Show Less
Restricted access

Kommunikative Routinen

Formen, Formeln, Forschungsbereiche- Festschrift zum 65. Geburtstag von Prof. Dr. Irma Hyvärinen

Edited By Leena Kolehmainen, Hartmut E. H. Lenk and Liisa Tiittula

Die Kreativität menschlichen Sprachgebrauchs spielt eine zentrale Rolle in verschiedenen Sprachtheorien. Ergebnisse der Phraseologie- und der Textforschung haben indes gezeigt, dass der alltägliche Sprachgebrauch durch ein hohes Maß an Konventionalität bis hin zur Stereotypie gekennzeichnet ist. Dieser Band vereint 16 Beiträge, die solchen kommunikativen Routinen in verschiedenen Zusammenhängen nachgehen. Untersucht werden Formeln in mittelalterlichen Testamenten ebenso wie Anreden im Drama und Kirchenliedern, die Funktion von Wiederholungen in literarischen Texten und deren Übersetzung, die Vermittlung und Aneignung kommunikativer Formeln im DaF-Unterricht und deren Gebrauch in Pressetexten, Notrufen, Kaufgesprächen sowie Routinen in Tagebüchern und Parlamentsreden.
Show Summary Details
Restricted access

Was man braucht, kann nicht fehlen. Grammatik, Textstil und Interaktionsmodalität

Extract

| 153 →

Was man braucht, kann nicht fehlen.

Grammatik, Textstil und Interaktionsmodalität

Ludwig M. Eichinger

Abstract

Was ein ökonomischer Gebrauch sprachlicher Mittel ist, bestimmt sich in der Interaktionssituation. Wenn in einer Schreib- oder Sprechsituation bestimmte Elemente der Interaktion erwartbar sind, und keine medialen oder texttypspezifischen Normierungen dagegenstehen, können selbst grammatisch zentrale Einheiten davon betroffen sein. Am Beispiel von zwei typischen Erscheinungen von Tagebucheinträgen, die ihrerseits als ein klassischer Fall für solche Kodierungstendenzen gelten, wird dafür argumentiert, sie als Instanzen einer selbständigen Syntax der Kürze zu verstehen. In der Sache geht es um bestimmte Typen subjektloser und verbloser propositionaler Einheiten.

1. Konstruktionelle Ökonomie: Techniken der Kürze

1.1 Evidenz und Grammatik

Manchmal ist, wie der Volksmund sagt, weniger mehr. Das gilt auch für unser Sprechen und Schreiben. Im Praktischen heißt das Verschiedenes. Über zwei Erscheinungen dieser Art und ihre Konsequenzen wollen wir im Folgenden sprechen. Zum einen geht es um Fälle, in denen die eigentlich geforderte Setzung von Subjektspronomina die markierte Variante darstellt. Zum anderen – am selben Material – um eine entsprechende Umkehrung bei der Setzung verbaler Prädikate in Kontexten der „Eigenbewegung“.

Für beide Fälle verantwortlich ist ein vernünftig verstandenes Ökonomiekonzept, das uns – unter entsprechenden Bedingungen – Optionen offenlässt, die zu den angedeuteten Markierungsumkehrungen führen. Die Grundüberlegung dabei ist, dass man solche ökonomischen Ausdrucksweisen nicht als das Weglassen von...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.