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Jazz in der DDR und Polen

Geschichte eines transatlantischen Transfers

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Christian Schmidt-Rost

Christian Schmidt-Rost vergleicht die Jazzszenen in der DDR und Polen und beschäftigt sich mit den transatlantischen Transferprozessen, in die sie eingebunden waren. Sein Buch gibt einen Einblick in den vielfältigen Umgang mit der amerikanischen Musik Jazz im Kalten Krieg. Dabei werden die Handlungsspielräume von Herrschenden und Jazzern – Musikern, Organisatoren, Journalisten, Fans – in den beiden staatssozialistischen Gesellschaften untersucht und deren Wandel seit den 1950er Jahren nachvollzogen. Der Autor macht deutlich, wie es den Jazzern gelang, über Medien, Verbände und Festivals blockübergreifende Kommunikationsräume zu etablieren, während die Musik zugleich für immer mehr Akteure zu einem Geschäft wurde. Seine Studie zeigt, wie Jazz im Kalten Krieg ebenso polarisierte wie verband.
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7 Eigene Wege in die Nische

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Nach 1956 entwickelten sich die Jazzszenen in der DDR und der VR Polen sehr unterschiedlich. In Polen war Jazz seitens der Partei nach dem Festival in Sopot 1956 anerkannt. Die danach folgende Entwicklung war von einer relativ stetigen Professionalisierung und Institutionalisierung der Szene geprägt. Beide Prozesse gingen mit einer zunehmenden internationalen Vernetzung derjenigen einher, die sich als Musiker oder Organisatoren professionell im Jazz betätigten. In der DDR hingegen dauerte es bis 1978 bis Jazz von der SED als Kunst in den Kanon der Künste aufgenommen wurde, die in der DDR gepflegt wurden. Die DDR-Szene wurde daher weitgehend von Liebhabern in deren Freizeit getragen. Menschen, die versuchten ihren Lebensunterhalt als Jazzexperten oder Konzertveranstalter zu bestreiten, hatten es in der DDR sehr schwer. Daher gab es in der DDR, anders als später in Polen, keine hauptamtlichen Organisatoren oder Jazzkonzert-Veranstalter.

Auch musikalisch gingen die Jazzer in der DDR und der VR Polen verschiedene Wege. Die meisten polnischen Musiker spielten selbst dann, wenn sie „free“ spielten, deutlich eingängigere Musik.1 In der DDR wandten sich Musiker wie Enthusiasten ab den späten 1960er Jahren vor allem frei improvisierter Musik zu. Diese Musik setzte und setzt seitens der Hörenden eine hohe Bereitschaft voraus, sich in weniger eingängige Cluster einzuhören. Sie ging weniger unmittelbar ins Ohr und sprach damit auch nur eine kleinere Gruppe von Menschen an. Der harte Kern der Szene erkannte den massentauglichen Oldtime Jazz, der ab 1971 beim Dixieland Festival Dresden geboten wurde, kaum...

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