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Rudolf Michael

Vom Kaiserreich zur Bild-Zeitung: Ein deutsches Journalistenleben im 20. Jahrhundert

Christian Sonntag

Er war einer der erfolgreichsten Journalisten in der jungen Bundesrepublik: Rudolf Michael (1890-1980) machte Bild zur größten und wichtigsten Boulevardzeitung Deutschlands. Sein Erfolgskonzept, der desillusionierten deutschen Nachkriegsgesellschaft möglichst wenig Politik zu bieten, ging grandios auf. Michaels faszinierende Medienkarriere startete im Kaiserreich. In den 1920er Jahren war er Chefredakteur des Hamburgischen Correspondenten, das Dritte Reich überlebte er als Innenpolitikchef beim Hamburger Fremdenblatt. Dort schrieb er bis April 1945 Durchhaltepropaganda. Anhand seines außergewöhnlichen Journalistenlebens erzählt das Buch ein spannendes Stück deutscher Mediengeschichte im 20. Jahrhundert. Einen besseren Einstieg in das Thema kann es kaum geben.
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5. Unter britischer Aufsicht

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5.  Unter britischer Aufsicht

Kampf um die Vergangenheit

Als die britischen Truppen am 3. Mai, einem strahlend schönen Frühlingstag, in Hamburg einmarschierten, liefen sie durch eine in Trümmern liegende Stadt. Bomben und Feuer hatten über die Hälfte des Wohnraums vernichtet, ganze Stadtteile existierten nicht mehr. Die meisten Haushalte hatten weder Strom, noch Gas oder Wasser. Der Rundfunk strahlte zwar unmittelbar nach Ankunft der Briten die ersten Verordnungen der neuen Militärregierung aus, aber wer keinen Strom hatte, bekam davon nichts mit. Das erste Nachrichtenblatt der Militärregierung erschien am 9. Mai und beendete damit zunächst die nachrichtenlose Zeit. Den Informationshunger der Bevölkerung konnte das zweiseitig bedruckte Blatt freilich nicht stillen.

Rudolf Michael ging in den Tagen und Wochen des Sommers 1945 wieder zu seinem Arbeitsplatz im Broschek-Haus in den Großen Bleichen, wo er bis zur Schließung des Fremdenblatts seinen Dienst verrichtet hatte. Dort verwaltete bis zum 3. Juli jener Gustav Schiefler als Treuhänder das Verlagshaus, der als Parteigenosse von 1933 im Jahr 1936 von den Nationalsozialisten als Geschäftsführer installiert worden war. Im Juli 1945 wurde der Verlag unter „Property Control“ gestellt und kurzzeitig von Kurt Broschek verwaltet. Eine Zeitung wurde dort seit dem 2. Mai nicht mehr hergestellt, so dass Michael dort „vorläufig auf eine informatorische Tätigkeit beschränkt“ war, was auch immer das sein sollte. Er bezog aber weiterhin ein monatliches Einkommen. Während er im Mai und Juni noch...

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