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Dean Gyoyuk – Reformpädagogik in Südkorea

Jung-In Lee

Die Reformpädagogik – genannt Dean Gyoyuk – stellt eine Neubestimmung der Humanität in den pädagogischen Konzepten in Südkorea dar. Insbesondere die Entwicklung der menschlichen Persönlichkeit steht im Mittelpunkt des pädagogischen Handelns. Vor diesem Hintergrund strebt die Reformpädagogik eine humanitäre Gesellschaft an, in der gute Schulzeugnisse und die Höhe der formalen Bildungsabschlüsse nicht mehr der alleinige Kategorisierungsmaßstab für die Menschen sein sollen. Dean Gyoyuk markiert somit einen Wendepunkt in der bisherigen südkoreanischen Bildungsentwicklung. Diese Untersuchung befasst sich mit der Bildungsgeschichte, dem Bildungssystem sowie aktuellen reformpädagogischen Bewegungen in Südkorea. Erziehung und Bildung werden vor dem Hintergrund geschichtlicher, kultureller, gesellschaftlicher und bildungspolitischer Kontexte analysiert und interpretiert.
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1. Einleitung

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1.1. Südkoreas politische und wirtschaftliche Entwicklung im Kontext der Reformpädagogik

In der gegenwärtigen Bildungspolitik Deutschlands wird wegen vergleichsweise schwachen Abschneidens des deutschen Bildungswesens bei internationalen Schulleistungsuntersuchungen viel über die Frage diskutiert, wie die Lesekompetenz von Schülerinnen1 und Schülern effektiver gefördert und die Grundbildung in Mathematik sowie den Naturwissenschaften verbessert werden können. Im Vordergrund der öffentlichen Diskussion steht demnach nicht die Reformpädagogik, sondern eher die Frage, wie Schüler bessere Leistungen erbringen können und wie sich somit die Studienergebnisse verbessern lassen. In Südkorea hingegen wird in der öffentlichen Bildungsdiskussion die konkurrenz- und leistungsorientierte Bildung kritisiert und die Frage gestellt, wie sie verändert bzw. abgebaut werden kann. Die Kritik an der leistungsorientierten Bildung und die Forderung nach Veränderung sind allerdings nicht neu. Diese Diskussion begann in Südkorea bereits in den 1980er Jahren, intensivierte sich mit der Einführung der Reformpädagogik (Dean Gyoyuk2 – 대안교육) seit Mitte der 1990er Jahre und ist bis heute ein Dauerthema der öffentlichen Bildungsdiskussion.

Mitte der 1990er Jahre setzte in Südkorea eine Wende in der Entwicklung des Bildungssystems ein, als der Begriff Reformpädagogik für Fragen der Veränderung des pädagogischen Alltags neu entdeckt wurde. Die Reformpädagogik in Südkorea ist eine junge Erziehungsform, die für neue pädagogische Inhalte und Zielsetzungen steht und die bis heute ihren Schwung nicht verloren hat. Im Jahr 1997 wurde die erste Reformschule in der Provinz Gyungsangnam-do Sancheong im...

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