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Geschlechterrollen und Frauenbilder

Untersuchungen zu Romanen frankophoner schwarzafrikanischer und deutschsprachiger Autoren und Autorinnen

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Sewa Okpar

Der Wandel der Gender-Vorstellungen, der durch den politischen Feminismus der 1970er-Jahre angestoßen wurde, ist in der Literatur wie in den Literatur- und Kulturwissenschaften ein Thema von zunehmender Wichtigkeit. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern auch für Afrika, dessen Länder von jenem Gender-Diskurs erreicht wurden. Gegenstand dieser Studie ist ein Vergleich literarischer Texte hinsichtlich der Darstellung von Geschlechterrollen und Frauenbildern. Der Verfasser bedient sich einer genderorientierten Untersuchung und behandelt Texte von vier Feministinnen, u.a. Calixthe Beyala und Elfriede Jelinek sowie von vier männlichen Autoren, von denen drei zur Genderfrage differenzierte Positionen bezogen haben: Heinrich Böll, Mongo Béti und Sadamba Tcha-Koura. Die Analyse zeigt, dass es hinsichtlich des Gender-Diskurses keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen, afrikanischen und europäischen Autoren gibt. Die festzustellenden Differenzen sind auf soziale Begebenheiten zurückzuführen, in denen analoge patriarchale Geschlechterbilder zu unterschiedlichen Folgen für die Individuen führen.
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3. Calixthe Beyalas C’est le soleil qui m’a brûlée

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Calixthe Beyala gilt als Ikone66 der Frauenliteratur, aber auch als eine der umstrittensten Autorinnen im frankophonen Schwarzafrika. Sie ist vor allem auch eine der seltenen afrikanischen Schriftstellerinnen,67 die sich zum Feminismus bekennen bzw. sich als Feministinnen bezeichnen lassen.68 In ihren Texten werden überwiegend verschiedene Lebenssituationen von Frauen im zeitgenössischen Afrika differenziert beleuchtet, verbunden mit einer massiven Gesellschaftskritik. Beyala wird als Radikalfeministin69 eingeordnet; ihre Gegner werfen ihr vor, nur Männerhass zu propagieren und keine wichtigen Fragen zur Situation und zu den Problemen von Frauen in Afrika zur Diskussion zu stellen. Beispielsweise ist aus der Sicht von Ambroise Têko-Agbo in Beyalas Texten alles Mögliche, aber kein echtes Engagement für die Verbesserung der Situation von afrikanischen Frauen zu erkennen.70

← 51 | 52 → Viele Afrikanerinnen können sich jedoch in einem gewissen Maße mit Beyalas Protagonistinnen in der Auseinandersetzung mit bestimmten gesellschaftlichen Verhältnissen identifizieren. In C’est le Soleil qui m’a brûlée71 wird auktorial die Geschichte einer jungen Frau namens Ateba Léocadie erzählt. Sie ist neunzehn Jahre alt, vaterlos aufgewachsen, wurde vor fast zehn Jahren von ihrer Mutter verlassen und wohnt bei ihrer Tante in einem Slum der Stadt Awu. In Atebas Umgebung werden die Frauen von Männern misshandelt und ausgebeutet; sie zeigt sich darüber erzürnt, dass Frauen sich den Männern trotz allem weiterhin ausliefern und unterwerfen. Dennoch erfährt sie selbst Demütigung und wird vergewaltigt, rächt sich jedoch, indem sie ihren Vergewaltiger ermordet.

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