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Zur Notwendigkeit eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges

Eine kritische Betrachtung der §§ 80 Abs. 1, 142 StVollzG und der bestehenden Vollzugspraxis in Deutschland

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Jana Kudlacek

In Deutschland können straffällige Mütter ihre nicht-schulpflichtigen Kinder im Falle einer Inhaftierung unter bestimmten Umständen während ihres Gefängnisaufenthaltes bei sich behalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder seltener von Entwicklungsbeeinträchtigungen betroffen sind und bei der Verinnerlichung von sozialen Normen und Werten weniger Probleme haben, als Kinder, die durch Inhaftierung von ihren Müttern getrennt wurden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Mütter, die ihre Kinder während der Haft bei sich hatten, seltener rückfällig wurden, als Mütter, die durch eine Inhaftierung von ihren Kindern getrennt wurden. Aufgrund dieser positiven kriminologischen Aspekte des Mutter-Kind-Vollzuges ist dieser ein fester Bestandteil des deutschen Strafvollzuges. Dennoch gibt es kein dementsprechendes Vollzugsmodell für Väter und ihre Kinder. Mit der Frage, ob dieser Zustand kriminologisch sinnvoll ist und juristischen Anforderungen gerecht wird, beschäftigt sich die Untersuchung.
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9. Kapitel: Der Wandel der Vollzugspraxis - Langzeitbesuchsräumen

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In der Praxis des deutschen Strafvollzuges gab es in den letzten Jahrzehnten einige Neuerungen und Weiterentwicklungen. Eine dieser neueren Entwicklungen ist die Einführung von Langzeitbesuchsräumen.

Langzeitbesuchsräume, die in der Boulevard-Presse häufig auch als „Sexzellen“ bezeichnet werden, sind Besuchsräume, in denen Gefangene ihre Partner/Partnerinnen, Kinder und enge Freunde ohne Überwachung treffen können und längere Zeit mit ihnen verbringen dürfen.374

Die Besuche werden meistens ein-bis zweimal im Monat für einen Zeitraum zwischen drei und acht Stunden gewährt.375 In dieser Zeit wird der/die Gefangene mit ihrem Besuch in dem Langzeitbesuchsraum eingeschlossen. Die Türen werden erst nach Zeitablauf wieder geöffnet oder wenn einer der Beteiligten den Notrufknopf betätigt.

Die Zeiten im Langzeitbesuchsraum können für sexuelle Intimbesuche zwischen den Partnern genutzt werden.376 Sie bieten aber auch eine Plattform für Familientreffen, ausgedehnte Gespräche zwischen den Partnern und für ein längeres Wiedersehen mit Freunden.377

Den ersten Langzeitbesuchsraum in Deutschland wurde 1984 in der JVA Bruchsal in Baden-Württemberg eingerichtet. Dazu wurden zwei Baucontainer zu Besuchsräumen umfunktioniert.378 Fünf Jahre später startete Nordrhein-Westfalen ein Modellversuch mit Langzeitbesuchsräumen in den Vollzugsanstalten Werl und Geldern.379 ← 95 | 96 →

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