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Linguistik und Kulturwissenschaft

Zu ihrem Verhältnis aus der Perspektive des Faches Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und anderer Disziplinen

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Edited By Michael Dobstadt, Christian Fandrych and Renate Riedner

Die Beiträge des vorliegenden Bandes zu einer 2013 am Herder-Institut der Universität Leipzig veranstalteten Tagung dokumentieren Gemeinsamkeiten und Unterschiede in der linguistischen und kulturwissenschaftlichen Forschung an der Schnittstelle von Sprache und Kultur. Ein besonderes Augenmerk liegt hierbei auf dem Fach Deutsch als Fremd- und Zweitsprache. Dieses ist von seiner Aufgabenstellung her in besonderer Weise prädestiniert, das Verhältnis von Sprache und Kultur zu reflektieren und mit Blick auf Prozesse des Spracherwerbs und der Sprachvermittlung unter den Bedingungen von Fremd- und Mehrsprachigkeit zu konzeptualisieren.
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Schweigen als Praxis – Praktiken des Schweigens: Rose Marie Beck

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1.Einleitung1

Dieser Text setzt sich vor dem Hintergrund analytisch unbefriedigender Dichotomien zwischen Sprache (langue) und Sprechen (parole) mit dem Schweigen auseinander. Sprache fasse ich hier, grob gesagt, als das epistemische Objekt der Linguistik im Allgemeinen auf, das auf einem hohen Abstraktions- und Generalisierungsniveau in möglichst verdichteter Analyse ein hochdifferenziertes Sediment menschlichen Handelns beschreibt. Sprechen ist davon deutlich abgegrenzt, es bezeichnet eine spezifische Form des Sprachgebrauchs (nebst Schreiben und Gesten usw.), das vom alltäglichen Handlungsdruck und damit kulturellen und sozialen Bedingungen geprägt ist. Forderungen von Seiten kultur- und sozialwissenschaftlicher Sprachwissenschaften nach dem Einschluss kultureller und sozialer Aspekte in die Analyse von Sprache werden zu Recht als Kritik an der Linguistik aufgefasst, weil sich das Wissensinteresse der Linguistik eben nicht auf den Sprachgebrauch bezieht. Vielmehr konstituiert sich das Wissensobjekt Sprache als Abstraktion in Abgrenzung dazu. Die theoretischen Konsequenzen, nämlich dass und in welcher Weise das so konstitutierte Wissensobjekt Sprache hinsichtlich des Sprachgebrauchs konzeptionell anschlussfähig ist, sind meines Erachtens bisher nicht ausbuchstabiert.

Dieser Frage wendet sich der Text vordergründig auch gar nicht zu. Ausgangspunkt meiner Überlegungen ist vielmehr eine Anzahl von Arbeiten, die darauf hinweisen, dass die Produktion eines Wissensobjektes Sprache, wie wir es aus der Linguistik (und verwandten Disziplinen) und damit verknüpft auch aus alltäglichen kulturellen Praktiken kennen, keinesfalls als universell gültig anzusehen ist, sondern Resultat einer spezifischen, ideengeschichtlich zu rekonstruierenden ← 251 | 252 → Perspektivierung ist, zu der es also zumindest konzeptionell Alternativen geben kann. So weist z.B. Bruno Latour...

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