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Die Amazone

Geschlecht und Herrschaft in deutschsprachigen Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen (1670–1766)

Series:

Jennifer Villarama

Amazonen, die Kriegerinnen aus der antiken Mythologie, sind seit Jahrhunderten Gegenstand der Literatur. Jennifer Villarama untersucht erstmalig vertiefend die Rezeption und literarische Bearbeitung des Amazonen-Stoffes im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit. Sie analysiert, aus welchen Gründen auf bestimmte Amazonen-Mythen zurückgegriffen wurde und wie zeitgenössische Debatten um die weibliche Regierungsfähigkeit oder die Beschreibung ferner Länder die Konzeption der Amazone in der frühneuzeitlichen Hofkultur beeinflusst haben. Das kulturhistorisch und interdisziplinär ausgerichtete Buch zeigt am Beispiel von Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen, wie vielschichtig die Figur der Amazone seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert funktionalisiert wurde.
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1 Einleitung

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1Einleitung

1.1Untersuchungsgegenstand, Fragestellung und Ziele

Im Jahr 1717 ließ Markgräfin Sophie von Brandenburg-Bayreuth (1684-1752) anlässlich des 39. Geburtstags ihres Ehemannes Georg Wilhelm (1678-1726) die deutschsprachige Oper Talestris1 am Bayreuther Hof aufführen. In einer Szene bewundert die Figur des Orontes ein Porträt der Amazonenkönigin Talestris im Hause seines Gastgebers Arasbes. Dieser klärt den unwissenden Prinzen über das Volk der Kriegerinnen auf:

„Ihr Regiment besteht aus lauter Weiber Bildern/Die sich von Jugend auf in Waffen ueben/Sind Feind dem Maennlichen Geschlechte/Beschuetzer= und Erhalterinen ihrer Rechte.Und halten nichts aufs Lieben.Sie fuehren schwere Kriege/Mit großem Glueck und Siege.Doch/ daß sie auch ihr Reich mit Nachdruck unterstuetzen;So lassen sie sich nur ein eintzigmahl des Jahrs im Streit/Mit denen Liebes Schuetzen.Und wann alsdann die ZeitMit einer Tochter sie erfreut;So wird sie bey erreichten Jahren/Dem Kriegs=Heere einverleibt;Allein/ so bald sie nur erfahren/Daß sie ein Knaebelein empfangen/Sobald ist auch ihr eintziges Verlangen/Wie man diß Kind/ nach dems die Welt erblickt/So gleich in seinem Blut und erstem Bad erstickt. […].“2

Diese Beschreibung der kriegerischen, männerfeindlichen, Knaben mordenden Frauen, welche sich nur einmal im Jahr ausschließlich zur Kinderzeugung mit dem männlichen Geschlecht einlassen, gehört zu den wesentlichen ← 11 | 12 → Mythologemen,3 die mit den Amazonen aus antiken Überlieferungen in Verbindung gebracht werden. Dabei ist die durch Mythen4 geprägte Vorstellung von den wehrhaften, als brutal,5 keusch, sexuell anziehend, Männerkleidung tragend,6 androgyn7 und einbrüstig geltenden...

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