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Zeitungssprache und Mündlichkeit

Soziopragmatische Untersuchungen zur Sprache in Zeitungen um 1850

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Hirofumi Hosokawa

In dieser Arbeit werden die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit in verschiedenen Zeitungssorten um 1850 untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Zeitung im deutschsprachigen Raum von einem Medium gebildeter Sozialschichten zu einem Massenmedium aus der Perspektive der soziopragmatischen Sprachgeschichtsforschung zu beschreiben und zu erklären. Als zentraler Ansatzpunkt der sprachgeschichtlichen Untersuchung dient dabei die Frage, ob und inwiefern die Verbreitung und Diversifizierung der Zeitung auf der sozialen, lokalen und politolektalen Ebene begründet wurde durch eine Hinwendung zu Sprachgebrauchsweisen der konzeptionellen Mündlichkeit im Medium der geschriebenen Zeitungssprache.
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4. Konzeptionelle Mündlichkeit in der Zeitungssprache um 1850

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Seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wird der Unterschied zwischen der geschriebenen und der gesprochenen Sprache aus wissenschaftlicher Perspektive betrachtet.1 Dabei ist insbesondere „die Kluft zwischen den hochentwickelten Schreibformen und der einfacheren gesprochenen Sprache“ (EGGERS [1973: 126]) als Forschungsgegenstand gewählt worden. Seit dem Aufkommen einer selbständigen Erforschung der gesprochenen Sprache in den 1960er Jahren änderte sich auch die Perspektive. Die aktuelle Forschung wird vom Modell der nähe- und distanzsprachlichen Kommunikation dominiert, das von Peter Koch und Wulf Oesterreicher entwickelt wurde. Im Folgenden werden zuerst die aktuellen linguistischen Untersuchungen zum Modell der geschriebenen und der gesprochenen Sprache einerseits und zum Modell der daraus abgeleiteten Nähe- und Distanzkommunikation andererseits zusammengefasst; im Anschluss daran werden mündliche Elemente in der Zeitung um 1850 statistisch untersucht.

4.1 Grundlagen zur Untersuchung der Mündlichkeit in der Zeitungssprache

Um die konzeptionelle Mündlichkeit in deutschen Zeitungen anhand von sprachlichen Merkmalen einschätzen zu können, verwendet BETZ (2006) „gesprochensprachliche Elemente“, die sie nach Schwitalla2 zusammengestellt hat. Sie definiert „gesprochensprachliche Elemente“ nicht als Merkmale, „die direkt einem Transkript der gesprochenen Sprache entnommen sind“, sondern als Merkmale, „deren äußere Form auf einen Kontext der gesprochenen Sprache verweisen, die aber dennoch medial schriftlich realisiert sein können“ (BETZ [2006: 40]). BETZ (2006) untersucht auf dieser Basis die Mündlichkeit in acht Zeitungen aus den Jahren 2001/02 und als Vergleichsgegenstand zwei Zeitungen aus den Jahren 1965 sowie eine von 1982. Auffallend ist, dass sprachliche Merkmale der Mündlichkeit in...

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