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Sozio-Kultur und Entwicklungspraxis

Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Werner Jakob Stueber

Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar vom Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich. Aus einem anders gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, der Adama University, aufgezeigt.
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3. Grenzen der Machbarkeit

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Die erste Jahreshälfte 2011 brachte einen gravierenden Umbruch in der bis dato ungebrochen gültigen Perspektive, die Adama University, die im Laufe des Jahres per ministeriellem Dekret in Adama Science & Technology University (ASTU) umbenannt wurde, als Modellhochschule gestalten zu können; und zwar gemäß dem von Regierungsseite in vollem Umfang indossierten Framework, das sich zudem in dem 2009 verabschiedeten neuen, nationalen Hochschulgesetz in wesentlichen Zügen abbildete. Im Laufe der zweiten Hälfte des Jahres 2010, d. h. nach den nationalen Wahlen im Mai, setzte sich die Erkenntnis durch, dass, wie ursprünglich angenommen, der von Regierungsseite mit wenig Einschränkungen zugestandene experimentelle Freiraum als verlässliche Rahmenbedingung für die großdimensionierten Reformanstrengungen auf dem Adama Campus nicht wirklich gewährleistet war. Spätestens zu Beginn des akademischen Jahres 2010/2011, als der Bildungsminister unter dem Druck hoher Zahlen von Sekundarschulabsolventen darauf bestand, dass auch die Reformstatus mit beschränkten Kapazitäten innehabende Adama University ihre Aufnahme- und Belastungsgrenzen ausweite, wodurch der Reformprozess erkennbar gefährdet wurde, setzte eine Desillusionierung ein. Ausbleibende oder verspätet eintreffende finanzielle Zuweisungen von der Bundesebene, die zur Fertigstellung von dringend benötigten Vorlesungsgebäuden benötigt wurden, sowie der durch die neue Higher Education Proclamation infrage gestellte, bislang dem deutschen Universitätspräsidenten gewährte persönliche Haftungsausschluss, verschärften die Lage.

Nach den Wahlen hatte sich ein bildungspolitischer Kurs- und Personenwechsel vollzogen, der Prioritäten der Hochschulreform entlang des neu verabschiedeten Fünfjahresplanes für die nationale Entwicklung setzte....

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