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Kulturelle Schlüsselbegriffe der Schweiz im öffentlichen Diskurs

Eine kultursemantische Untersuchung

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Jadwiga Madej

Der Band zeigt die Eigenarten der Schweiz an relevanten Stichworten aus Geschichte, Politik, Wirtschaft und Landwirtschaft sowie dem sozialen Leben und der eidgenössischen Mentalität auf. So offenbaren sich die eigentümlichen Aspekte der schweizerischen Identität anhand kultureller Schlüsselbegriffe. Wichtige Assoziationen und Positionen zu den Schlüsselbegriffen sind jeweils anhand der Gedanken und Werke diverser Schriftsteller dargestellt. Den Abschluss bildet eine linguistische Graduierung und Klassifizierung der Schlüsselbegriffe. Ihr idiomatischer Charakter erlaubt es, die Schlüsselbegriffe als kulturelle Idiome mit verschiedenen Graden an Idiomatizität zu betrachten. Über die Grenzen der Schweiz hinaus ist die Untersuchung auch für das Gebiet der deutschen Sprache und Kultur relevant.
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9. Schlüsselbegriffe der Schweizer Kultur als kulturelle Idiome

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Wie ich im vorangegangenen Kapitel 8.6 („Auflistung nach der sprachlichen Form“) festgestellt habe, zeichnen sich kulturelle Schlüsselbegriffe durch einen idiomatischen Charakter aus. Dieses Faktum resultiert primär daraus, dass eine Diskrepanz zwischen der lexikalischen Bedeutung des Wortes bzw. der ganzen Wortverbindung und seiner kulturellen Bedeutung besteht. Zwar baut die kulturelle Bedeutung meist auf der lexikalischen auf (vgl. Kapitel 8.2), aber sicher und adäquat lässt sie sich aus jener nicht ableiten, denn sie ist von viel weiterem Aufschluss. Darum können die kulturellen Schlüsselbegriffe einer Sprachgemeinschaft von Angehörigen anderer (fremder) Sprachgemeinschaften allein mit Hilfe der in den Wörterbüchern angeführten lexikalischen Bedeutungen nicht richtig aufgeschlüsselt werden.255

Vielen Polen liefert zum Beispiel die lexikalische Bedeutung von Röstigraben keine richtige Hilfe bei der Bestimmung der kulturellen Bedeutung. ‚Rösti‘ ist eine in der Schweiz beliebte Kartoffelspeise, die man eigentlich im ganzen Land verzehrt (verfeinert je nach der Region mit anderen Zutaten: Zwiebeln, Käse, Speck etc.). ‚Graben‘ hingegen steht für eine „längere schmale Vertiefung in der Erde“. Doch welche Gemeinsamkeit hat die Kartoffelspeise mit der schmalen Grube? Handelt es sich um einen mit ‚Rösti‘ aufgefüllten Graben? Man kann sich dies zwar vorstellen, aber so ein Bild scheint keinen rechten Sinn zu ergeben. Ohne Bezug auf den kulturellen Kontext, ohne Kenntnis der Schweizer Kultur ist man nicht im Stande, den Begriff richtig aufzuschlüsseln und dessen kulturelle ← 417 | 418 → Bedeutung zu bestimmen. Anhand der Assoziationen zum Wort...

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