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Wissen

Wissenskulturen und die Kontextualität des Wissens

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Edited By Hans Jörg Sandkühler

Wissenskultur ist ein über wissenshistorische und wissenssoziologische Untersuchungen hinaus auch in philosophisch-epistemologischen Theorien verwendeter Begriff. Er bezeichnet, dass das menschliche Erkennen und Wissen in Kontexte komplexer kultureller – epistemischer und praktisch-sozialer – Netzwerke eingebunden ist. Er gehört zum Lexikon des Kontextualismus. Der Begriff bezieht sich in erster Linie auf die Entstehung von Wissen, hat aber auch Konsequenzen hinsichtlich der Geltung von Wissen. Die Problemstellung einer Epistemologie, die Wissenskulturen systematisch berücksichtigt, lautet nicht, wie das menschliche Erkennen und Wissen eine substanziell verstandene Realität nach dem Maß der Dinge abbildet, sondern wie im Pluralismus von Wissensordnungen, epistemischen Konstellationen bzw. Wissenskulturen phänomenale Wirklichkeiten nach Menschenmaß entstehen.
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Wissenskulturen und epistemische Praktiken

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1.

Was immer man unter einer Wissenskultur genauer verstehen mag – Wissenskulturen haben in jedem Fall etwas mit Wissen zu tun. Nicht jede beliebige Meinung ist bereits Wissen. Eine verbreitete Definition von Wissen (ursprünglich von Platon vorgeschlagen) ist, dass Wissen wahre gerechtfertigte Meinung ist.2 Aber in historischen Untersuchungen zu sehr verschiedenen sozialen Feldern würde eine vorgegebene Wissensdefinition viel zu restriktiv sein. Dies gilt selbst dann, wenn die Rechtfertigungsbedingung der traditionellen Wissensdefinition historisch kontextualisiert wird, wie dies neuerdings von epistemologischen Kontextualisten vorgeschlagen wird.3 Was wir allerdings fordern müssen, wenn wir historisch auf Wissenskulturen zugreifen wollen, ist, dass wir historisch nachweisen und belegen können, dass die von uns untersuchten Gruppen oder Gesellschaften selbst einen Unterschied zwischen Meinung und Wissen gemacht haben – mit welchen Kriterien und wie rudimentär auch immer. Es muss sich dabei keineswegs nur um epistemologische oder methodologische Kriterien im modernen wissenschaftstheoretischen Sinne handeln. Auch eine soziale Auszeichnung von Personen, die epistemische Autorität verleiht, könnte beispielsweise dazugehören (Wissen ist dann die Meinung der Personen mit epistemischer Autorität).

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