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Gesetzlicher Tierschutz im Deutschen Reich

Yi Han

Ist der Tierschutz menschenfeindlich und ist dessen Gesetzgebung im Dritten Reich Missbrauch etwaiger Weimarer Entwürfe zur Judenverfolgung und Selbstverherrlichung? Untersucht wird demgegenüber die Geschichte von § 360 Ziffer 13 des Reichsstrafgesetzbuches 1871 über das Reichstierschutzgesetz 1933 samt dessen Nebengesetzen 1934–40 bis zu ihrer Auslegung und Umsetzung gar bis 1943/45. Dadurch erweist sich der Tierschutz als eine uralte Kulturnotwendigkeit und somit nicht erst als «Kind des Nationalsozialismus». Doch dessen volkserzieherische Bestrebung war vom Zustandekommen des Tierschutzrechts als neues Fachgebiet nicht wegzudenken.
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G. Entstehung des Reichstierschutzgesetzes

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„Um zu verhindern, daß während dieser Vorbereitungszeit die Tierquälerei sich noch weiter ausdehnt, bin ich nun mit diesem Erlaß eingeschritten.“949 Mit dieser Äußerung ließ Göring sein Vivisektionsverbot — wie die Schlachtgesetzgebung und die Strafgesetznovelle — als „nur ein Vorstoß“ erscheinen, „um zunächst einmal das größte Leid unter den Tieren zu beenden.“950 Allerdings wäre dabei eine Annahme zu optimistisch, wie etwa „daß Tiere kaum mehr unnötig leiden. Dies verschaffte dem Gesetzgeber die nötige Zeit, um die Gesetze und Verordnungen ruhig und fundiert auszuarbeiten.“951 In der Tat waren die Vorarbeiten zum Tierschutzgesetz schon seit Anfang Februar 1933 im Gange.952

Denn auch die neuen Machthaber wurden mit zahlreichen Bittschriften bestürmt. Ihre Themen fasste Reichsinnenminister Dr. Frick am 1. April 1933 zusammen: „Im einzelnen wird […] Stellung genommen gegen das betäubungslose Schlachten, um strengere Schutzbestimmungen über wissenschaftliche Versuche an lebenden Tieren gebeten, ein Einschreiten gegen Hetzprüfungen von Hunden auf lebende Katzen (sog. Katzenwürgen) beantragt, verstärkter Schutz für Grubenpferde gefordert und schärfere Überwachung der Schlachtpferdtransporte empfohlen, das Herumziehen mit Tanzbären beanstandet u. a. m.“953

I. Einzeleingaben

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