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Sozio-Kultur und Entwicklungspraxis

Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Werner Jakob Stueber

Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar vom Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich. Aus einem anders gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, der Adama University, aufgezeigt.
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4. Die sozio-kulturellen Schlüsselfaktoren des BMZ in der Entwicklungspraxis

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Die Annahme, dass mit der verbindlichen Berücksichtigung sozio-kultureller Faktoren durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) ab 1992 sich eine markante Veränderung der Wirksamkeit von deutschen Entwicklungsprojekten konstatieren lasse, wäre fehlgeleitet. F. Bliss et al. legten fünf Jahre nach Einführung des sogenannten Schlüsselfaktorenkonzeptes des BMZ (vgl. BMZ 1994, S. 1–7) den Versuch einer Operationalisierung dieses Konzeptes mit dem Ziel vor, „für die Länder- und Projektarbeit handlungsbezogene, einfache und praktisch handhabbare Vorschläge zur besseren Berücksichtigung der SKF [sozio-kulturellen Faktoren, m. Anm.] zu erarbeiten“ (Bliss 1997, S. 23). Vorausgegangen war Kritik, die vor allem den fehlenden Praxisbezug und den hohen Abstraktionsgrad der Faktoren bemängelte. Festgestellt wurde, dass trotz einer breiten Anerkennung der Bedeutung sozio-kultureller Faktoren vonseiten vieler Institutionen der Entwicklungszusammenarbeit die konkrete Einbeziehung in die Projektierung von Vorhaben noch nicht hinreichend geleistet werde. So fänden die Faktoren als Querschnittsthema zwar Eingang in die Länderkonzepte des BMZ, bei Regierungsverhandlungen hingegen würden sie eher nachrangig behandelt. Mittelabflussdruck, Arbeitsbelastung, ungenügende Kommunikation zwischen BMZ und Durchführungsorganisationen seien die Hauptgründe dafür. Von zentralem Erkenntniswert ist jedoch der Hinweis auf methodische Unsicherheiten bezüglich der Handhabung der Faktoren (vgl. Bliss 1997, S. 24); er lenkt den Blick auf eine nähere Betrachtung der drei Schlüsselfaktoren, die jeweils einen Komplex von Aspekten umfassen:

Der Faktor Legitimität „umfasst die Machtverhältnisse im Umfeld eines Entwicklungsvorhabens. Dabei fragt er vor allem nach der Akzeptanz von...

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