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Wissen

Wissenskulturen und die Kontextualität des Wissens

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Hans Jörg Sandkühler

Wissenskultur ist ein über wissenshistorische und wissenssoziologische Untersuchungen hinaus auch in philosophisch-epistemologischen Theorien verwendeter Begriff. Er bezeichnet, dass das menschliche Erkennen und Wissen in Kontexte komplexer kultureller – epistemischer und praktisch-sozialer – Netzwerke eingebunden ist. Er gehört zum Lexikon des Kontextualismus. Der Begriff bezieht sich in erster Linie auf die Entstehung von Wissen, hat aber auch Konsequenzen hinsichtlich der Geltung von Wissen. Die Problemstellung einer Epistemologie, die Wissenskulturen systematisch berücksichtigt, lautet nicht, wie das menschliche Erkennen und Wissen eine substanziell verstandene Realität nach dem Maß der Dinge abbildet, sondern wie im Pluralismus von Wissensordnungen, epistemischen Konstellationen bzw. Wissenskulturen phänomenale Wirklichkeiten nach Menschenmaß entstehen.
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Vorbemerkung

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›Wissenskultur‹ ist ein seit den späten 1990er Jahren über wissenshistorische und wissenssoziologische Untersuchungen hinaus auch in philosophisch-epistemologischen Theorien verwendeter Begriff. Er bezeichnet, dass das menschliche Erkennen und Wissen in Kontexte komplexer kultureller – epistemischer und praktisch-sozialer – Netzwerke eingebunden ist. Er gehört zum Lexikon des Kontextualismus. Der Begriff bezieht sich in erster Linie auf die Genesis von Wissen, hat aber auch Konsequenzen hinsichtlich der Geltung von Wissen. Die Problemstellung einer Epistemologie, die Wissenskulturen systematisch berücksichtigt, lautet nicht, wie das menschliche Erkennen und Wissen eine substanziell verstandene ›Realität‹ nach dem Maß der Dinge abbildet, sondern wie im Pluralismus von Wissensordnungen, epistemischen Konstellationen bzw. Wissenskulturen phänomenale Wirklichkeiten nach Menschenmaß entstehen.

Die mit dem Begriff ›Wissenskulturen‹ verbundene erkenntnis- und wissenstheoretische Konzeption ist eine Antwort auf die nicht allein für Philosophie, Wissenschaften und Künste, sondern auch für die Alltagsorientierung zentrale Frage, ob das Erkennen und Wissen einen direkten Zugang zu einer objektiven, d.h. von menschlichen Bewusstseinsleistungen unabhängigen Realität hat, d.h. auf die unter dem Namen ›Realismusproblem‹ firmierende Problematik.

Spätestens seit Kant hat die moderne Kritik der Möglichkeitsbedingungen von Wissen zu der Einsicht geführt, dass Aussagen keine Kopien des zu Erkennenden sind, sondern mit Voraussetzungen geladene Artefakte: geladen mit epistemischkulturellen und praktischen Voraussetzungen, epistemischen und praktischen Bedürfnissen und Interessen sowie mit propositionalen Einstellungen des Meinens, Glaubens und Überzeugtseins, des Wünschens und Befürchtens.

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