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Die Amazone

Geschlecht und Herrschaft in deutschsprachigen Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen (1670–1766)

Series:

Jennifer Villarama

Amazonen, die Kriegerinnen aus der antiken Mythologie, sind seit Jahrhunderten Gegenstand der Literatur. Jennifer Villarama untersucht erstmalig vertiefend die Rezeption und literarische Bearbeitung des Amazonen-Stoffes im deutschsprachigen Raum der Frühen Neuzeit. Sie analysiert, aus welchen Gründen auf bestimmte Amazonen-Mythen zurückgegriffen wurde und wie zeitgenössische Debatten um die weibliche Regierungsfähigkeit oder die Beschreibung ferner Länder die Konzeption der Amazone in der frühneuzeitlichen Hofkultur beeinflusst haben. Das kulturhistorisch und interdisziplinär ausgerichtete Buch zeigt am Beispiel von Romanen, Opernlibretti und Sprechdramen, wie vielschichtig die Figur der Amazone seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert funktionalisiert wurde.
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3 Amazonen im Roman

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3Amazonen im Roman

3.1Zur „nuetzliche[n] lehre und liebe zur tugend“: Der Romandiskurs im 17. Jahrhundert

Da die Frage nach einer zielgerichteten Konzeption und Funktion der Amazonen-Figur nur Sinn ergibt, wenn man sie vor dem Hintergrund des Lesepublikums und vor allem des Zwecks betrachtet, welchen Romane aus Sicht der Zeitgenossen zu erfüllen hatten, soll anhand von ausgewählten romantheoretischen Überlegungen ein kurzer Einblick in den Romandiskurs des 17. Jahrhunderts gegeben werden, um die daran anschließenden Textbeispiele zu kontextualisieren.

Anders als um 1800 hatte der Roman im 17. Jahrhundert noch nicht das Ansehen als literarische Leitgattung einer Epoche. In Prosaform516 verfasst, betrachtete man den Roman als regellos, zudem er sich – im Gegensatz zum Drama – auf keine lange Tradition berufen konnte. Obwohl schon in spätantiken Texten (etwa bei Achilleus Tatios, Longus von Lesbos und vor allem bei Heliodor) Reflexionen über den Roman zu finden sind,517 fehlte eine „gattungspoetologische Legitimation in der klassisch-antiken Literaturtheorie.“518

Dies hatte zur Folge, dass der Roman als Gattung – trotz des bekannten Romans Aithiopica von Heliodor, den schon Julius Caesar Scaliger in seinen Poeticis libri septem (1561) „als Muster epischer Dichtung“519 bezeichnete – „[v]on der Spätantike bis zur Spätrenaissance […] nicht mehr gepflegt [wurde], so dass Mustertexte geringer verbreitet waren.“520

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