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Zeitungssprache und Mündlichkeit

Soziopragmatische Untersuchungen zur Sprache in Zeitungen um 1850

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Hirofumi Hosokawa

In dieser Arbeit werden die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit in verschiedenen Zeitungssorten um 1850 untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Zeitung im deutschsprachigen Raum von einem Medium gebildeter Sozialschichten zu einem Massenmedium aus der Perspektive der soziopragmatischen Sprachgeschichtsforschung zu beschreiben und zu erklären. Als zentraler Ansatzpunkt der sprachgeschichtlichen Untersuchung dient dabei die Frage, ob und inwiefern die Verbreitung und Diversifizierung der Zeitung auf der sozialen, lokalen und politolektalen Ebene begründet wurde durch eine Hinwendung zu Sprachgebrauchsweisen der konzeptionellen Mündlichkeit im Medium der geschriebenen Zeitungssprache.
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3. Sprachbewusstseinsgeschichte: Reflexionen und Ansichten über die Zeitungssprache in der Mitte des 19. Jahrhunderts

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Von Polenz deklariert in der Einführung zur „Deutschen Sprachgeschichte vom Spätmittelalter bis zur Gegenwart. Bd. 3. 19. und 20. Jahrhundert“ (1999), dass er in der Gliederung dieses Bandes die Kapitel über „die Sprachbewußtseinsgeschichte“ vor den systemlinguistischen Kapiteln bevorzugt, weil die metasprachlichen Bemühungen wie Sprachreflexion, Sprachbewertung und Sprachkritik in diesem Zeitraum auf die Sprachentwicklung einen besonderen Einfluss ausübten.1 Die Frage nach der Genese des Sprachbewusstseins ist nach Scharloth „in der Soziolinguistik bislang weitgehend unbeachtet geblieben“ (SCHARLOTH [2005: 20]). Ein möglicher Zugriff auf das Sprachbewusstsein sei es, auf der Grundlage sprachthematisierender Quellen festzustellen, wie die Zeitgenossen die Zeitungssprache wahrnahmen und wie die Zeitungsschreiber der Zeit ihre Tätigkeit einschätzten.2 Auf diesem Wege kann auch der Versuch unternommen werden, das damalige Wissen über die Struktur und über sozialsymbolische Funktionen der Zeitungssprache festzustellen.

Auf die Sprache der Zeitungen reagierte man schon seit der Etablierung der Zeitungen als Periodika im 17. Jahrhundert negativ. STRASSNER (1999) nennt beispielsweise mehrere Kritiker im 17. Jahrhundert: Einen häufigen Gebrauch von Fremdwörtern kritisierten Christoph Schorer aus Memmingen im Jahre 1643 und Kaspar Stieler im Jahre 1695. Von den Verfassern der Zeitungsartikel forderte Tobias Peucer in seiner Dissertation von 1690 eine angemessene Ausdrucksfähigkeit und den Stil der Geschichtsdarstellung.3 Joachim von Schwarzkopf veröffentlichte schon 1795 ein inhaltsreiches medienwissenschaftliches Werk mit dem Titel „Ueber Zeitungen. Ein Beytrag zur Staatswissenschaft“. Darin zog er, wie der Untertitel seines Buchs zeigt, hauptsächlich die öffentliche und politische Wirkung dieses Mediums und...

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