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Zeitungssprache und Mündlichkeit

Soziopragmatische Untersuchungen zur Sprache in Zeitungen um 1850

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Hirofumi Hosokawa

In dieser Arbeit werden die konzeptionelle Mündlichkeit und Schriftlichkeit in verschiedenen Zeitungssorten um 1850 untersucht. Ziel der Untersuchung ist es, die Entwicklung der Zeitung im deutschsprachigen Raum von einem Medium gebildeter Sozialschichten zu einem Massenmedium aus der Perspektive der soziopragmatischen Sprachgeschichtsforschung zu beschreiben und zu erklären. Als zentraler Ansatzpunkt der sprachgeschichtlichen Untersuchung dient dabei die Frage, ob und inwiefern die Verbreitung und Diversifizierung der Zeitung auf der sozialen, lokalen und politolektalen Ebene begründet wurde durch eine Hinwendung zu Sprachgebrauchsweisen der konzeptionellen Mündlichkeit im Medium der geschriebenen Zeitungssprache.
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5. Zusammenfassung

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Das Medium Zeitung verbreitete sich, besonders nach der Märzrevolution, auch unter der breiten Masse, die damals immer lesefähiger wurde und durch dieses Medium aktuelle Informationen über die schwankende politische Lage erhalten oder einfach nur unterhalten werden wollte. Dass auch bildungsferne Sozialschichten, die bisher an die gesprochene, kaum aber an die geschriebene Sprache gewöhnt waren, im Alltag die Zeitung lasen und sich dadurch mit der geschriebenen Sprache anfreundeten, kann man für eine „Demokratisierung der Schriftsprache“ (EGGERS [1977: 129]) halten, durch die „die Kluft zwischen den hochentwickelten Schreibformen und der einfacheren gesprochenen Sprache […] eingeebnet“ (EGGERS [1973: 126]) wurde.

Das heißt aber nicht einfach nur, die Zeitungssprache selbst habe sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts „der einfacheren gesprochenen Sprache“ angenähert. Wie in Kap. 3 erwähnt, wurde die Zeitungssprache zwar damals oft als Indikator und Faktor eines Verfalls der deutschen Sprache kritisiert, die die Klassiker kunstvoll entwickelt hätten. Die Untersuchungen konnten aber zeigen, dass die syntaktische Struktur der Zeitungssprache um 1850, der Struktur der Sprache der Klassiker ähnelt. Grammatisch unvollständige Sätze („Setzung“), die aus dem telegraphischen Stil oder der „Buchstabenersparniß“ (SCHOPENHAUER [1896: 120]) stammen, kommen beispielsweise nur selten vor, genau wie in der Sprache von Goethe und Schiller. Auch morphologische Merkmale der gesprochenen Sprache, die in der zeitgenössischen alltäglichen Schriftsprache nachweisbar sind, finden sich kaum. Trotz der Kritik an der eilfertigen Arbeit, und trotz der tatsächlichen Eile bei der Arbeit, wählten damalige Journalisten, die meistens...

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