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Jazz in der DDR und Polen

Geschichte eines transatlantischen Transfers

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Christian Schmidt-Rost

Christian Schmidt-Rost vergleicht die Jazzszenen in der DDR und Polen und beschäftigt sich mit den transatlantischen Transferprozessen, in die sie eingebunden waren. Sein Buch gibt einen Einblick in den vielfältigen Umgang mit der amerikanischen Musik Jazz im Kalten Krieg. Dabei werden die Handlungsspielräume von Herrschenden und Jazzern – Musikern, Organisatoren, Journalisten, Fans – in den beiden staatssozialistischen Gesellschaften untersucht und deren Wandel seit den 1950er Jahren nachvollzogen. Der Autor macht deutlich, wie es den Jazzern gelang, über Medien, Verbände und Festivals blockübergreifende Kommunikationsräume zu etablieren, während die Musik zugleich für immer mehr Akteure zu einem Geschäft wurde. Seine Studie zeigt, wie Jazz im Kalten Krieg ebenso polarisierte wie verband.
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10 Die Europäische Jazz Föderation – Jazzer international organisieren

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Mit der Europäischen Jazz Federation (EJF) stelle ich am Schluss der Arbeit eine Organisation vor, die in den Kommunikationsräumen geschaffen wurde, die die Festivals in Europa boten. Die Jazzer knüpften am Rande der Festivals private und geschäftliche Kontakte, die sich im Laufe der Zeit schließlich zu einem informellen Netzwerk verdichteten. Bereits diese Netzwerke erleichterten den Austausch zwischen den verschiedenen Szenen in Europa. Vermutlich ausgelöst durch die Professionalisierung der Jazzorganisatoren und Jazzjournalisten entstand sowohl westlich als auch östlich des Eisernen Vorhangs das Bedürfnis nach einer Institutionalisierung der Kontakte.

In diesem Kapitel untersuche ich sowohl die Motive als auch Vorgehensweise der Akteure, die Jazzer in Europa und später weltweit zu verbinden. Im Mittelpunkt stehen die Versuche der Jazzer, die Kommunikation und Vernetzung untereinander zu verbessern und zu erleichtern. Insofern handelt es sich bei der folgenden Untersuchung der EJF um eine relativ klassische Institutionengeschichte. Vor dem Hintergrund, dass in den staatssozialistischen Gesellschaften die Herrschenden das Organisationsmonopol beanspruchten, ist es allerdings aufschlussreich, die Entstehung dieser blockübergreifenden Organisation zu untersuchen. Denn die Möglichkeiten zur Selbstorganisation lassen sich im Falle der staatssozialistischen Gesellschaften als ein Indiz für die Haltung der Herrschenden zu einer Gruppe und ebenso für das Verhältnis dieser Gruppe zu den Herrschenden lesen. Zudem gibt die Untersuchung der EJF wichtige Hinweise darauf, wie Kontakte über den Eisernen Vorhang hinweg institutionalisiert wurden, und zeigt auf, welche Auswirkungen die Institutionalisierung auf die Kontakte hatte.

Die Idee der Gründung...

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