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Geist und Tora

Zum Verhältnis von Geistbegabung und Toratreue in der Schriftgelehrtentheologie des Pentateuch und der Prophetenbücher

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Kyunggoo Min

Dass der Toragehorsam eingehalten wird, ist das zentrale Ziel der Endredaktion. Dies wird auch in den Prophetenbüchern reflektiert, wobei sich die drei in dieser Studie untersuchten Modi des Toragehorsams entwickelt haben. Indem am Ende der Geist mit dem Herz gleichgesetzt wird, wird der Geist zur zentralen Größe des Toragehorsams. Die Schriftgelehrten-Redaktoren, die sich nach der Endredaktion für den Toragehorsam einsetzen, bestimmen das Verhältnis von Geistbegabung und Toratreue schließlich so, dass alle zu Geistbegabten werden sollen, was als umfassender Spiritualisierungsprozess zu verstehen ist.
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3. Jer 31,31–34: Die „Tafeln des Herzens“

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Im Jeremiabuch hat der Begriff ‚Rûaḥ‘ keine anthropologische Bedeutung, da das Herz als Sitz des Bewusstseins gilt (Jer 3,16f; 4,14.18f; 5,23; 7,24 u.a.), was eine Beziehung des Jeremiabuches zur dtr Literatur sehr wahrscheinlich macht.

Der neue Bundesschluss erfolgt hier auf einzigartige Weise, denn die Tora wird auf das Herz eines jeden verschriftet, wobei das Herz als Tafel dient, was der Übertragung der Toraverantwortung auf die Priesterschaft kontrastiert (Dtn 31,9–13; vgl. Dtn 4,15), da nun so alle – vom Kleinsten bis zum Größten – Jahwes Gebot ohne priesterliche Vermittlung erkennen werden. Darum ist diese Tora auch unsichtbar und unbrechbar, was das priesterliche Torakonzept revidiert, weil die priesterliche Tora als sichtbar und brechbar dargestellt wird.

Daher ist hier den Bezügen zwischen prophetischer und priesterlicher Tora nachzugehen, indem versucht wird, die literarischen Beziehungen von Tora und Jeremiabuch zu klären.

In jedem Vers wird die Redefigur הוהי־םאנ »Spruch Jahwes« verwendet, sie dient in V. 31 und 34 als Einleitungs- bzw. Abschlussformel,439 aber in der Mitte des Abschnitts dient sie zur Bekräftigung der jeweiligen Aussage, um so die Sünde Israels als auch das Versprechen Jahwes zu betonen. Das im Abschnitt Jer 31,31–34 insgesamt viermal verwendete Wort תירב »Bund« ist in Jer 31440 nur in diesen Versen ← 113 | 114 → belegt. Dabei beziehen sich zwei Belege auf den alten Bund, der mit den Ahnvätern Israels geschlossen, aber auch von ihnen gebrochen worden ist. Die zwei anderen Belege beziehen...

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