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Jazz in der DDR und Polen

Geschichte eines transatlantischen Transfers

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Christian Schmidt-Rost

Christian Schmidt-Rost vergleicht die Jazzszenen in der DDR und Polen und beschäftigt sich mit den transatlantischen Transferprozessen, in die sie eingebunden waren. Sein Buch gibt einen Einblick in den vielfältigen Umgang mit der amerikanischen Musik Jazz im Kalten Krieg. Dabei werden die Handlungsspielräume von Herrschenden und Jazzern – Musikern, Organisatoren, Journalisten, Fans – in den beiden staatssozialistischen Gesellschaften untersucht und deren Wandel seit den 1950er Jahren nachvollzogen. Der Autor macht deutlich, wie es den Jazzern gelang, über Medien, Verbände und Festivals blockübergreifende Kommunikationsräume zu etablieren, während die Musik zugleich für immer mehr Akteure zu einem Geschäft wurde. Seine Studie zeigt, wie Jazz im Kalten Krieg ebenso polarisierte wie verband.
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6 Die Zäsur 1956

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Das Jahr 1956 bildete für die Jazzer in Polen und der DDR eine wichtige Zäsur. Seit Ende des Zweiten Weltkriegs hatten sich die Jazzszenen in beiden Ländern relativ ähnlich entwickelt. Von 1945 bis 1948 waren Swing und jazzige Unterhaltungsmusik in den Städten und im Rundfunk sehr präsent. Mit Beginn des Kalten Kriegs versuchten die Herrschenden in Polen ebenso wie in der DDR die als amerikanisch angesehene Jazzmusik aus der Öffentlichkeit zu verdrängen. Mit Stalins Tod setzte ab 1953 eine langsame Liberalisierung der Kulturpolitik ein. Die Jazzer in der DDR konnten in den Jahren 1954 und 1955 sogar etwas früher etwas mehr Jazz im Rundfunk und in öffentlichen Veranstaltungen spielen als ihre polnischen Kollegen. 1956 kehrte sich dieser Trend jedoch radikal um. Denn in Polen durften die Jazzer ein Festival organisieren, eine monatlich erscheinende Zeitschrift produzieren und eine Dachorganisation für die Jazzklubs ins Leben rufen. In der DDR waren 1956 noch viele Interessengemeinschaften Jazz in der FDJ gegründet worden. Als jedoch Ende des Jahres die prominenten Jazzexperten Reginald Rudorf und Heinz Lukasz offen an Polen und Ungarn orientierte politische Veränderungen forderten, setzten sich unter den Herrschenden diejenigen durch, die die Jazzer für „Gegner des Systems“ hielten. So wurden die Interessengemeinschaften Jazz in der DDR wieder verboten und man versuchte die Szene daran zu hindern, sich selber zu organisieren. In der DDR folgte für die Jazzer auf das kurze Tauwetter eine neue Eiszeit. In Polen hingegen markiert das Jahr 1956...

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