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Steueraggressivität börsennotierter und nichtbörsennotierter Unternehmen in Deutschland

Eine theoretische und empirische Analyse

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Theresa Weiß

Das Bestehen einer Steuerpflicht löst stets auch Bestrebungen aus, dieser zu entgehen. Entsprechende Verhaltensmuster großer, international agierender und häufig börsennotierter Unternehmen sind Gegenstand einer öffentlichen Debatte jüngerer Zeit. Die empirische Forschung befasst sich schon seit längerem mit dem Phänomen eines solchen Verhaltens, wobei speziell die deutsche Forschungsliteratur diesbezügliche Defizite aufweist. Diese Arbeit widmet sich der systematischen Aufarbeitung dieses Phänomens und diskutiert, inwiefern Unterschiede zwischen Unternehmen bestehen. Hierbei wird insbesondere die Frage erörtert, ob – in Deutschland – börsennotierte und nichtbörsennotierte Unternehmen unterschiedlich stark steueraggressiv agieren. Die Arbeit liefert hierzu erste empirische Befunde.
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4 Determinanten der Steueraggressivität börsennotierter gegenüber nichtbörsennotierter Unternehmen

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Zunächst ist der Begriff der Börsennotierung von demjenigen der Kapitalmarktorientierung abzugrenzen. § 264d HGB definiert eine kapitalmarktorientierte Kapitalgesellschaft dahingehend, dass sie einen organisierten Markt i.S.d. § 2 Abs. 5 Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) durch von ihr ausgegebene Wertpapiere i.S.d. § 2 Abs. 1 Satz 1 WpHG wie Aktien oder Schuldtitel in Anspruch nimmt oder die Zulassung zum Handel beantragt hat. Während der Begriff der Kapitalmarktorientierung damit sowohl den Handel von Eigenkapital- als auch Fremdkapitaltiteln beinhaltet, zielt der Begriff der Börsennotierung i.S.d. Aktiengesetzes (AktG) ausschließlich auf Eigenkapitaltitel ab, indem all jene Gesellschaften als börsennotiert gelten, deren Aktien auf einem von staatlich anerkannten Stellen geregelten und überwachten Markt zugelassen sind, der regelmäßig stattfindet und für das Publikum mittelbar oder unmittelbar zugänglich ist.873 Der englische Begriff der public firm, einer „öffentlichen Gesellschaft“, wird üblicherweise mehr im Sinne einer Kapitalmarktorientierung verwendet, indem diese beispielsweise von Beatty/Harris (1998) definiert werden als diejenigen Unternehmen, „whose stock or debt is traded on any regional or national exchange, or which could be so traded.“874 Da jedoch hierzulande typische Fremdkapitalinstrumente wie Anleihen875 oder Genussscheine876 bei mangelnder Börsennotierung aufgrund des ← 185 | 186 → infolgedessen niedrigeren Bekanntheitsgrades schwieriger platziert werden können, werden diese deutlich seltener von nichtbörsennotierten Unternehmen emittiert.877 Insofern dürfte ein gewisser Deckungsgrad zwischen börsennotierten und kapitalmarktorientierten Unternehmen bestehen. Bei strenger Betrachtung ist jedoch die Kapitalmarktorientierung nach deutschem Recht schon im Moment der Antragstellung zu bejahen und mit entsprechenden Regulierungskonsequenzen versehen, während die Eigenschaft der Börsennotierung erst mit erfolgter...

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