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Zeitungssprache und Mündlichkeit

Soziopragmatische Untersuchungen zur Sprache in Zeitungen um 1850

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Hirofumi Hosokawa

In dieser Arbeit werden die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit in verschiedenen Zeitungssorten um 1850 untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Zeitung im deutschsprachigen Raum von einem Medium gebildeter Sozialschichten zu einem Massenmedium aus der Perspektive der soziopragmatischen Sprachgeschichtsforschung zu beschreiben und zu erklären. Als zentraler Ansatzpunkt der sprachgeschichtlichen Untersuchung dient dabei die Frage, ob und inwiefern die Verbreitung und Diversifizierung der Zeitung auf der sozialen, lokalen und politolektalen Ebene begründet wurde durch eine Hinwendung zu Sprachgebrauchsweisen der konzeptionellen Mündlichkeit im Medium der geschriebenen Zeitungssprache.
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1. Einleitung

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1.1 Ziel und Aufbau der vorliegenden Arbeit

In dieser Arbeit werden die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit in verschiedenen Zeitungssorten um 1850 untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Zeitung in Deutschland von einem Medium gebildeter Sozialschichten zu einem Massenmedium aus der Perspektive der soziopragmatischen Sprachgeschichtsforschung zu beschreiben und zu erklären. Als zentraler Ansatzpunkt der sprachgeschichtlichen Untersuchung dient dabei die Frage, ob und inwiefern die Verbreitung und Diversifizierung der Zeitung durch eine Hinwendung zu Sprachgebrauchsweisen der konzeptionellen Mündlichkeit im Medium der geschriebenen Zeitungssprache begründet wurde.

Im Bereich der Sprachgeschichtsforschung gibt es seit den 1980er Jahren einen „Boom der Forschung zur neueren Sprachgeschichte [wobei] besonders das 19. Jahrhundert […] in den Blick genommen [wurde]“ (ELSPAß [2005: 3]). In Bezug auf die Zeitungssprache ist dieses Jahrhundert auch von besonderer Bedeutung, weil sich die deutsche Zeitung in dieser Zeit erstmals zu einem einflussreichen Massenmedium entwickelte und die Zeitungssprache als Sprache der Öffentlichkeit betrachtet wurde.1 EGGERS (1973: 77) spricht sogar von einer „Demokratisierung der Schriftsprache“ (EGGERS [1977: 129]) durch die Verbreitung der Tageszeitung im 19. Jahrhundert.2 Durch diese Art der Popularisierung des Mediums Zeitung in Sozialschichten, die noch nicht an die Schriftsprachkultur gewöhnt waren, werde „die Kluft zwischen den hochentwickelten Schreibformen und der einfacheren gesprochenen Sprache […] eingeebnet“ (EGGERS [1973: 126]). Obwohl der Gegensatz zwischen konzeptioneller Mündlichkeit (kolloquial, spontan, emotional) und Schriftlichkeit (formell, vorgeplant, objektiv) ein bedeutendes Thema in jüngeren soziopragmatischen Untersuchungen zur deutschen Sprachgeschichte darstellt,3 bleibt die Erforschung dieser „Demokratisierung...

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