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Zur Notwendigkeit eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges

Eine kritische Betrachtung der §§ 80 Abs. 1, 142 StVollzG und der bestehenden Vollzugspraxis in Deutschland

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Jana Kudlacek

In Deutschland können straffällige Mütter ihre nicht-schulpflichtigen Kinder im Falle einer Inhaftierung unter bestimmten Umständen während ihres Gefängnisaufenthaltes bei sich behalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder seltener von Entwicklungsbeeinträchtigungen betroffen sind und bei der Verinnerlichung von sozialen Normen und Werten weniger Probleme haben, als Kinder, die durch Inhaftierung von ihren Müttern getrennt wurden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Mütter, die ihre Kinder während der Haft bei sich hatten, seltener rückfällig wurden, als Mütter, die durch eine Inhaftierung von ihren Kindern getrennt wurden. Aufgrund dieser positiven kriminologischen Aspekte des Mutter-Kind-Vollzuges ist dieser ein fester Bestandteil des deutschen Strafvollzuges. Dennoch gibt es kein dementsprechendes Vollzugsmodell für Väter und ihre Kinder. Mit der Frage, ob dieser Zustand kriminologisch sinnvoll ist und juristischen Anforderungen gerecht wird, beschäftigt sich die Untersuchung.
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11. Kapitel: Vater-Kind-Projekte in deutschen Justizvollzugsanstalten

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Die Notwendigkeit einer Vermeidung der Trennung von Kindern und Vätern (sofern diese die Bezugsperson der Kinder sind) wurde auch in der Praxis von deutschen Justizvollzugsanstalten in Zusammenarbeit mit verschiedenen Hilfsorganisationen vielfach erkannt. Aus dieser Einsicht entwickelten sich in fast allen deutschen Strafvollzugsanstalten Projekte zur Förderung eines familiengerechten Strafvollzuges und Projekte zur Festigung der Vater-Kind-Beziehungen. Diese Projekte können zwar einen Vater-Kind-Vollzug nicht ersetzen, da sie kein dauerhaftes Zusammenleben von Vater und Kind vorsehen, sie verdeutlichen aber, dass das Problem der Beziehung zwischen Kindern und ihren inhaftierten Vätern in der Vollzugspraxis bekannt ist.

Im Rahmen dieser Arbeit können nicht die Projekte aller Strafvollzugsanstalten dargestellt werden. Aus diesem Grund werden im Folgenden nur einige ausgewählte Projekte dargestellt, die besonders innovativ und bedeutsam sind oder zu denen bereits Evaluationen vorliegen. Die ausgewählten Programme stammen aus verschiedenen Bundesländern und verschiedenen Justizvollzugsanstalten und können so einen guten Überblick über Vater-Kind-Projekte liefern, die unter Umständen auch als Vorreiter eines zukünftigen Vater-Kind-Vollzuges dienen können.

Das Projekt Freiräume wurde vom evangelischen Gemeindedienst e.V. in Bielefeld ins Leben gerufen.420 Das Projekt soll es Kindern ermöglichen, die Beziehung zu ihren inhaftierten Vätern aufrecht zu erhalten und zu stabilisieren.421 Im November 2007 nahm die erste Vater-Kind-Gruppe in der geschlossenen Justizvollzugsanstalt Bielefeld ihre Arbeit auf.422 Einmal im Monat treffen sich dort ← 109 | 110 → Kinder zwischen fünf und achtzehn Jahren mit ihren inhaftierten Vätern.423 Sie unterhalten sich, Basteln, Spielen, Kuscheln, Kochen und feiern...

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