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Krieg und Frieden

Kulturelle Deutungsmuster

Series:

Samuel Salzborn and Holger Zapf

Thema des Buches ist der Zusammenhang von Krieg und Frieden, zwei Schlüsselbegriffen der Politikwissenschaft. In ihrer reflexiven Bezugnahme sind sie kaum voneinander zu trennen, da die Präsenz des einen die Abwesenheit des anderen bedingt. Was wird in unterschiedlichen kulturellen Kontexten als Krieg und was als Frieden angesehen? Inwiefern fungieren beide Begriffe damit auch als politische Kampfbegriffe? Dies bedarf nach Ansicht der Autor(inn)en einer Analyse differenter und konkurrierender Vorstellungen von Krieg und Frieden. Ihre Erforschung der Verwobenheit von Kultur mit (Ideen von) Krieg und Frieden eröffnet eine wichtige Forschungsperspektive, da sie es ermöglicht, handlungsleitende Sinnbezüge herauszuarbeiten.
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Die Erfindung des wahren Krieges Die Geburt des modernen Bellizismus aus der Krise der Aufklärung

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Die Französische Revolution (1789) gilt der Geschichtswissenschaft und Politischen Theorie als einer der möglichen Anfangspunkte der Moderne. Reinhard Koselleck hat für die politischen, militärischen und philosophischen Umbrüche, welche auf diese Zeitenwende folgten, den einflussreichen Begriff der „Sattelzeit“ (Koselleck 1972: 14 f.) geprägt. Unbestrittener Zäsurcharakter kommt ihr im Bereich der Kriegs- und Militärgeschichte zu. Der nationale Volkskrieg, die Wehrpflicht und eine erste Ahnung der Bedeutung eines totalen Krieges, allesamt grundlegende Merkmale der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts, sind Phänomene, welche verdichtet erstmals die auf die Revolution folgenden „Französische[n] Kriege“ (Förster 1994: 19) begleitet haben. Im „Weltkrieg“ 1792–1815 (Förster 1994: 31) nahm also eine Entwicklung ihren Anfang, welche die Kriegführung, ihren Zusammenhang mit Politik und damit das moderne Kriegsverständnis maßgeblich umformte.

Johannes Kunisch und Herfried Münkler haben aus dieser Beobachtung heraus die „Wiedergeburt des Krieges aus dem Geist der Revolution“ im „bellizistischen Diskurs des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts“ proklamiert (so der Titel ihres gemeinsam herausgegebenen Sammelbandes 1999). Uneingeschränkt ließen sie diese Feststellung allerdings nicht stehen. Die Kriegsverherrlichung, welche als moderner Bellizismus (lat. bellum – der Krieg) im politisch-militärischen Diskurs der Französischen Kriege – in Deutschland insbesondere im Rahmen der Befreiungskriege 1812–1815 – aufkam, knüpfte vielfach an Gedanken und Fragen an, über die bereits das ganze 18. Jahrhundert in der europäischen Öffentlichkeit gestritten wurde (vgl. Kunisch/Münkler 1999, V f.; Janssen 1980: 592–596). Wohlweislich...

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