Show Less
Restricted access

Rudolf Michael

Vom Kaiserreich zur Bild-Zeitung: Ein deutsches Journalistenleben im 20. Jahrhundert

Christian Sonntag

Er war einer der erfolgreichsten Journalisten in der jungen Bundesrepublik: Rudolf Michael (1890-1980) machte Bild zur größten und wichtigsten Boulevardzeitung Deutschlands. Sein Erfolgskonzept, der desillusionierten deutschen Nachkriegsgesellschaft möglichst wenig Politik zu bieten, ging grandios auf. Michaels faszinierende Medienkarriere startete im Kaiserreich. In den 1920er Jahren war er Chefredakteur des Hamburgischen Correspondenten, das Dritte Reich überlebte er als Innenpolitikchef beim Hamburger Fremdenblatt. Dort schrieb er bis April 1945 Durchhaltepropaganda. Anhand seines außergewöhnlichen Journalistenlebens erzählt das Buch ein spannendes Stück deutscher Mediengeschichte im 20. Jahrhundert. Einen besseren Einstieg in das Thema kann es kaum geben.
Show Summary Details
Restricted access

1. Einleitung

Extract

1.  Einleitung

Wessen Leben ist es wert, in Form einer Biografie nacherzählt zu werden? Früher waren es Könige, Fürsten, Päpste, Mächtige, heute würde man sagen: Entscheider. Menschen eben, deren Tun die Gesellschaft verändert hat, die an den Schalthebeln der Macht saßen und mit dem, was sie taten, Geschichte geschrieben haben. Aber können auch Journalisten Geschichte schreiben? Lohnt es sich, über diejenigen zu berichten, deren tägliches Geschäft es ist, gesellschaftlich relevante Entscheidungen lediglich zu beschreiben und zu analysieren – nicht, sie zu fällen? Können Journalisten, die stets dabei sein sollen, aber niemals mittendrin, überhaupt zeitgeschichtlich relevant sein – oder können sie diese Zeitgeschichte nur beschreiben? Es gibt Vertreter der Zunft, über die einschlägige Biografien vorliegen. Es sind meist die Großen des Metiers, die Chefredakteure und Verleger der großen Blätter, die entscheidend dazu beigetragen haben, dass sich nach dem verbrecherischen NS-System, das ganz wesentlich auf das Funktionieren der Propagandamaschinerie angewiesen war, hierzulande eine demokratische Medienkultur entwickeln konnte. Rudolf Augstein, Henri Nannen, Marion Gräfin Dönhoff, Axel Springer gehören zur Gruppe der Journalisten, deren Verdienste um die Demokratisierung dieses Landes unbestritten sind und deren Wirken auch deswegen in Form von Biografien beschrieben worden ist. Zu einer früheren Generation von Journalisten, dessen Leben einmal aufgeschrieben worden ist, gehören mit Theodor Wolf, Egon Erwin Kisch, Carl von Ossietzky oder Hans Zehrer die großen Meinungsmacher der Weimarer Republik, die weniger mit der...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.