Show Less
Restricted access

«Der Charakter des Spielplans bestimmt das Wesen des Theaters»

Die Bayerische Staatsoper in München zwischen 1918 und 1943

Series:

Claudia Irion-Senge

Die Studie untersucht die Auswirkungen der nationalsozialistischen Kunst- und Kulturpolitik im Bereich des Musiktheaters, dargestellt am Beispiel der Bayerischen Staatsoper in München. Anhand eines rekonstruierten Spielplans der Weimarer Zeit und des Dritten Reiches, einer detaillierten Spielplananalyse sowie ausführlichen Archivrecherchen wird herausgearbeitet, wie sich die Spielplangestaltung unter dem Einfluss von unterschiedlichen Regierungsformen darstellt. Thematisiert wird darüber hinaus auch, ob und wie sich die Institution der Bayerischen Staatsoper unter der Leitung ihres Generalintendanten Clemens Krauss – immerhin Hitlers Lieblings-Opernhaus – als Propagandainstrument im Dritten Reich instrumentalisieren ließ.
Show Summary Details
Restricted access

C. „Der Charakter des Spielplanes bestimmt das Wesen des Theaters“: Die Spielpläne der Bayerischen Staatsoper zwischen 1918 und 1943

Extract

„Es genügt nicht, ein ausdrucksloses Repertoire aufzustellen, das aus der Vergangenheit jene alten Schwarten hervorsucht, die zwar nicht direkt gegen den Nationalsozialismus geschrieben wurden, die aber auf der anderen Seite auch nichts von dem Geiste unserer Zeit in sich tragen. Es reicht auch nicht aus, wenn man diesen alten Schwarten von anno dazumal ein paar nationalsozialistische Injektionen eingibt. Nur Klassiker und auf der anderen Seite nur naive Harmlosigkeiten, das ist für unsere Zeit zu wenig. Etwas muss schon hinzukommen. Es ist auch nicht rechtens, in der Not um das zu spielende Stück sich nun in zu starkem Umfang auf das Ausland zu werfen.“353

Mehr noch als beim Schauspiel kam die Gestaltung des Opernspielplanes einem Erziehungsauftrag in Bezug auf das Publikum gleich. Die Bandbreite des internationalen Opernrepertoires der Zwanziger Jahre galt es nach Meinung der Theaterideologen auf das Deutschtum hin zu beschneiden. Mit unzähligen, ideologisch stark untermauerten Schriften versuchten einerseits der Rosenberg-Kreis und andererseits Reichsdramaturg Schlösser, wenngleich eher pragmatisch orientiert, mit der Herausgabe eines „Deutschen Opernspielplanes“354 dem undeutschen Musikwesen zu Leibe zu rücken.

In den Rundschreiben der Reichsdramaturgie wurden die Aufstellung zuverlässiger Repertoirewerke und eine stärkere Berücksichtigung des zeitgenössischen deutschen Opernschaffens eingefordert.355 Im Unterschied zu der nur vagen, quasi nur mit der Herkunft des Komponisten zu belegenden und musikalisch keineswegs nachzuweisenden „Deutschheit“ im Bereich der absoluten Musik,356 ergab ← 107 | 108 → sich nach Meinung der Nationalsozialisten aus der Verbindung von deutschem Text mit deutscher Musik...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.