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Symbolarme Republik?

Das politische Zeremoniell der Weimarer Republik in den Staatsbesuchen zwischen 1920 und 1933

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Michael Meyer

Diese der Neuen Politikgeschichte verpflichtete Studie untersucht die Repräsentationspolitik der Weimarer Republik anhand der drei Staatsbesuche, die zwischen 1920 und 1933 stattfanden. Durch die umfangreiche Auswertung der einschlägigen deutschen und englischen Archivbestände, sowie die Einbeziehung der nationalen wie internationalen Pressereaktionen wird ihre große politische und gesellschaftliche Bedeutung deutlich. Der Mythos von der «symbolarmen Republik» erweist sich in der Analyse als haltlos, da eine das staatliche Selbstverständnis der Republik betonende Repräsentationspolitik erkennbar wird.
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2. Zur Selbstdarstellung des Staates: Funktionen, Mittel, Probleme

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Der „Staat“ ist ein Gebilde, das vielfach Anlass gab, über dessen Begriffsbestimmung zu diskutieren. So sind sich die Gelehrten der Rechtswissenschaften heute einig, dass es nicht den einen, sondern vielmehr je nach Rechtsgebieten und -notwendigkeiten differenzierte Staatsbegriffe gibt.32 Im Laufe des 19. Jahrhunderts hatte sich im Staatsrecht eine streng formalisierte Definition des Staates fest etabliert. Diese im gegenwärtigen Staatsrecht vorwiegend im Völkerrecht genutzte Beschreibung des Staatswesens definierte den Staat durch die drei Elemente Staatsgebiet, Staatsvolk, Staatsgewalt. Den Staat als streng normative Ordnung zu fassen und keine Rücksicht auf dessen singuläre Besonderheiten zu nehmen, ist aus völkerrechtlicher Perspektive sinnvoll. Hier gilt es allgemeine Merkmale zu definieren, die einen praktikablen und universalen Staatsbegriff bilden, auf dessen Grundlage die Anerkennung als Völkerrechtssubjekt und die Zugehörigkeit zur Völkerrechtsgemeinschaft mit ihren Rechten und Pflichten ausgesprochen werden können.33

Doch hat bereits 1928 der Staats- und Kirchenrechtler Rudolf Smend darauf hingewiesen, dass der Staat nicht nur ein solches normativ geregeltes, auf ein Territorium begrenztes, statisches Gebilde ist. Indem Smend eine geisteswissenschaftliche Perspektive einnahm, beschrieb er den Staat als nicht von Natur aus gegeben, sondern auf mentalen Prozessen basierende soziale Organisation. Als „geistiges Kollektivgebilde“ existiere der Staat nur aufgrund eines gemeinsamen Bewusstseins seiner Bürger um die gesellschaftliche Existenz der Staatlichkeit und die Bejahung derselben. Der Staat ist somit – und im ← 23 | 24 → besonderen Maße gilt dies für Demokratien – kein von der Gesellschaft losgelöstes Gebilde, sondern mit dieser existenziell verflochten.34

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