde daher, die irritierende Ambivalenz und die wachsende Komplexität dieser Frauenfigur aus wechselnden Perspektiven zu beleuchten, Kundrys Erscheinung in verschiedene Fragehorizonte zu rücken. Bis in die unmittelbare Gegenwart hinein beunruhigt diese Figur des Parsifal die ästhetische Reflexion und hat so stets wieder neue Deutungen hervorgerufen; hierauf verweist eine Wirkungsgeschichte, die sich gleichermaßen im wissenschaftlichen Diskurs wie im Streit der Publizistik, in der Philosophie ebenso wie in der aktuellen Inszenierungspraxis widerspiegelt.

Daß die Figur Kundrys kaum auszuloten scheint, rührt wesentlich daher, daß ihre Gestaltung – unterschiedliche Traditionen zusammenschließend – ins mythisch Ferne und Fremde zurückweist. Konkrete Modelle birgt Wolframs Parzival-Epos; so bilden die Gestalten Orgeluse und Cundrîe nicht nur im Verhältnis zueinander polar anmutende Gegensätze, sondern tragen schon je in sich Widersprüche aus, die prozessual wirksam werden können. Beiden gemeinsam ist das Moment einer gleichsam negativ, durch Leiden und Trauer bestimmten Emotionalität. Das gewinnt, indem es präzise gefaßten Codierungen gehorcht, die Qualität des Performativen: Körperdarstellung, Rauminszenierung und Narration wirken zusammen, um die prägenden Vorstellungen von minne und triuwe aus spezifisch weiblicher Perspektive zu entfalten.

In Wagners Konzeption und Darstellung der Kundry sind jene Figuren des Epos in eins geblendet und zugleich verwandelt. Spürbar wird darin der weite Zeitenabstand zwischen einer paradigmatischen Erzählung des Mittelalters und einem Schwellenwerk der Moderne. Während die Frauenfiguren Wolframs...

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