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Sprachvergleich im Kontext des Lehrens und Lernens fremder Sprachen

Zur Modellierung eines funktionalen Apparates als «tertium comparationis»

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Salifou Traoré

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen funktionalen Apparat als tertium comparationis in kontrastiven Sprachvergleichsanalysen im Kontext des Fremdsprachenerwerbs bei homogenen Lernergruppen zu konzipieren, um Unterschiede, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten von L1 und L2 hinsichtlich ihrer Geeignetheit in der funktional-kommunikativen Anwendung in sozialen Interaktionen zu ermitteln und adäquat zu beschreiben. Vor dem Hintergrund der damit verbundenen Möglichkeiten und Grenzen didaktischen Handelns wird anhand der funktionalen Kategorie Höflichkeit im Deutschen und im Thailändischen exemplarisch aufgezeigt, inwieweit sprachfunktionale Analysen den Gebrauch grammatischer Strukturen in geeigneten Kommunikationskontexten zutage bringen.
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4 Funktion als sprachwissenschaftliches Forschungsthema

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Die Auseinandersetzung mit dem Begriff Funktion in der deutschen Sprachwissenschaft lässt sich bis in das 19. Jahrhundert zurückverfolgen. So ist etwa auf Wilhelm von Humboldt zu verweisen, der bereits in seinem am 17. Januar 1822 gehaltenen Akademie-Vortrag Ueber das Entstehen der grammatischen Formen, und ihren Einfluss auf die Ideenentwicklung, natürlich unter Berücksichtigung der ihn beschäftigenden Fragestellungen zur Verschiedenheit der Weltansichten in den Einzelsprachen, funktionale Überlegungen zur Grammatik natürlicher Sprachen anstellt. Humboldt versteht Sprache als Energeia, als die jeder Einzelsprache zugrunde liegende spezifische Tätigkeitsform und die damit verbundenen „grammatischen Verhältnisse“. So formuliert Humboldt ([1822] 1994a, 54): „Die grammatischen Verhältnisse insbesondere hängen durchaus von der Absicht ab, die man damit verbindet. Sie kleben weniger den Worten an, als sie von dem Hörenden und Sprechenden hineingedacht werden“.11 Von dieser Überlegung ausgehend, sieht Humboldt die Grammatik als die Voraussetzung für jede Rede und jedes Verstehen an: „Die Grammatik lässt sich in eine Sprache viel leichter hineindenken, als eine grosse Erweiterung und Verfeinerung der Wortbedeutungen“ (Humboldt [1822] 1994a, 54). Insofern deutet Humboldt den engen Zusammenhang von Lexikon und Grammatik an. Ein weiterer Aspekt des Humboldtschen Funktionsver-ständnisses bezieht sich darauf, dass der Sprachdenker die Sprache der Menschen in Anknüpfung an den Kratylos-Dialog als ein „Werkzeug zu einem Zweck“ deutet. Weiter fügt Humboldt hinzu:

Da aber dies Werkzeug offenbar die rein geistigen, und ebenso die edelsten sinnlichen Kräfte, durch die sich in ihm ausprägende Ideenordnung, Klarheit...

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