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Gesetzlicher Tierschutz im Deutschen Reich

Yi Han

Ist der Tierschutz menschenfeindlich und ist dessen Gesetzgebung im Dritten Reich Missbrauch etwaiger Weimarer Entwürfe zur Judenverfolgung und Selbstverherrlichung? Untersucht wird demgegenüber die Geschichte von § 360 Ziffer 13 des Reichsstrafgesetzbuches 1871 über das Reichstierschutzgesetz 1933 samt dessen Nebengesetzen 1934–40 bis zu ihrer Auslegung und Umsetzung gar bis 1943/45. Dadurch erweist sich der Tierschutz als eine uralte Kulturnotwendigkeit und somit nicht erst als «Kind des Nationalsozialismus». Doch dessen volkserzieherische Bestrebung war vom Zustandekommen des Tierschutzrechts als neues Fachgebiet nicht wegzudenken.
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F. Görings Vivisektionsverbot vom 05. September 1933

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Während der Zusammenstellung tierschutzeinschlägiger Vorschriften teilte der Kultusminister Rust am 6. September dem Justizminister Kerrl mit: „Die Fragen der Vivisektion sind bisher federführend von der Preußischen Medizinalverwaltung, zurzeit also im Preußischen Ministerium des Innern bearbeitet worden. Die Landwirtschaftsverwaltung und meine Verwaltung werden dabei beteiligt. Eine Nachprüfung der Vorschriften über die wissenschaftlichen Tierversuche findet zur Zeit statt.“844 In der Tat brauchte Kerrl gar nicht zu warten, denn schon am vorigen Tag hatte Göring in seiner Eigenschaft als Preußischer Minister des Innern neue Vorschriften erlassen, die sein Ministerial-Kanzleisekretär Grauert am selben Tage dem Justizminister zugeschickt hatte.845 Nach Gossler und Grimme erließ Göring hiermit Preußens dritte Verordnung über Vivisektion. Das hatte auch eine unmittelbare Vorgeschichte.

I. Görings besondere Weisung vom 16. August 1933

Als unmittelbarer Anlass für Göring zur Regelung der Vivisektion ist die Anekdote überliefert: „Im internen Kreise hatten ihm Damen der Gesellschaft die grausigen Bilder von vivisezierten Tieren vorgelegt. Göring war so empört über diese Grausamkeiten, daß er mit der Faust auf den Tisch schlug und donnerte: ‚Diese Schweinerei hört mir sofort auf!‘ Zu den Damen gehörte die Frau des Reichspresschefs Dr. [Otto] Dietrich — eine Westfälin. Sie war eine radikale Gegnerin der Vivisektion.“846 Daraufhin gab Johanna Wolf, eine der Sekretärinnen ← 175 | 176 → in Hitlers Kanzlei, am 16. August 1933 um 15.20 den fernmündlichen Auftrag von Obersalzberg an die Minister bekannt:

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