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Geschlechterrollen und Frauenbilder

Untersuchungen zu Romanen frankophoner schwarzafrikanischer und deutschsprachiger Autoren und Autorinnen

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Sewa Okpar

Der Wandel der Gender-Vorstellungen, der durch den politischen Feminismus der 1970er-Jahre angestoßen wurde, ist in der Literatur wie in den Literatur- und Kulturwissenschaften ein Thema von zunehmender Wichtigkeit. Dies gilt nicht nur für Europa, sondern auch für Afrika, dessen Länder von jenem Gender-Diskurs erreicht wurden. Gegenstand dieser Studie ist ein Vergleich literarischer Texte hinsichtlich der Darstellung von Geschlechterrollen und Frauenbildern. Der Verfasser bedient sich einer genderorientierten Untersuchung und behandelt Texte von vier Feministinnen, u.a. Calixthe Beyala und Elfriede Jelinek sowie von vier männlichen Autoren, von denen drei zur Genderfrage differenzierte Positionen bezogen haben: Heinrich Böll, Mongo Béti und Sadamba Tcha-Koura. Die Analyse zeigt, dass es hinsichtlich des Gender-Diskurses keinen Unterschied zwischen männlichen und weiblichen, afrikanischen und europäischen Autoren gibt. Die festzustellenden Differenzen sind auf soziale Begebenheiten zurückzuführen, in denen analoge patriarchale Geschlechterbilder zu unterschiedlichen Folgen für die Individuen führen.
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9. Helmut Kraussers Schmerznovelle

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Helmut Krausser, Jahrgang 1964, erfreut sich derzeit großer Aufmerksamkeit im literarischen und publizistischen Feld, aber auch im Filmbereich. Einige seiner Erzähltexte bieten sich als Filmstoffe an, was Tom Peuckert zu der Äußerung veranlasst: „Krausser hat seine Schriftstellerseele längst an den Film verkauft. Das allerdings auf literarisch höchstem Niveau.“229 In den 2009 erschienenen Beiträgen zu seinem Werk wird er von den Herausgebern als einer der „avanciertesten Literaten der deutschen und internationalen Gegenwartsliteratur“ bezeichnet.230 Krausser erregt mit seinen Büchern und den darin behandelten Themen immer wieder Aufsehen.231 Dies gilt auch für sein 2001 erschienenes Buch mit dem Titel Schmerznovelle,232 die im Folgenden untersucht wird.

Zunächst ist hervorzuheben, dass Kraussers Novelle im Vergleich zu den bisher diskutierten Texten einen Sonderstatus einnimmt. Der Text erfüllt fast keine gesellschaftskritische Funktion bei der Auseinandersetzung mit Klischees. Die Geschlechterstereotypen, die andere Autoren demontieren, dienen hier als ästhetische Grundlage für eine geheimnisvolle Geschichte. Stereotypen werden daher in der Novelle nicht dekonstruiert; es wird vielmehr mit Geschlechterkonstrukten, die es längst gibt, ästhetisch operiert. Das Resultat ist die Gestaltung einer geheimnisvollen psychologischen Welt mit sexuell aufgeladenen Szenen, was an Beyalas und vor allem an Jelineks Stil denken lässt. Dabei werden die Getriebenheit des Menschen und dessen Abhängigkeit von Sex und Gewalt geschildert. Die hyperbolischen Lebensvorstellungen, die Kraussers Figuren überwältigen und auch zerstören, sind in der realen Welt kaum vorstellbar.

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