Show Less
Restricted access

Fenster zur Welt

Interkultureller Film, marginalisierte Jugendliche und Performance-Autoethnographie

Series:

Johann Wendel

Das Projekt Fenster zur Welt erforscht die kulturellen Praxen von marginalisierten Kindern und Jugendlichen in Brasilien, Deutschland und der Türkei, die ihre eigenen Kurzfilme erstellen und ihre Erfahrungen durch Webcam, YouTube und Blogs miteinander teilen. Die Studie stellt diese Prozesse als Performance-Autoethnographie dar, die vor allem das gesprochene Wort, das Interaktive und das Visuelle betont. In einer Perspektive der Cultural Studies und der Performance Studies hinterfragt sie die Hierarchie der an der Forschung Beteiligten und hebt die Stimmen der Kinder und Jugendlichen hervor, die in Forschungsberichten ähnlicher Projekte meist zum Schweigen verurteilt sind. Somit entwickelt die Studie einen kritischen Ansatz zur Entwicklung von Praxisprojekten der digitalen Inklusion für das 21. Jahrhundert.
Show Summary Details
Restricted access

4.2.4 Neugier, Freundschaft, Liebe: Beziehungen mit dem Anderen

Extract

Die Beispiele aus den vorhergehenden Unterpunkten verdeutlichen, dass ein Lernen über den bzw. mit dem Anderen innerhalb des Projekts Fenster zur Welt immer auf Basis einer affektiven Beziehung zum Anderen stattfand. Während die Teilnehmer durch Recherche im Internet wichtige Fakten über den Anderen, seine geographische Lage und den geschichtlichen Hintergrund seines Ortes erlernen konnten, kam es erst durch einen intensiven Kontakt über mehrere Wochen zu einem Lernprozess, der durch die Beziehung zum Anderen vertieft wurde: Die Mädchen aus Fikirtepe, die zu Beginn vor den brasilianischen Kindern Angst hatten, entwickelten bald ein lebhaftes Interesse an diesen Anderen; die Jugendlichen aus São José dos Campos waren so angetan vom Kontakt mit den Jungen aus Berlin, dass sie ein Kochevent organisierten – auch wenn die Berliner aus technischen Gründen an jenem Tag leider nicht online sein konnten. Die Bilder, die in unserer Facebook-Gruppe und in unserem Blog geteilt wurden, deuten zudem an, dass auch die Beziehungen innerhalb der Gruppe, vor allem auch zwischen Kindern und Betreuern, eine wesentliche Grundlage für das Lernen darstellten. In den folgenden Punkten soll nun dieser Aspekt der affektiven Beziehungen näher betrachtet werden.

Beinahe in all unseren Gruppen machten wir die Erfahrung, dass das Interesse der Kinder und Jugendlichen im ersten Moment des Austausches durch die Schönheit bestimmter Teilnehmer bzw. Teilnehmerinnen einer anderen Gruppe geweckt wurde. Dies war bereits bei meiner allerersten Erfahrung im Projekt Fenster zur Welt, beim Austausch zwischen meiner Gruppe aus São Sebastião und einer Gruppe...

You are not authenticated to view the full text of this chapter or article.

This site requires a subscription or purchase to access the full text of books or journals.

Do you have any questions? Contact us.

Or login to access all content.