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Sprachvergleich im Kontext des Lehrens und Lernens fremder Sprachen

Zur Modellierung eines funktionalen Apparates als «tertium comparationis»

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Salifou Traoré

Diese Arbeit verfolgt das Ziel, einen funktionalen Apparat als tertium comparationis in kontrastiven Sprachvergleichsanalysen im Kontext des Fremdsprachenerwerbs bei homogenen Lernergruppen zu konzipieren, um Unterschiede, Ähnlichkeiten und Gemeinsamkeiten von L1 und L2 hinsichtlich ihrer Geeignetheit in der funktional-kommunikativen Anwendung in sozialen Interaktionen zu ermitteln und adäquat zu beschreiben. Vor dem Hintergrund der damit verbundenen Möglichkeiten und Grenzen didaktischen Handelns wird anhand der funktionalen Kategorie Höflichkeit im Deutschen und im Thailändischen exemplarisch aufgezeigt, inwieweit sprachfunktionale Analysen den Gebrauch grammatischer Strukturen in geeigneten Kommunikationskontexten zutage bringen.
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6 Analysebeispiel: Die funktionale Kategorie „Höflichkeit“ im Deutschen und im Thailändischen

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Höflichkeit ist ein soziales Konstrukt der gesprochenen wie der geschriebenen Sprache, das in jeder Sprachkultur begegnet und in sozialen Interaktionspro-zessen, intra- wie interkulturell, eine zentrale Rolle spielt (vgl. etwa Weinrich 1986, Besch ²1998, Vorderwülbecke ²2002, Ehlich ²2005, Ehrhardt/Neuland 2009).33 Die Bedeutung der Höflichkeit im Interaktionsprozess erklärt sich nach Lüger (1993, 77) u.a. dadurch, dass die Kommunikationspartner Hinweise da-rauf geben, „wie sie bestimmte Äußerungen beurteilen, welche Wertschätzung sie dem anderen entgegenbringen und welche Wertschätzung sie für sich selbst verlangen“. Gleichwohl ist Höflichkeit in den Einzelsprachen terminologisch unterschiedlich geprägt.

Im Deutschen stammt der Terminus „Höflichkeit“ von dem mittelhochdeutschen Wort hovelîch und später dem neuhochdeutschen hofisch ab. In ihrem Deutsch[en] Wörterbuch erklären die Gebrüder Grimm den Terminus folgender-maßen:

auf hofgemäsze weise, nach art eines fürstlichen hofes […] häufiger aber auf worte, unterhaltungskünste, sitten, betragen bezogen, wie sie einem hofe gemäss sind, also fein, gesittet, artig […] aus dieser bedeutung […] hat sich seit langer zeit schon die heute noch einzig gebliebene von höflich herausgebildet, die nur noch auf das feine, artige verhalten gegen andere, im umgang und gespräch mit ihnen, zielt (1877, 1688).

Nach dieser Auffassung ist „Höflichkeit“ ein Lebensstil, der ein fürstliches Ver-halten, also „Hofgemässheit“, beinhaltet. Dazu zählen die Tugenden „fein“, „gesittet“ und „artig“. Ab dem 19. Jahrhundert wandelt sich der Höflichkeits ← 99 | 100 → begriff von einer...

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