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Wörterbücher der Deutschen Gebärdensprache

Sprachspezifische Besonderheiten und deren Bearbeitung in ausgewählten Wörterbüchern

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Ulrike Thamm

Gebärdensprachwörterbücher bilden einen vergleichsweise kleinen Teil der deutschen Wörterbuchlandschaft. Diese Arbeit macht den Leser mit den Besonderheiten der DGS-Lexikografie vertraut – einer Disziplin, die unter verschiedensten Bedingungen die unterschiedlichsten Produkte hervorbringt. Im Laufe der Untersuchung wird deutlich, wie sehr soziokulturelle, sprachspezifische und sprachpolitische Gegebenheiten die einzigartige Beziehung zwischen Deutscher Gebärdensprache und Lexikografie prägen. Einige DGS- und gebärdensprachspezifische Phänomene stehen beispielhaft für die vielfältigen Besonderheiten bei der Konzeption von DGS-Wörterbüchern. Die Untersuchung einiger gängiger Wörterbücher zeigt, wie lexikografische Probleme in Print und durch elektronische Medien bearbeitet werden können.
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7. Zur Schriftlosigkeit der DGS – Lösungsansätze im Wörterbuch

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7.1 Die DGS und die Schrift

Gebärdensprachen besitzen keine Schriftform. Das liegt in erster Linie darin begründet, dass Gebärden nicht wie lautsprachliche Zeichen eine Abfolge von phonetischen Elementen bilden, sondern ihre Komponenten größtenteils simultan ausgeführt werden. Die meisten Schriftsysteme, insbesondere Alphabetschriften, beruhen auf dem Prinzip der sequentiellen Abbildung sequentiell ausgeführter Elemente. Daher lassen sie sich nicht auf Gebärdensprachen übertragen (Erlenkamp 1999:658). In Alphabetschriften werden Wörter aus kleineren Einheiten – den Buchstaben – zusammengesetzt. Diese Buchstaben geben wieder, in welcher Zusammenstellung Laute in einer Äußerung kombiniert sind. Analog müssen auch Gebärdenschriften die einzelnen Parameter in ein Schriftzeichen bzw. ein gebärdenschriftliches Wort integrieren können und dennoch so flexibel sein, dass sich die vielfältigen Kombinationsmöglichkeiten dieser Parameter in der Schrift widerspiegeln.

Während sich einige Gründe für das Fehlen einer DGS-Schrift aus deren Sprachinstrument ergeben, sind andere in dem Kontext zu suchen, in dem die DGS benutzt wird. Im öffentlichen Bereich ist sie entweder nicht zugelassen oder wird von der hörenden Mehrheit nicht verstanden. Daraus folgt, dass die DGS kaum in formellen Situationen genutzt wird bzw. genutzt werden kann, und „ihre Verwendung auf die informelle face-to-face Interaktion unter Gehörlosen beschränkt“ ist (Prillwitz 1988:74, Hervorhebung im Original). Durch Kommunikationsmittel wie Skype und Smartphones mit Videoanruf-Funktion ist schriftliche Kommunikation selbst dann nicht notwendig, wenn sich die Kommunikationspartner an unterschiedlichen Orten befinden. Daraus ergibt sich für Gehörlose die...

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