Show Less
Restricted access

Geschlechterrollen und Frauenbilder

Untersuchungen zu Romanen frankophoner schwarzafrikanischer und deutschsprachiger Autoren und Autorinnen

Series:

Sewa Okpar

Der Wandel der Gender-Vorstellungen, der durch den politischen Feminismus der 1970er-Jahre angestoßen wurde, ist in der Literatur wie in den Literatur- und Kulturwissenschaften ein Thema von zunehmender Wichtigkeit. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern auch für Afrika, dessen Länder von jenem Gender-Diskurs erreicht wurden. Gegenstand dieser Studie ist ein Vergleich literarischer Texte hinsichtlich der Darstellung von Geschlechterrollen und Frauenbildern. Der Verfasser bedient sich einer genderorientierten Untersuchung und behandelt Texte von vier Feministinnen, u.a. Calixthe Beyala und Elfriede Jelinek sowie von vier männlichen Autoren, von denen drei zur Genderfrage differenzierte Positionen bezogen haben: Heinrich Böll, Mongo Béti und Sadamba Tcha-Koura. Die Analyse zeigt, dass es hinsichtlich des Gender-Diskurses keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen, afrikanischen und europäischen Autoren gibt. Die festzustellenden Differenzen sind auf soziale Begebenheiten zurückzuführen, in denen analoge patriarchale Geschlechterbilder zu unterschiedlichen Folgen für die Individuen führen.
Show Summary Details
Restricted access

7. Elfriede Jelineks Die Liebhaberinnen

Extract

Elfriede Jelinek, die 2004 den Nobelpreis für Literatur erhielt, gilt aufgrund ihres Hangs zur „bitter-böse[n] Satire“168 und vor allem wegen der anfangs erwähnten teils obszönen Sprache als eine der umstrittensten Autorinnen der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Angesichts ihrer provokanten Schreibweise spekulieren Kritiker über ihre „psychische Verfassung“169. Ihren Gegnern antwortete die Autorin einst, sie haue mit ihrem Schreibstil „sozusagen mit der Axt“ auf die patriarchalische Gesellschaft und ihre Texte lieferten „Analysen der unerträglichen Gegenwart“170.

Der Roman Die Liebhaberinnen171, der zu den meistdiskutierten Werken Jelineks zählt, thematisiert, wie viele anderen Texte der feministischen Frauenliteratur Anfang der 1970er Jahre, Themen der Frauenbewegung. Die Schriftstellerinnen dieser Bewegung entlarvten das Geschlechterverhältnis als Gewaltverhältnis und postulierten, über die rechtlichen Gleichstellungsforderungen hinausgehend, eine eigenständige weibliche Identität. Jelinek stellt in ihrem Roman die Unterdrückung der Frau als besonders abscheulich dar, bemüht sich jedoch, den herkömmlichen Rollenkonflikt nicht zu reproduzieren, in dem die Frauen nur als Opfer und die Männer nur als Täter beschrieben werden. Wie in den schon diskutierten Texten, mit Ausnahme von Bölls Erzählung, werden Frauen hier als an ihrer Unterdrückung und Ausbeutung beteiligt dargestellt, weil sie sich nicht wehren ← 131 | 132 → und das Gegenteil von dem tun, was sie tun sollten, um sich von eingefahrenen Rollenzuschreibungen zu befreien. Dieser kritische Ansatz liegt dem ganzen hier behandelten Roman zugrunde.

Im Mittelpunkt der Romanhandlung stehen zwei Frauen, deren Geschichten einander entgegengesetzt werden. Brigitte und...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.