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Eine Wiederbegegnung im neuseeländischen Exil

Der Briefwechsel von Karl Wolfskehl mit Otti und Paul Binswanger (1939-1948)

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Edited By Friedrich Voit

In den Korrespondenzen Karl Wolfskehls aus den Jahren seines neuseeländischen Exils, die er mit über den Globus verstreuten Freunden und Bekannten geführt hat, erscheint der antipodische Inselstaat als exemplarisches Exilland der Zeit, als europaferne «Ultima Thule des Südens». Im Gegensatz dazu gibt Wolfskehls Briefwechsel mit Otti und Paul Binswanger einen nicht stilisierten Einblick in das äußere wie innere Leben des gemeinsam geteilten Exils am anderen Ende der Welt, wo man freilich über 1000 km voneinander getrennt lebte: der Dichter in Auckland und der Gelehrte mit seiner künstlerisch wie schriftstellerisch begabten Frau in Christchurch auf der Südinsel. Diese Briefe sind ein bewegendes Zeugnis der Freundschaft und des wechselseitigen Zuspruchs in schwierigen Zeiten.
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erstmals veröffentlicht.

Die beiden Briefe von den Antipoden schrieb Otti Binswanger im Jahre 1947, also wenige Monate vor ihre Rückkehr nach Europa. Die Briefe sind an Freunde dort gerichtet und möchten diesen erklären, warum sie das unzerstörte Exilland, in dem sie doch so vieles hat, was den Freunden in der zerstörten Heimat fehlt und weshalb es sie so sehr drängt, dorthin zurückzukehren. Der erste Brief richtet den Blick auf Neuseeland, das ihr trotz allem Bemühen, sich dort zu integrieren, fremd geblieben ist. Die selbstzufriedene und dabei das Lebens in diesem europafernen Land überreglementierende Gleichförmigkeit, die sie nur noch als kaum erträglichen Zwang empfindet, der keinen Raum für Anderes und Überdurchschnittliches erlaubt, hat sie erkennen lassen, dass es für sie keine „Zukunft in diesem Paradies“ geben kann. Im zweiten Brief dann begründet sie ihr Verlangen sich am Wiederaufbau Europas zu beteiligen. Dieser könne nur in Europa und von Europäern selbst im Bewusstsein ihrer Geschichte und ihrer Verantwortung für europäische und menschliche Kultur geleistet werden. Dieses Verantwortungsgefühl sei den früheren aus Europa nach Neuseeland Ausgewanderten nach wenigen Generationen im neuen Land verloren gegangen, existiere allenfalls als „krampfhafte[s] Festhalten von Traditionen und Gebräuchen“, trage aber nicht mehr zur „Weiterentwicklung der Menschen als Europäer“ bei.

An einem Frühjahrsmorgen fahre ich mit dem Zweirad durch die Außenbezirke einer Neuseeländer Stadt von einem Wohnteil in den...

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