Show Less
Restricted access

Metaphysik und die Ordination des Bewusstseins

Sander Wilkens

Metaphysik und Logik rechnen die Beziehungen der Bewusstseinsvermögen gewöhnlich nicht zu den logischen Beziehungen. Eine Ausnahme ist Kants Unterordnung der Sinnlichkeit unter das Verstandesvermögen in der Kritik der reinen Vernunft. Die Logik lehrt außerdem, bei der Anschauung erhalte man stets nur einen einzigen Gegenstand, womit Kant die Geschichte zugleich rekapituliert und prädeterminiert. Fragt man nach der Umkehrbarkeit des Bestimmungsverhältnisses unter den Fakultäten, ergibt sich aber keine Falschheit oder Unmöglichkeit. Es eröffnet sich ein breites Feld an Möglichkeiten, die echte Determination in die Fakultäten zu verlegen und die Formen der Erkenntnis hiervon abhängig zu machen. Die Geschichte der Projektion wird in den Zeugenstand berufen, inklusive einer abschließenden Neubewertung der Korrespondenz.
Show Summary Details
Restricted access

6. Schluss und Ausblick auf die heutige projektive Geometrie

Extract

1

Nihil sine ratione – »Alles hat Gründe«. Dies ist keine akkurate, wenn dies bedeuten soll, wörtliche, buchstäbliche Übersetzung. Schon mag man zweifeln, ob der ← 290 | 291 → lateinische Urheber den Bewusstseinsgrund oder den Grund in Natur und Welt meint – noch in der Dissertation hält Kant beide, allerdings überwiegend als causa, distinkt967. Der deutsche Satz hat aber dennoch, gegen seinen lateinischen Vorläufer, der einem Aspekt der Philosophie von Leibniz wie ein Motto voransteht968, einen Sinn, der seine sprichwörtliche Bedeutung überragt.

„Nam si tempus designes linea recta in infinitum producta, et simultanea in quodlibet temporis puncto per lineam ordinatim applicatas: superficies, quae ita generatur, repraesentabit Mundum phaenomenon, tam quoad substantiam quam quoad accidentia“,

sagt Kant in der Dissertatio, als es gilt, neben der Sukzession die Simultaneität ins Feld zu führen969. Man wird nicht glauben wollen, dass er sich der Zweideutigkeit seiner Erklärung bewusst war, wofür, wie schon andernorts bemerkt, Pascal hätte als Beispiel dienen können, der dieselbe Verbindung am Ende des Geometrie-Traktats aus dem Fluchtpunkt erläutert (der eine empirische und zugleich reine oder ideale Erfahrung). Selbst Bergson, der seine Zeitvorstellung an der Relativität geschult hatte, verbleibt, als es gilt, die Symbolik der Zeit durch die Linie einzuholen, bei der (absolut verstandenen) Homogenität970. Punkte liegen daher stets auf der Ursprungsgeraden, und die entstehenden Flächen werden einzig durch Parallelen im realen Sinne bestritten, bei denen die Ambiguität – als Interferenz – nicht einkehrt: dass...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.