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Sozio-Kultur und Entwicklungspraxis

Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Werner Jakob Stueber

Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar vom Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich. Aus einem anders gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, der Adama University, aufgezeigt.
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1. Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Der Prozentsatz der Sekundarschulabsolventen, die in den tertiären Bildungssektor Äthiopiens eintreten, ist mit 3,6 % auffallend gering im Vergleich zum subsaharischen Durchschnittswert um 6 %, den die UNESCO für das Jahr 2008 (vgl. UNESCO 2010, S. 283) nennt. Dennoch gilt, dass eine Massifizierung in der Hochschulbildung Äthiopiens vonstatten geht: Von 39 000 Studierenden in den späten 1990er Jahren stieg die Zahl auf 185 000 im akademischen Jahr 2007/2008. Dieser rasante Zuwachs soll sich fortsetzen und binnen 5-Jahresfrist, d. h. bis 2015, die Zielmarke von 467 000 Studierenden erreichen (vgl. Growth and Transformation Plan 2010, S. 15). Es stellte sich die Frage, wie die benötigte Infrastruktur für die Beherbergung und Beschulung auf Hochschulebene zeitnah eingerichtet und finanziert werden kann. Der Umstand, dass der Agrarsektor, der das wirtschaftliche Geschehen Äthiopiens nach wie vor bestimmt, kaum stärker mit Steuern belegt werden kann und die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Spendengelder internationaler Geberorganisationen nicht proportional zum skizzierten Anstieg wachsen, lässt das Vorhaben ausgesprochen ehrgeizig erscheinen.

Die äthiopische Bundesregierung sieht im Ausbau des tertiären Bildungssektors eine Chance, dringend benötigte, akademisch gebildete Fachkräfte primär für den bislang lediglich in ungenügendem Maße in privatwirtschaftliche Strukturen überführten Industriesektor bereitstellen zu können, wobei technisch-anwendungsorientierten Ausbildungsprofilen gemäß dem Ausbildungskanon deutscher Fachhochschulen vom Anfang der Reformzusammenarbeit an Priorität zukam.

Die Adama University (AU), seit Anfang 2012 Adama Science & Technology University, zählte aus Sicht der beiden steuernden äthiopischen Ministerien,...

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