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Skandal im Sprachbezirk

Edited By Martin Neef, Susanne Borgwaldt, Iris Forster and Imke Lang-Groth

Skandale als aufsehenerregende Ärgernisse sind Einfallstore für die Beschäftigung mit Themen verschiedenster Art. Dieser Band versammelt in 16 von verschiedenen Autoren verfassten Kapiteln Skandale aus dem Umfeld der Sprache. Affären zwischen Sprachakteuren führen Chomsky und Skinner zusammen ebenso wie Heine und Platen sowie Hoffmann von Fallersleben und die Brüder Grimm. Im Innern der Sprache stoßen sich Skandalforscher an verbotenen Wörtern, an der kurzschlüssigen Gleichsetzung von Genus und Geschlecht und an der mangelhaften linguistischen Fundierung der Orthographiereform. Die Realität des Englischunterrichts in Grundschulen wie auch der drohende Muttersprachenverlust bei Migranten lassen die Frage aufkommen, ob Individuen im Dickicht zwischen den Sprachen verlorenzugehen drohen.
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Deutsch als Defizitsprache. Meinungen der vormodernen Sprachreflexion

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Nikolaus Ruge

Bevor an der Wende zum 16. Jahrhundert die ebenso systematische wie unwiderrufliche grammatikographische und lexikographische Regularisierung des Deutschen einsetzt, müssen Sprachhistoriker die Meinungen über die deutsche Volkssprache auf der Basis eines sehr heterogenen Quellenkorpus ermitteln bzw. rekonstruieren. Dies gilt umso mehr für diejenigen hoch- und spätmittelalterlichen Epochen, in denen die grundsätzliche Legitimität volkssprachiger Aufzeichnung nicht mehr in Frage steht, wohl aber ihr Prestige im interkulturellen Vergleich, ihre Funktionalität in bestimmten (hier verwaltungssprachlichen) Gebrauchsdomänen und schließlich ihre Regularisierungswürdigkeit. In allen drei Bereichen wird die deutsche Volkssprache zunächst jeweils als in der einen oder anderen Hinsicht defizitäres Skandalon betrachtet und nicht selten auch so bezeichnet. Es lässt sich aber zeigen, dass der Phase der Skandalisierung jeweils eine Phase der ästhetischen, funktionalen und wissenschaftlichen Rationalisierung folgt. 

Before, at the turn of the 16th century, grammaticographers and lexicographers finally initiate the regularization of German vernacular, language historians have to rely on a corpus of very heterogeneous sources to determine (or to reconstruct) the contemporaries’ opinions about German. This holds all the more true for those sources of the High and late Middle Ages that do not question any longer the sheer legitimacy of vernacular writing, while still being extremely reluctant with respect to their prestige in an intercultural perspective, to their functionality in a certain number of usage domains (for instance, language of administration), and to their right to undergo regularization. In each of...

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