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Zur Notwendigkeit eines Vater-Kind-Erwachsenenstrafvollzuges

Eine kritische Betrachtung der §§ 80 Abs. 1, 142 StVollzG und der bestehenden Vollzugspraxis in Deutschland

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Jana Kudlacek

In Deutschland können straffällige Mütter ihre nicht-schulpflichtigen Kinder im Falle einer Inhaftierung unter bestimmten Umständen während ihres Gefängnisaufenthaltes bei sich behalten. Es hat sich gezeigt, dass diese Kinder seltener von Entwicklungsbeeinträchtigungen betroffen sind und bei der Verinnerlichung von sozialen Normen und Werten weniger Probleme haben, als Kinder, die durch Inhaftierung von ihren Müttern getrennt wurden. Darüber hinaus stellte sich heraus, dass Mütter, die ihre Kinder während der Haft bei sich hatten, seltener rückfällig wurden, als Mütter, die durch eine Inhaftierung von ihren Kindern getrennt wurden. Aufgrund dieser positiven kriminologischen Aspekte des Mutter-Kind-Vollzuges ist dieser ein fester Bestandteil des deutschen Strafvollzuges. Dennoch gibt es kein dementsprechendes Vollzugsmodell für Väter und ihre Kinder. Mit der Frage, ob dieser Zustand kriminologisch sinnvoll ist und juristischen Anforderungen gerecht wird, beschäftigt sich die Untersuchung.
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12. Kapitel: Theorie und Praxis im Ausland

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Kinder inhaftierter Eltern dürfen nicht für die Taten ihrer Eltern mitbestraft werden. Sie müssen so gut wie möglich versorgt werden und sollen unter der Strafe ihrer Eltern so wenig leiden wie möglich.

Viele Länder haben mittlerweile erkannt, dass nicht nur die Inhaftierung einer Mutter für die Kinder problematisch ist, sondern dass dies auch für die Inhaftierung von Vätern gilt. Aus diesem Grund gibt es in vielen Ländern Projekte zur Förderung der Vater-Kind-Beziehung in Justizvollzugsanstalten. Ähnliche Vater-Kind-Besuchsprojekte wie die zuvor für Deutschland beschriebenen gibt es beispielsweise in Großbritannien, Frankreich, Belgien, Luxemburg, Italien und in den Niederlanden.498 In den USA gibt es seit 1993 das Programm „PATCH“ (Pappas and their Children), indem 70 Väter zusammen leben, ihre Erziehungsfähigkeiten trainieren und regelmäßig Besuch von ihren Kindern bekommen.499 Gesetzliche Regelungen zu einem gemeinsamen Strafvollzug von Vätern und ihren Kindern existieren aber nur in sehr wenigen Ländern. In einer noch geringeren Anzahl an Ländern – in Bolivien, Dänemark und Spanien500 – ist eine gemeinsame Unterbringung von Kindern bei ihren inhaftierten Vätern praktisch möglich.

Auch wenn die vorliegende Bearbeitung sich primär mit einem deutschen Vater-Kind-Vollzug auseinandersetzt, sollen die Ergebnisse und Erkenntnisse, die in Ländern, in denen es einen Vater-Kind-Vollzug gibt – gewonnen wurden und immer noch werden, nicht außer Acht gelassen werden. Aus ihnen könnten Anhaltspunkte und Erkenntnisse für einen möglichen deutschen Vater-Kind-Vollzug gezogen werden. ← 121 | 122...

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