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Sozio-Kultur und Entwicklungspraxis

Die äthiopische staatliche Hochschulreform

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Werner Jakob Stueber

Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar vom Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich. Aus einem anders gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, der Adama University, aufgezeigt.
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Aus kulturanthropologischer Sicht wird Kultur als Ensemble erworbener Eigenschaften betrachtet. Kulturen bzw. Gesellschaften in ihrer spezifischen Prägung haben systemischen Charakter und bedürfen einer ganzheitlichen Betrachtung. Entwicklungszusammenarbeit impliziert die Veränderung des bodenständig gegebenen kulturellen Repertoires, induziert durch exogene Einwirkung bzw. Konfrontation mit neuen Anforderungen an die Adaptionsfähigkeit autochthoner Wertesysteme. Im Zuge entwicklungspolitischer Maßnahmen erfolgen Wissens- und Technologietransfer untrennbar von Kulturtransfer. Eine Nahtstelle dieses Geschehens ist der Bildungsbereich, wo Wissen vermittelt, Techniken erlernt und kulturell geprägte, spezifische Wahrnehmungs-, Denk- und Handlungsmuster berührt werden.

In der Projektarbeit in Entwicklungsländern wird vielfach eine Inkongruenz bodenständiger Traditionen mit Modernisierungsstrategien westlicher Provenienz, wie sie konsolidierten Industriegesellschaften mit säkularer, rationalistisch ausgerichteter Wirklichkeitsinterpretation eigen sind, greifbar. Aus einem anders-gearteten kulturellen Kontext in einen bestimmten traditionellen Gesellschaftstypus hineinwirkende Maßnahmen zwischenstaatlicher Entwicklungshilfe stellen eine Intervention in ein fremdes sozio-kulturelles Milieu dar. Sie gehen mit Prozessen von Bewusstseinsbildung einher, die stets Nahtstellen kultureller Systeme affizieren bzw. Veränderung suggerieren, zum Beispiel die Übernahme industrieller Sekundärtugenden wie intrinsische Leistungsmotivation oder eines linearen, gleichsam metronomisch getakteten Zeitverständnisses. In der entwicklungspolitischen Debatte stellte sich in den zurückliegenden Jahrzehnten allmählich eine Akzentverschiebung ein; die Erkenntnis trat hervor, dass Standards für Veränderung von den Zielländern selbst generiert werden müssen.

Die skizzierten Zusammenhänge werden am Beispiel des Projektalltages an der deutsch-äthiopischen Modellhochschule, Adama University, Äthiopien, anhand einer selektiven Typologie sozio-kultureller Determinanten - Zeit, Klientelismus, Sprache -, die sich auf Mikroebene als...

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