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Geschlechterrollen und Frauenbilder

Untersuchungen zu Romanen frankophoner schwarzafrikanischer und deutschsprachiger Autoren und Autorinnen

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Sewa Okpar

Der Wandel der Gender-Vorstellungen, der durch den politischen Feminismus der 1970er-Jahre angestoßen wurde, ist in der Literatur wie in den Literatur- und Kulturwissenschaften ein Thema von zunehmender Wichtigkeit. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern auch für Afrika, dessen Länder von jenem Gender-Diskurs erreicht wurden. Gegenstand dieser Studie ist ein Vergleich literarischer Texte hinsichtlich der Darstellung von Geschlechterrollen und Frauenbildern. Der Verfasser bedient sich einer genderorientierten Untersuchung und behandelt Texte von vier Feministinnen, u.a. Calixthe Beyala und Elfriede Jelinek sowie von vier männlichen Autoren, von denen drei zur Genderfrage differenzierte Positionen bezogen haben: Heinrich Böll, Mongo Béti und Sadamba Tcha-Koura. Die Analyse zeigt, dass es hinsichtlich des Gender-Diskurses keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen, afrikanischen und europäischen Autoren gibt. Die festzustellenden Differenzen sind auf soziale Begebenheiten zurückzuführen, in denen analoge patriarchale Geschlechterbilder zu unterschiedlichen Folgen für die Individuen führen.
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6. Heinrich Bölls Die verlorene Ehre der Katharina Blum

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Heinrich Böll, der Literaturnobelpreisträger von 1972, zählt fraglos zu den bedeutendsten deutschen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Sein literarisches Schaffen gilt als eng an bestimmte Zeitprobleme gebunden. Marcel Reich-Ranicki bemerkt dazu: „Was Böll erzählt, mag besser oder schlechter sein. Aber es traf und trifft die deutsche Gegenwart mitten ins Herz.“126 Während sich Bölls Frühwerk hauptsächlich mit dem Krieg und seinen Folgen befasst, gilt beispielsweise sein heftig umstrittener Roman Ansichten eines Clowns (1963) als charakteristisch für die Bundesrepublik der sechziger Jahre und vor allem als eine Abrechnung mit der Adenauer-Restauration sowie dem klerikalen Konservatismus. Eine besonders enge Verbindung von Bölls Werk mit zeittypischen Problemen besteht in der Erzählung Die verlorene Ehre der Katharina Blum127, die als ein Beitrag Bölls zur Gewaltdebatte der siebziger Jahre in der Bundesrepublik Deutschland gelesen wird. Hinsichtlich der Verkaufszahlen gehört Die verlorene Ehre der Katharina Blum zu den erfolgreichsten Büchern Bölls.128

Die Erzählung setzt sich mit den Folgen von Schlagzeilen in der Presse und der darauf folgenden Hetzjagd auf die Betroffene auseinander. Beantwortet werden soll die Frage, was es für einen Menschen bedeutet, plötzlich vielen negativen Berichterstattungen ausgeliefert zu sein. Dies soll auch den Untertitel „Wie Gewalt entstehen und wohin sie führen kann“ erklären, der das Hauptthema der ← 105 | 106 → Erzählung beschreibt. Um die Ursachen und Folgen der „Gewalt von Worten“129 zu erläutern, wählt Böll mit Katharina Blum eine vern...

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