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Alltagsrassismus erfahren

Prozesse der Subjektbildung – Potenziale der Transformation

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Astride Velho

Die subjektorientierte Studie befasst sich mit der psychischen Form rassistischer Macht und mit Potenzialen der Transformation. Die Autorin befragte Personen mit Rassismuserfahrungen mittels problemzentrierter biographischer Interviews. Die Analyse verdeutlicht, wie tief alltägliche Rassismuserfahrungen in Selbst- und Weltverhältnisse eingreifen und in welch komplexer Weise Prozesse der Subjektbildung wirksam werden. Sie beleuchtet die Verantwortung des sozialen Umfelds bei Bildungsprozessen, das entweder Dominanzverhältnisse aufrecht erhalten und Diskriminierung fortsetzen oder aber kritische Handlungsfähigkeit und Widerständigkeit stärken kann. Daraus ergeben sich wichtige Impulse für Soziale Arbeit, Pädagogik und Psychologie.
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Einleitung

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Diese Studie fragt nach der Wirkung der durchdringenden Macht des Rassismus, die oft dadurch beschrieben wird, dass diejenigen, welche diese Erfahrungen an den eigenen Körpern und Seelen machen, die rassifizierten Anderen, sich selbst als solche Andere wahrnehmen und empfinden (vgl. Hall 1994: 20 ff.). Rassismus ist auch innerhalb der dominierten Subjekte wirksam (ebd.). Diese können im Kontext von Alltagsrassismus dazu gebracht werden, sich selbst als die Minderwertigen zu erfahren (ebd.). Dabei will diese Studie aber nicht stehenbleiben. So wird danach gefragt, wie Subjekte unter diesen Bedingungen Handlungsfähigkeit und Widerständigkeit herstellen können und Prozesse der Transformation begünstigt werden. Welche Prozesse der Subjektbildung und Potenziale der Transformation können im Zusammenhang mit Rassismuserfahrungen beschränkt oder möglich werden?

Rassismuserfahrungen machen krank. Sie marginalisieren und belasten Menschen auch gesundheitlich, was sich auf ihre Befindlichkeit, Subjektivität und Handlungsmöglichkeiten auswirkt (vgl. Velho 2011; Mecheril & Velho 2013). In manch anderen westlichen Staaten gibt es eine rege und jahrzehntelange Forschungstätigkeit zu den seelischen und körperlichen Auswirkungen von Rassismuserfahrungen. In der Bundesrepublik wird das Thema Diskriminierungs- und Rassismuserfahrung aber häufig ausgeblendet. Vorwiegend wird über die Auswirkungen von Migration und kulturellen Differenzen, beispielsweise auf die Gesundheit oder Kommunikation, geforscht und interkulturelle Konzepte für die berufliche Praxis werden entwickelt. Diese gehen selten auf die diskriminierende Lebensrealität ein und versäumen häufig, die Dimensionen gesellschaftlicher Machtverhältnisse zu berücksichtigen, in denen Begegnungen, die als interkulturell verstanden werden, stattfinden.

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