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Wörterbücher der Deutschen Gebärdensprache

Sprachspezifische Besonderheiten und deren Bearbeitung in ausgewählten Wörterbüchern

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Ulrike Thamm

Gebärdensprachwörterbücher bilden einen vergleichsweise kleinen Teil der deutschen Wörterbuchlandschaft. Diese Arbeit macht den Leser mit den Besonderheiten der DGS-Lexikografie vertraut – einer Disziplin, die unter verschiedensten Bedingungen die unterschiedlichsten Produkte hervorbringt. Im Laufe der Untersuchung wird deutlich, wie sehr soziokulturelle, sprachspezifische und sprachpolitische Gegebenheiten die einzigartige Beziehung zwischen Deutscher Gebärdensprache und Lexikografie prägen. Einige DGS- und gebärdensprachspezifische Phänomene stehen beispielhaft für die vielfältigen Besonderheiten bei der Konzeption von DGS-Wörterbüchern. Die Untersuchung einiger gängiger Wörterbücher zeigt, wie lexikografische Probleme in Print und durch elektronische Medien bearbeitet werden können.
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4. Grundlegendes zur DGS

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Die DGS ist eine der weltweit existierenden Gebärdensprachen, die sich aus dem Kommunikationsbedürfnis von Hörgeschädigten und Gehörlosen ergeben (Berbeco 2005:118). Jede Gebärdensprache2 bildet ein Kommunikationssystem, das entsprechend den durch die Gehörlosigkeit gegebenen Erfordernissen „unabhängig von akustischen Strukturen funktioniert“ (Erlenkamp 1996:1). Zweifelsohne stellen Gehörlose, insbesondere von Geburt an Gehörlose oder im frühen Kindesalter Ertaubte, die größte Gruppe der DGS-Nutzer dar. Ebbinghaus und Heßmann (1991:188) definieren die Gehörlosengemeinschaft jedoch nicht als „Zwangsverband der vollständig von Geburt an Ertaubten“, sondern betonen die soziale Komponente der Gemeinschaft, „weil die Menschen das grundlegende soziale Bedürfnis nach Kommunikation zusammenführt“ (ibid.). Es ist zu beachten, dass nicht alle Gehörlosen Gebärdensprachen nutzen (siehe Abschnitt 4.1). Da die Gruppe der Benutzer zudem Spätertaubte, Hörgeschädigte, hörende Eltern gehörloser Kinder, hörende Kinder gehörloser Eltern, hörende Freunde oder Partner von Gehörlosen und Lehrer an Gehörlosenschulen etc. umfasst, bietet sich im Kontext dieser Untersuchung und in der generellen Diskussion zu Gebärdensprachen der Begriff der Gebärdensprachgemeinschaft an, zu der laut Prillwitz (1987b:46) unabhängig vom Vorhandensein oder vom Grad einer Hörbehinderung alle Benutzer der Gebärdensprache gehören.

Lange Zeit hielt sich das Vorurteil, Gebärdensprachen seien lediglich eine pantomimische Verständigungsform (Erlenkamp 1996:37).3 Erlenkamp (ibid.:5) sieht den Hauptgrund für Diskussionen4 um den Status von Gebärdensprachen in Sprachdefinitionen, die...

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