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Multimodale Kommunikation im Social Web

Forschungsansätze und Analysen zu Text–Bild-Relationen

Series:

Christina Margrit Siever

Multimodalität ist ein typisches Merkmal der Kommunikation im Social Web. Der Fokus dieses Bandes liegt auf der Kommunikation in Foto-Communitys, insbesondere auf den beiden kommunikativen Praktiken des Social Taggings und des Verfassens von Notizen innerhalb von Bildern. Bei den Tags stehen semantische Text-Bild-Relationen im Vordergrund: Tags dienen der Wissensrepräsentation, eine adäquate Versprachlichung der Bilder ist folglich unabdingbar. Notizen-Bild-Relationen sind aus pragmatischer Perspektive von Interesse: Die Informationen eines Kommunikats werden komplementär auf Text und Bild verteilt, was sich in verschiedenen sprachlichen Phänomenen niederschlägt. Ein diachroner Vergleich mit der Postkartenkommunikation sowie ein Exkurs zur Kommunikation mit Emojis runden das Buch ab.
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6 Private und öffentliche Kommunikation im Social Web

6  Private und öffentliche Kommunikation im Social Web

Im Kapitel 3.2 wurden öffentliche oder teilöffentliche Profile als konstitutives Merkmal von Social-Networking- und Social-Sharing-Communitys genannt. Diese beiden Arten von Communitys wiederum lassen sich in Business- und Fun-Communitys301 einteilen, in denen nicht-private bzw. private Kommunikation stattfindet. Sowohl der Grad der Privatheit als auch die Zugänglichkeit der Kommunikation sind Faktoren, die für die sprachliche Realisierung eine Rolle spielen.

In diesem Kapitel soll in einem ersten Schritt eine Begriffsbestimmung vorgenommen werden. Danach wird erörtert, aus welchen Gründen Menschen dazu bereit sind, Privates öffentlich zugänglich zu machen, bzw. weshalb Privates auch gerne rezipiert wird. In einem weiteren Schritt geht es dann um die Veröffentlichung privater Inhalte; dies einerseits aus einer medienhistorischen Perspektive, andererseits im Hinblick auf aktuelle Tendenzen im Social Web. Hinsichtlich der Kommunikation in Foto-Communitys ist auch die Veröffentlichung von Privatem durch Bilder von eminenter Bedeutung, worauf im letzten Teilkapitel eingegangen wird.

6.1  Zugänglichkeit und Kommunikationsinhalt

Die Ausdrücke öffentlich und privat werden häufig gebraucht und selten klar definiert. So bestimmen beispielsweise Bentele et al. (2003: 7) öffentliche Kommunikation tautologisch als »Kommunikationsprozesse und -strukturen, die öffentlich stattfinden und häufig – aber nicht zwingend – durch Massenmedien vermittelt sind.« Problematisch ist zudem, dass die beiden Wörter im allgemeinen Sprachgebrauch verschiedene Bedeutungen haben können, die dann auch für wissenschaftliche Arbeiten verwendet werden. Unter öffentlich findet man im Duden-Bedeutungswörterbuch (2005a) die zwei Hauptbedeutungen »für die Allgemeinheit zugänglich« und »die Allgemeinheit betreffend«; unter privat kann man die Bedeutungen »nur für die betreffende[n] Person[en] bestimmt« und ← 215 | 216 → »nur die eigene Person betreffend« finden. Es geht also darum, welche Inhalte für die Allgemeinheit oder nur für bestimmte Personen zugänglich sind und welche Inhalte bestimmte Personen betreffen oder nicht, d. h. für diese Personen relevant sind. So ist es nicht verwunderlich, dass die Wörter privat und öffentlich oftmals als Antonyme verstanden werden, beispielsweise bei Thaler (2007: 163–164), wo Privatheit und Öffentlichkeit in der oben genannten Bedeutung von Zugänglichkeit, bestimmt durch die Anzahl der Rezipierenden, verwendet werden. Genauso wird öffentlich und privat aber oftmals auch in der Bedeutung »die Allgemeinheit/nur die eigene Person betreffend« gebraucht: »Weitgehend unkontrolliert werden im Web 2.0 private Informationen verbreitet […] und dabei teilweise intime Einblicke in persönliche Themenbereiche gewährt« (Reinecke, Trepte 2008: 206). Eine elegante Lösung für das skizzierte Problem der Mehrdeutigkeit von privat und öffentlich sowie deren unterschiedlichen Verwendung hat Dürscheid gefunden.302 Sie schlägt vor, »die Kategorien ›öffentlich‹, ›teilöffentlich‹ und ›nicht-öffentlich‹ […] auf den Grad der Zugänglichkeit303 zu einem Kommunikationsraum [zu beziehen], die Kategorie ›privat‹ auf den Kommunikationsinhalt und die soziale Beziehung der Kommunikationspartner« (Dürscheid 2007: 30). Das Begriffspaar öffentlich/nicht-öffentlich stellt demnach keine Dichotomie dar, sondern es handelt sich um zwei Enden einer Skala, denn es existiert auch Kommunikation, die teilöffentlich (vgl. ebd.: 29) stattfindet.

Landert und Jucker (2011: 1425) greifen in ihrem Aufsatz die Terminologie von Dürscheid auf und betonen, dass in ihrem Modell neben der Dimension der Zugänglichkeit und des Kommunikationsinhalts auch die sprachliche Realisierung eine wichtige Rolle spielt. Es muss allerdings hervorgehoben werden, dass bereits Dürscheid (2007) auf den Zusammenhang zwischen diesen verschiedenen Ebenen hingewiesen hat, wenn auch nicht so explizit, wie dies Landert und Jucker (2011) tun. So geht Dürscheid beispielsweise davon aus, dass im prototypischen Fall eher ein informeller Sprachgebrauch zu erwarten ist, wenn private Kommunikationsinhalte ausgetauscht werden (vgl. Dürscheid 2007: 38). Sie konstatiert, dass eine Tendenz der Informalisierung bestehe, d. h. eine »Bevorzugung nähesprachlicher Ausdrucksmittel in Kontexten, in denen aufgrund der Kommunikationsbedingungen (Öffentlichkeit der Kommunikation, Fremdheit ← 216 | 217 → der Kommunikationspartner) distanzsprachliche Ausdrucksmittel zu erwarten wären« (ebd.: 22).

Der Grad der Zugänglichkeit sowie die Kommunikationsinhalte sind Dimensionen, welche die sprachliche Realisierung beeinflussen können, aber nicht zwingend müssen. Als Beispiel kann die Sprachökonomie genannt werden: Ein entscheidender Faktor für den Anstieg von Kurzformen ist neben dem Grad der Privatheit auch die Kommunikationsgeschwindigkeit (vgl. Siever 2006: 87).

Während einst öffentliche Kommunikation nicht-private Themen zum Gegenstand hatte und nicht-öffentliche Kommunikation private, ist in den letzten Jahrzehnten im Fernsehen und Rundfunk sowie insbesondere im WWW immer mehr Kommunikation anzutreffen, die zwar in der Öffentlichkeit stattfindet, jedoch private Themen zum Gegenstand hat. Veröffentlichte Privatheit kann demnach definiert werden als »die kommunikative Übertragung privater Themen in den Bereich der massenmedialen Öffentlichkeit ungeachtet ihrer öffentlichen Relevanz« (Pscheida, Trültzsch 2009: 247).304

Nun schließt sich daran die Frage an, welche Kommunikationsinhalte als privat zu klassifizieren sind. Landert und Jucker (2011: 1427) schlagen vor, die Anzahl der Personen, die von den Inhalten betroffen sind oder sein könnten, als Ausgangspunkt zu nehmen. Auch Schmidt (2009b: 40) führt neben dem Aspekt der Zugänglichkeit und des Kommunikationsinhalts den Faktor der Relevanz an und zwischen Inhalten, die »für Teilgruppen relevant« und »universell relevant« sind. Wie diese Faktoren operationalisiert und aufeinander bezogen werden könnten, müsste für eine konkrete Analyse allerdings noch herausgearbeitet werden. Als nicht universell relevant könnten beispielsweise personenbezogene und somit private Daten deklariert werden, die auf eine bestimmte Person referieren (vgl. Kuhlen 2004: 184), welche jedoch nicht von öffentlichem Interesse ist. Solche Daten sind zum Beispiel das Alter, der Wohnort, die Ausbildung und der Beruf, Einkommens- und Vermögensverhältnisse, der Gesundheitszustand, das Familienleben, das Sexualverhalten, das Freizeitverhalten, Mitgliedschaften oder Weltanschauungen (vgl. Branahl 1998: 182).305 Personenbezogene Daten von Personen ← 217 | 218 → des öffentlichen Interesses hingegen können unter Umständen durchaus relevant sein für die Allgemeinheit. Bis zu den 1970er-Jahren war im prototypischen Fall die nicht-öffentliche Kommunikation gekennzeichnet durch private Kommunikationsinhalte in nähesprachlicher Realisierung und die öffentliche Kommunikation durch nicht-private Inhalte in distanzsprachlicher Realisierung (vgl. Dürscheid 2007: 31). Die beiden erörterten Tendenzen zur Informalisierung sowie zur Veröffentlichung von privaten Kommunikationsinhalten entsprechen nicht mehr den genannten prototypischen Fällen der Kommunikation. Bevor die genannte Tendenz zur Veröffentlichung privater Daten im Kapitel 6.3 medienhistorisch beleuchtet wird, soll im folgenden Teilkapitel dargestellt werden, aus welchen Motivlagen heraus Menschen überhaupt Privates publizieren und rezipieren.

6.2  Gründe für die Veröffentlichung von Privatem und dessen Rezeption

Verschiedene Fernseh- und Radiosendungen sowie Zeitungsrubriken, in denen Privates veröffentlicht werden kann, erfreuen sich großer Beliebtheit. Die Popularität solcher Formate beruht auf zwei Komponenten: einerseits dem Interesse an der Veröffentlichung des eigenen Privatlebens, andererseits auch dem Bedürfnis nach der Rezeption von Privatem. Die Medieninstitutionen profitieren davon: »Noch nie wurde das grundsätzliche Interesse am Privatleben anderer sowie der Wunsch von Alltagsmenschen, sich in ihrem privaten Dasein zu exponieren, von den Medien in einem solchen Ausmaß erfüllt, wie wir es derzeit beobachten können« (Hermanns et al. 2002: 565). Hierbei stellt sich eine Henne-Ei-Frage: Veröffentlichen Menschen Privates, weil ihnen die Medieninstitutionen Möglichkeiten dazu bieten, oder wird durch entsprechende Formate der Wunsch nach dem Veröffentlichen von privaten Inhalten geweckt oder gesteigert? Es muss in diesem Punkt davon ausgegangen werden, dass die beiden Elemente wechselseitig Ursache und Wirkung darstellen.

Doch was treibt Menschen zur Produktion und Rezeption von privaten Inhalten an? Die Rolle der Rezipierenden wird sowohl positiv als auch negativ bewertet: So stellen die Rezipierenden das Publikum dar, welches diejenigen benötigen, die Privates veröffentlichen. Geht man davon aus, dass die in der Öffentlichkeit präsentierten privaten Inhalte nicht unbedingt authentisch sein müssen, sondern auch inszeniert sein können, kann man das Publizieren und Rezipieren von Privatem sogar mit einer Theateraufführung vergleichen, welche überhaupt erst in der ← 218 | 219 → Interaktion von Akteuren und Publikum entsteht (vgl. Buss 2009: 43). Im Zusammenhang mit den digitalen Medien spricht man von Lurkern, die als Publikum »für die Popularität eines Sozialraumes bedeutsam« (Stegbauer, Rausch 2001: 62) sind. Trotz dieser Relevanz wird den Rezipierenden Voyeurismus vorgeworfen. Konkret bedeutet dies, dass sie einerseits selbst keine privaten Daten veröffentlichen, andererseits der Privatsphäre anderer keinen großen Wert zuschreiben (vgl. Schmidt 2009a: 119). Doch Voyeurismus wird erst möglich durch einen gewissen Exhibitionismus. 306 Es handelt sich beim Veröffentlichen von Privatem um »Neugier und Lust auf Sensationen beim Publikum in Kombination mit einem Hang zu Exhibitionismus und Selbstdarstellung bei den in den Medien professionell und unprofessionell Agierenden« (Branahl 1998: 190). Weniger harmlos sind im Vergleich zu Lurkern Stalker, die private Informationen ausspionieren (vgl. Ebersbach et al. 2011: 115) und allenfalls missbräuchlich verwenden, beispielsweise zu Mobbing-Zwecken. Schließlich nennen Hermanns et al. (2002: 580) als ein essenzielles Motiv für die Rezeption privater Inhalte den Gesprächsstoff, den ebendiese liefern.

Wie sieht es nun auf Seite der Produzierenden mit der Motivlage aus? Welche Gründe können einen Menschen dazu bewegen, Privates über sich selbst zu veröffentlichen? Zunächst einmal ist zu unterscheiden, ob anonym publiziert wird oder nicht, wobei von einer Korrelation zwischen Anonymität und der Freizügigkeit mit privaten Daten auszugehen ist. Diese Wechselbeziehung kann darauf zurückgeführt werden, dass Anonymität soziale Ängste und Hemmungen reduziert (vgl. Konert, Hermanns 2002: 419). Es erschließen sich somit demjenigen, der private Informationen veröffentlicht, »Erfahrungsräume, die außerhalb der Reichweite seiner unmittelbaren Interaktionsbeziehungen liegen« (Weiß 2002c: 68). Gerade im Internet können Menschen anonym und somit ohne große Risiken über Dinge kommunizieren, die im persönlichen sozialen Umfeld nicht ohne Konsequenzen angesprochen werden könnten (vgl. Konert, Hermanns 2002: 465), oder Verhaltensweisen erproben, die offline nicht möglich wären (vgl. Beißwenger 2002c: 94). Wenn im persönlichen Umfeld kein Interesse an den privaten Angelegenheiten ← 219 | 220 → einer Person gezeigt wird, so kann ihr durch die Präsentation in der Öffentlichkeit dort die fehlende Anerkennung zuteilwerden (vgl. Keppler 1998: 162; Schanne, Kiener 1998: 97). Allein die Möglichkeit, von anderen Menschen wahrgenommen und beachtet zu werden, kann die eigene Identität aufwerten: »Die Selbstdarsteller imaginieren sich ihre Beachtung, nachdem sie sich wahrnehmbar gemacht haben« (Weiß 2002b: 546).

Gewünschte Aufmerksamkeit, ob imaginiert oder real, ist also ein wichtiger Beweggrund für das öffentliche Präsentieren von privaten Inhalten (vgl. Hermanns et al. 2002: 580). Im besten Fall erhalten diejenigen, die Privates veröffentlichen, von anderen Menschen (positive) Rückmeldungen; so auch beispielsweise in Ratgebersendungen, in denen sich die Beteiligten Ratschläge im Hinblick auf eine spezifische Situation wünschen (vgl. Wulff 1998: 68). Andere wiederum möchten selber in die Rolle der Ratgeber schlüpfen und ihre persönlichen Erfahrungen einer breiteren Öffentlichkeit weitergeben; manche möchten ganz allgemein auch öffentlich ihre Meinung kundtun oder durch das Preisgeben ihrer Vorlieben Menschen mit ähnlichen Interessen finden. Nicht zuletzt können für das Publizieren von Privatem auch Gründe angeführt werden wie mediale Bekanntheit oder Erfahrungszugewinn (vgl. Hermanns et al. 2002: 587).

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass bei den verschiedenen Beweggründen, die Menschen dazu animieren, Privates zu veröffentlichen, stets ein Nutzen für sie vorhanden sein muss; es wird also abgewogen, wie groß die Risiken für negative Folgen durch die Preisgabe sind und wie groß die Belohnung durch die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit ist (vgl. Groebel 2002: 508).

An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass nicht nur private Informationen über sich selbst, sondern auch über andere veröffentlicht werden können, was eine Verletzung der Privatsphäre bedeutet: »Über privacy wird ein Raum, eine Privatsphäre, reklamiert, den jeder Mensch für sich definiert und über den er entsprechend verfügen kann und gegen dessen Verletzung er sich wehren kann – sei es, dass in diesen Raum eingedrungen wird oder dass aus diesem Raum ohne Einwilligung etwas entfernt bzw. nach außen getragen wird« (Kuhlen 2004: 178, Herv. entfernt).

Die Konzepte der Privatsphäre oder der privacy sind im 19. Jahrhundert entstanden; im folgenden Kapitel wird ein medienhistorischer Überblick hierzu gegeben. Im Anschluss daran wird der Frage nachgegangen, ob und inwiefern die Konzepte von Privatheit auch in Zeiten des Social Webs noch aktuell sind oder sein können. ← 220 | 221 →

6.3  Veröffentlichung von Privatem: medienhistorische Einbettung

Privatheit307 kann als soziales Konstrukt (vgl. Weiß 2002c: 30) oder kulturelles Konzept (vgl. Landert, Jucker 2011: 1433) bezeichnet werden. Solche Konstrukte bzw. Konzepte wie dasjenige der Privatheit können sich über die Zeiten hinweg verändern. In diesem Kapitel wird aufgezeigt, dass Veränderungen der Konstrukte Öffentlichkeit und Privatheit nicht erst in Zeiten des Internets oder des Social Webs, sondern bereits vor dem Zeitalter der digitalen Medien auszumachen sind.

Was wir heute als privat auffassen, »geht historisch auf den kulturellen Höhepunkt des Bürgertums im 19. Jahrhundert zurück« (Jung, Müller-Doohm 1998: 141). Im 19. Jahrhundert wurde unter privat das sogenannte right to be let alone verstanden, d. h. ein Recht auf Privatheit »zur Abwehr von die Persönlichkeit verletzenden indiskreten Publikationen der Medien« (Kuhlen 2004: 182). Das Konzept der Privatheit ist folglich zu einer Zeit entstanden, in der mit der Zeitung als einzigem Massenmedium die Medienlandschaft ganz anders ausgesehen hat als heute. Es stellt sich somit die Frage, inwiefern dieses Konzept heute noch Gültigkeit haben kann oder sollte. Wie bereits im vorangegangenen Kapitel angedeutet, kann gegenwärtig eine Tendenz zur Veröffentlichung von privaten Kommunikationsinhalten festgestellt werden. Dies bedeutet, dass Inhalte, die nur wenige betreffen, vielen zugänglich gemacht werden. Es handelt sich dabei um sekundäre Intimität, das bedeutet, »dass Themen, die in unserem Kulturkreis als privat gelten, in die Öffentlichkeit getragen werden, dass also das Private den Raum der nicht-öffentlichen Kommunikation verlässt« (Dürscheid 2007: 31).308

Einst waren es größtenteils private Informationen über Personen des öffentlichen Lebens, denen öffentliche Aufmerksamkeit zukam. In den letzten 40 Jahren hat diesbezüglich ein Wandel stattgefunden und es gelangen zunehmend private Inhalte von nicht prominenten Persönlichkeiten an die Öffentlichkeit. Dass immer mehr Personen bereit sind, mit intimen, d. h. im oben definierten Sinne privaten Themen an die Öffentlichkeit zu gehen, machen sich die Medieninstitutionen zunutze (vgl. Hermanns et al. 2002: 565; Weiß 2002a: 23). Wenn allerdings immer häufiger als bisher private Themen öffentlich verhandelt werden, muss gefragt ← 221 | 222 → werden, ob noch immer dieselben Inhalte wie früher als privat aufgefasst werden können oder ob es sich dabei um andere Inhalte handelt. So stellt beispielsweise Weiß (2002c: 82) fest, dass durch die Mediatisierung und Inszenierung von Privatem sich die Praxis der Grenzziehung verändert.

Die Tendenz, private Inhalte zu veröffentlichen, hat zwar durch das Social Web eine weitere Dimension erfahren, doch hat sie bereits einige Jahrzehnte davor schon bestanden. Seit den 1970er-Jahren ist eine große Zahl an Talkshows im Fernsehen und Call-In-Shows im Radio und Fernsehen (vgl. Imhof, Schulz 1998b: 13) in verschiedensten Formen entstanden, in denen jeweils Privates öffentlich diskutiert wird (vgl. Wulff 1998: 71). Dass dem Publikum so viele private Inhalte präsentiert werden, gehört heute zu einer weit verbreiteten Unterhaltungskultur (vgl. Jung, Müller-Doohm 1998: 136): Das Veröffentlichen und Rezipieren von Privatem ist zu einer beliebten Freizeitaktivität geworden. Im Social Web stehen allen Nutzerinnen und Nutzern diverse Möglichkeiten offen, Privates zu veröffentlichen, wobei natürlich dahingestellt bleibt, ob diesen Inhalten dann auch Aufmerksamkeit zukommt, sprich, ob sie auch rezipiert werden. Um hingegen im Fernsehen, im Radio oder in der Zeitung Privates über sich preisgeben zu können, müssen gewisse Hürden passiert werden. Der Grund dafür besteht darin, dass im Gegensatz zum Internet in der Presse, im Rundfunk und im Fernsehen nur beschränkte Speicher- und Verbreitungskapazitäten vorhanden sind, so dass professionelle Gatekeeper darüber entscheiden, welche (privaten) Inhalte an die Öffentlichkeit gelangen (vgl. Neuberger 2011: 66). So gibt es neben einer generellen Zensur von bestimmten Inhalten auch Auswahlverfahren der zu veröffentlichenden Inhalte. Man denke etwa an Castings, die Auswahlverfahren eingesandter Texte oder Bilder in Zeitungsredaktionen oder beim Radio die notwendige Voraussetzung, eine Telefonverbindung herzustellen. Interessant in Bezug auf Beteiligungssendungen im Rundfunk ist, dass der Anruf »kaum als bewußter und vorzubereitender Akt einer Grenzüberschreitung begriffen oder gar gestaltet« (Schanne, Kiener 1998: 93) wurde. Und so führen Ebersbach et al. (2011: 114) auch für Social-Networking-Communitys an, dass sich die Nutzerinnen und Nutzer oftmals nicht bewusst sind, wie groß das Publikum de facto ist, welches die publizierten privaten Inhalte rezipieren kann und welche Folgen mit der Rezeption gegebenenfalls verbunden sein können (vgl. Abbildung 33). ← 222 | 223 →

Abbildung 33:  Beispiel für fehlendes Bewusstsein des Publikums309

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Vergleicht man die Veröffentlichung von Privatem in der Zeitung mit derjenigen in Rundfunk und Fernsehen, so wird manifest, dass der Zeitfaktor in Bezug auf die Rezeption eine doppelte Rolle spielt. Erstens muss das Publikum, um bestimmte Inhalte wie beispielsweise Grußbotschaften bei Wunschkonzerten im Rundfunk oder im Fernsehen rezipieren zu können, exakt zu dem Zeitpunkt der Ausstrahlung zuhören oder zusehen, während Texte und Bilder in Zeitungen länger verfüg ← 223 | 224 → bar und somit rezipierbar sind.310 Damit ist zweitens die Tatsache angesprochen, dass Inhalte in schriftlicher Form, sei dies in der Zeitung oder neuerdings auch im WWW, länger konserviert und demzufolge rezipierbar bleiben.

Schon lange vor der Entstehung des Social Webs, welches sich die Presse sowohl für ihre Printerzeugnisse als auch für ihre Online-Angebote zunutze gemacht hat, wurde auf »Formen der Leser-Blatt-Bindung [gesetzt], die nicht mehr im politischen, sondern in der Betonung des Privaten und der kleinen lokalen Umwelt« (Stöber 1998: 40) wurzelten. So übernehmen professionelle Medieninstitutionen Inhalte von Laien-Medien und der Leserschaft; als Grund dafür wird angeführt, durch die partizipativen Möglichkeiten werde die kommunikative Asymmetrie zwischen den Journalisten und den Rezipierenden abgeschwächt, so beispielsweise im sogenannten Public Journalism (vgl. Scholl 2009: 92). Für Zeitungsrubriken seien im Folgenden einige Beispiele angeführt, in denen Privates veröffentlicht wurde und wird: Im Zürcher Tages-Anzeiger gab es die Rubrik Schatzchäschtli, in der zwischen 1978 und 1998 rund 37 000 Anzeigen mit privaten Inhalten erschienen sind, die von Mayor (2002: 2) analysiert wurden. In modernerer Form lassen sich nunmehr analog dazu Rubriken finden, bei denen die Texte per SMS an die Redaktion übermittelt werden, so beispielsweise seit 2004 unter dem Titel Dein SMS in den verschiedenen Zeitungen311 des Schweizer Zeitungsverbunds az gesamtausgabe312 (vgl. Müller 2011: 2) oder seit 2006 ebenfalls mit dem Namen Schatzchäschtli in der kostenlosen Pendlerzeitung Blick am Abend (ehemals heute). Eine vergleichbare Form der Kommunikation lässt sich beim Fernsehsender Viva Schweiz in der Sendung Vivamat finden: Am unteren Bildschirmrand werden die eingesandten SMS eingeblendet, während Musikclips ausgestrahlt werden. Schließlich gibt es seit der Entstehung des Social Webs auch Rubriken wie beispielsweise Tweet des Tages im Blick am Abend.

Die in diesem Kapitel nachgezeichneten Formen der Veröffentlichung von Privatem betrafen private Personen. Medienhistorisch gesehen folgt diese Phase auf zwei Phasen, in denen das Privatleben öffentlich relevanter Persönlichkeiten ← 224 | 225 → zuerst inszeniert und später auch authentisch präsentiert wurde. Auf die in diesem Kapitel behandelte Phase folgt eine Entwicklungsstufe, in der »das Bild als zentrale[r] Darstellungsmodus noch weiter in den Vordergrund rückt« (Pscheida, Trültzsch 2010: 265).

Tabelle 17:  Entwicklungsstufen der Veröffentlichung von Privatem (nach Pscheida, Trültzsch 2010: 264–266)

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Pscheida und Trültzsch (2009: 248) merken an, dass die vier in Tabelle 17 aufgeführten Entwicklungsstufen zwar prinzipiell als chronologisch anzusehen sind, sie aber bis heute auch nebeneinander existieren. Im folgenden Kapitel soll nun auf die letztgenannte Entwicklungsstufe genauer eingegangen werden.

6.4  Veränderungen der Konzepte Privatheit und Öffentlichkeit durch das Social Web

Bereits 2002, also noch vor dem Boom des Social Webs, prognostizierte Weiß (2002a: 23), »dass die Onlinekommunikation zum wesentlichen Faktor eines kulturellen Wandels der ›Privatheit‹ wird.« Häufig wird postuliert, dass sich mit der im Social Web möglich gewordenen »interaktive[n] und partizipative[n] Internetnutzung das Konzept Privatheit in seiner bisherigen Ausprägung nachhaltig wandelt« (Pscheida, Trültzsch 2010: 259), was unter anderem darauf zurückzuführen ist, dass private Daten ein präsentes Element des Social Webs sind (vgl. Reinecke, Trepte 2008: 205). In diesem Teilkapitel wird der Frage nachgegangen, welche Bedeutung den Konzepten Privatheit und Öffentlichkeit im Social Web zukommt, inwiefern demnach Veränderungen dieser Konzepte zu konstatieren sind und welche Auswirkungen dies auf die Kommunikation haben kann.

In vielen Publikationen ist die Rede vom Ende oder Tod der Privatsphäre. Dieser Position wird jedoch von anderer Seite entgegengehalten, es müsse lediglich unsere Auffassung des Konzepts überdacht werden (vgl. Solove 2011: 44) oder die Einschränkung bzw. der Verlust der Privatheit werde von der Mehrheit der Bevöl ← 225 | 226 → kerung gar nicht als solche empfunden (vgl. Kuhlen 2004: 190). Damit hängt die Frage zusammen, inwiefern eine Privatsphäre überhaupt noch ein anzustrebender Wert ist (vgl. Ebersbach et al. 2011: 261; Solove 2011: 42). Da verschiedene Menschen unterschiedliche Bedürfnisse, Wünsche und Ziele im Leben haben, ist entsprechend die Einstellung zum Schutz der eigenen Privatsphäre auch individuell geprägt (vgl. Boyd 2011: 34), weshalb die Konzepte der Privatheit und Öffentlichkeit auch kontextspezifisch ausgehandelt werden müssen und »pauschale ethische Richtlinien vermutlich an den Bedürfnissen und Erwartungen der Beteiligten vorbeigehen« (Döring 2003: 239). So fragen beispielsweise Reinecke und Trepte (2008: 206) danach, inwiefern sich die Konzepte von Privatheit von im Social Web aktiven und weniger aktiven Personen unterscheiden. Das Ergebnis ihrer Studie zeigt, dass die Privatsphäre für die Produzierenden von User Generated Content einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt, was in einem Gegensatz zu den Wünschen der Rezipierenden nach privaten Inhalten steht (vgl. ebd.: 221). Das Recht auf Privatheit in elektronischen Umgebungen, in denen die Nutzerinnen und Nutzer ihre personenbezogenen Daten geschützt sehen möchten, entspricht der sogenannten informationellen Privatheit. Darunter wird verstanden, dass »der einzelne die Kontrolle darüber hat, was andere über ihn wissen und in welchem Umfang und unter welchen Bedingungen sie dieses Wissen verwenden dürfen« (Kuhlen 2004: 419). Die informationelle Privatheit kann durch informationelle Asymmetrien bedroht werden. Eine solche Asymmetrie liegt vor, wenn Menschen nicht wissen, welche Daten von ihnen gesammelt werden und was mit ihnen passiert. Aus diesem Grund kann die Sicherung von Privatheit, insbesondere der informationellen, als Basiskompetenz im Internet und speziell im Social Web angesehen werden (vgl. auch ebd.: 189). Dass es somit in Bezug auf die Privatsphäre nicht darum gehen kann, keinerlei private Informationen über sich preiszugeben, sondern es vielmehr wichtig ist, den Überblick über die eigenen privaten Daten zu haben sowie Nutzen und Risiken im diesbezüglichen Verhalten abwägen zu können, hat Dietz (2011: 189) treffend formuliert:

      »Die Privatsphäre hat ihren Wert nicht darin, dass sie um jeden Preis abgeschottet wird, sondern darin, dass es in meiner Verfügung liegt, mit wem ich sie teilen möchte und in welcher Weise. Ohne die Aufmerksamkeit von anderen wäre unser privates Leben ein steriles Vakuum einsamer Verrichtungen. Die Entscheidung, einer großen oder sogar unbegrenzten Zahl von Personen Einblick in meine Freizeitaktivitäten, meine Vorlieben und Abneigungen oder meinen derzeitigen ›Beziehungsstatus‹ zu gewähren, ist kein genereller Verzicht auf Privatsphäre, sondern eine Form ihrer Gestaltung.«

Abschließend kann also in Bezug auf das Verständnis von Privatsphäre im Social Web festgehalten werden, dass ein differenziertes Verständnis von Privatheit und ← 226 | 227 → Öffentlichkeit entwickelt werden muss. Es sollte dabei anerkannt werden, dass immer größere Mengen an privaten Informationen fixiert sind; zugleich muss dem Einzelnen eine Entscheidungsfreiheit darüber eingeräumt werden, die Zugänglichkeit dieser Daten einzuschränken (vgl. Solove 2011: 46).

Um die Frage beantworten zu können, inwiefern sich die Veröffentlichung von Privatem im Social Web von älteren Formen (vgl. Kapitel 6.3) unterscheidet, werden im Folgenden einzelne Faktoren, die im Social Web durch ihre Ausprägung oder Quantität eine Veränderung erfahren haben, aufgeführt (vgl. Tabelle 18) und im Anschluss daran genauer erläutert.

Tabelle 18:  Veränderungen in der Art und Weise der Veröffentlichung von Privatem im Social

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Ad 1)  Quantität: Die große Menge an privaten Informationen im Social Web ist nur deshalb von Bedeutung, weil sich diese Daten »durch technische Selektions- und Aggregationshilfen komfortabel auffinden und auswerten« (Neuberger 2011: 67) lassen. Basis für diese gewaltige Datensammlung ist auf der technischen Seite die enorme Speicherfähigkeit und auf der Seite der Nutzerinnen und Nutzer die Preisgabe von privaten Informationen über sich selbst, auch self-disclosure genannt (vgl. Neuberger 2011: 71; Reinecke, Trepte 2008: 206). Es gibt Hinweise darauf, dass das Social Web zu self-disclosure animiert; diese Stimulation wiederum wird darauf zurückgeführt, dass im Gegensatz zur Face-to-Face-Kommunikation ein stärkeres Gefühl von Anonymität vorhanden ist und die Kommunikationssituation als besser kontrollierbar erfahren wird (vgl. Reinecke, Trepte ← 227 | 228 → 2008: 206–207). Reinecke und Trepte (2008: 208) mutmaßen allerdings auch, dass das Angebot des Social Webs insbesondere für Userinnen und User anziehend ist, die sowieso eher zur Preisgabe privater Daten bereit sind als andere (vgl. ebd.: 208). Darüber hinaus lässt sich vermuten, dass die große Anzahl an privaten Daten im Social Web bei den Nutzerinnen und Nutzern einen Habitualisierungseffekt bewirken, d. h. eine Anpassung der eigenen Standards und Einstellungen, was zu einer allgemein größeren Bereitwilligkeit bezüglich self-disclosure führen würde (vgl. ebd.: 208). Allerdings könnte man umgekehrt auch davon ausgehen, dass zu Beginn der Social-Web-Ära die Userinnen und User sich der Risiken noch nicht gänzlich bewusst waren. Zumindest legt dies eine Studie von Kreutzmann (vgl. 2011) zur Social-Networking-Community StudiVZ nahe, bei der knapp die Hälfte der Befragten angegeben hat, über die Zeit hinweg weniger private Daten veröffentlicht zu haben; Begründungen dafür waren einerseits die gestiegene Sensibilität für die Thematik und andererseits ein gefürchteter Datenmissbrauch (vgl. ebd.: 215). Auch Neuberger (2011: 75–76) weist auf mehrere Studien hin, die belegen, dass Nutzerinnen und Nutzer in Social-Networking-Communitys mit privaten Daten zunehmend sorgsamer umgehen und damit das sogenannte Privacy-Paradox reduziert wird. Unter Letzterem wird der Widerspruch zwischen der Bereitschaft, private Daten zu publizieren, und dem Bedürfnis nach Schutz der eigenen Privatsphäre verstanden (vgl. ebd.: 75); das heißt, dass Einstellung und tatsächliches Verhalten nicht übereinstimmen (vgl. Kreutzmann 2011: 206). Diese Diskrepanz kann allerdings teilweise darauf zurückgeführt werden, dass den Userinnen und Usern gar nicht bewusst ist, welche Daten sie für wen zugänglich gemacht haben, da sie sich zu wenig eingehend mit den jeweiligen Privatsphäre-Einstellungen auseinandergesetzt haben (vgl. Neuberger 2011: 75). Doch viele Nutzerinnen und Nutzer sind – wenn vielleicht auch widerwillig – bereit, private Informationen über sich preiszugeben, sofern materielle oder immaterielle Anreize vorhanden sind (vgl. Kuhlen 2004: 190).

Ad 2)  Raum: Privates kann dank des Social Webs – theoretisch gesehen – weltweit veröffentlicht werden. Praktisch existieren allerdings verschiedene Hindernisse, so beispielsweise hinsichtlich der Distribution die Internetzensur oder seitens der Erreichbarkeit der Nonliner-Anteil durch den sogenannten Digital Divide313 sowie Sprachbarrieren. ← 228 | 229 →

           Von der Internetzensur sind schätzungsweise 31 % aller Internetnutzerinnen und -nutzer weltweit betroffen. 47 % sind es, wenn man von der selektiven Internetzensur ausgeht, also einer zeitweiligen Blockade einzelner Anwendungen wie Facebook, YouTube oder Twitter (vgl. Steinschaden 2012: 122). Vielen Userinnen und Usern ist bewusst, dass in China das Internet von Staatszensur betroffen ist, doch auch in Deutschland sind rund 2 000 Online-Angebote indiziert, d. h. sie werden bei Abfragen über übliche Suchmaschinen aufgrund einer nicht öffentlich zugänglichen Liste der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien herausgefiltert (vgl. Seim 2010: 412).

Gerade in der Foto-Community Flickr ist die Zensur auch von Relevanz: Der User Generated Content wird aufgrund eines Inhaltsfilters kategorisiert. Es werden folgende Sicherheitsstufen unterschieden:

             Sicher: Ihre Inhalte sind für ein breites, öffentliches Publikum geeignet.

             Mittel: Wenn Sie nicht sicher sind, ob Ihre Inhalte für ein breites, öffentliches Publikum geeignet sind, jedoch der Ansicht sind, dass sie an sich nicht eingeschränkt werden müssen, sollten Sie diese Kategorie wählen.

             Eingeschränkt: Das sind Inhalte, die Sie Ihrer Mutter wahrscheinlich nicht zeigen würden und die definitiv nicht von Kindern angesehen werden sollten.314

           Wer mit einer sogenannten Yahoo!-ID aus Singapur, Hongkong, Indien, Korea oder über Maktoob.com auf Flickr zugreift, kann nur sichere Inhalte rezipieren. Nutzerinnen und Nutzer mit einer Yahoo!-ID aus Deutschland oder Rumänien können sich zwar als mittel eingestufte, aber keine eingeschränkten Inhalte anzeigen lassen.315 In Kapitel 6 wurde das Sexualverhalten als Beispiel für private Informationen genannt; auf Flickr werden entblößte Brüste und Gesäßhälften als mittel eingestuft, eine gänzlich nackte Person in Frontalansicht als eingeschränkt. Es zeigt sich also, dass in gewissen Ländern solche privaten Kommunikationsinhalte nicht rezipiert werden können. Dabei handelt es sich um eine präventiv überwachende Vorzensur, die von einer prohibitiv regulierenden Nachzensur unterschieden werden kann (vgl. Seim 2010: 406). In der Community Flickr kann diese Nachzensur von den Nutzerinnen und Nutzern vorgenommen werden: Bei jedem einzelnen Foto gibt es die Schaltfläche »Dieses Foto melden», woraufhin die Plattform-Betreiber das Bild prüfen und die Sicherheitsstufe ändern oder das Bild löschen. ← 229 | 230 →

           Bisher wurden nur Internetnutzerinnen und -nutzern beschrieben, die von einer Zensur betroffen sind. Nun gibt es aber auch Personen, die über keinen Internetzugang verfügen. Unter Digital Divide versteht man die Tatsache, dass nicht alle Menschen dieselben Chancen auf einen Internetzugang haben. Diese Chance wiederum ist abhängig von sozialen Faktoren. Hierbei kann unterschieden werden zwischen einem globalen Digital Divide, d. h. Diskrepanzen zwischen südlichen und nördlichen, bzw. auch westlichen Ländern (vgl. Kuhlen 2004: 415), und einer digitalen Spaltung innerhalb einer Gesellschaft, beispielsweise in einem europäischen Land. Hierbei spielen Aspekte wie Bildungsgrad (Medienkompetenz), Alter oder auch Einkommen, verbunden mit der (Un-)Möglichkeit, sich einen Breitbandanschluss leisten zu können, eine Rolle (vgl. Bundesamt für Statistik 2013).

           Neben den Aspekten der Zensur oder des Digital Divides, welche die theoretische Möglichkeit zur weltweiten Rezeption von Inhalten einschränken, ist auch im Sprachgebrauch ein Hindernis bei der Veröffentlichung privater Inhalte zu sehen: Je nachdem, welche Sprache man verwendet, können gewisse Bevölkerungsgruppen nicht erreicht werden. Wer also ein möglichst großes Publikum erreichen möchte, sollte sich einer Weltsprache bedienen. Zu den Weltsprachen zählten während der letzten 100 Jahre Französisch und Deutsch, neuerdings auch Spanisch, Japanisch oder Chinesisch (vgl. Ammon 2010: 101). Die bedeutendste Weltsprache ist allerdings Englisch, seit dem zweiten Weltkrieg hat ihre Bedeutung als Lingua franca stetig zugenommen. Mufwene (2010: 46) weist aber gleichzeitig darauf hin, dass es viele Gebildete gibt, die Englisch nicht oder nur mangelhaft beherrschen. Bezüglich der Sprachverwendung im Internet kann festgestellt werden, dass das Englische in den Anfangszeiten eine Monopolstellung innehatte (vgl. Ammon 2006: 44). Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Relevanz des Englischen bereits vor den Zeiten des Internets, als die Computertechnologie in der angelsächsischen Welt entwickelt wurde, zugenommen hatte (vgl. ebd.: 39). Die (relative) Dominanz des Englischen im Web hat jedoch abgenommen: Noch in den 1990er-Jahren waren mehr als 80 % aller Websites englischsprachig, 2012 waren es nur noch etwas mehr als die Hälfte; inzwischen hat sich jedoch die Anzahl chinesischer Websites mehr als verdoppelt (vgl. Tabelle 19). ← 230 | 231 →

Tabelle 19:  Verteilung der Sprachen von öffentlich zugänglichen Websites (Siever 2013: 16)

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Betrachtet man statt der Sprachen der Websites die Muttersprachen der Internetnutzerinnen und -nutzer, so steht Englisch zwar mit 26,8 % an erster Stelle, doch weist das Chinesische bereits einen Anteil von 24,2 % auf. Das Spanische liegt mit 7,8 % noch über der Fünf-Prozent-Marke, während alle anderen Sprachen darunter liegen – so auch das Deutsche mit 4 % (vgl. Abbildung 34).

Abbildung 34:  Top 10 der Sprachen von Internet-Userinnen und -Usern in 2010 (in Millionen)316

image ← 231 | 232 →

           Dass das Englische im Internet eine zentrale Rolle einnimmt, zeigt sich unter anderem auch in der Sprachverwendung auf Flickr (vgl. Kapitel 9.2.2.1 und 9.3.2).

Ad 3)  Zeit: Als typisches Merkmal von traditionellen Formaten wie beispielsweise Fernsehsendungen oder Zeitungsausgaben kann die Flüchtigkeit gelten (vgl. Neuberger 2011: 40). Private Daten werden dort nur für kurze Zeit öffentlich gemacht, wobei zwar meist Archive eingesehen werden können, doch ist dies umständlich und zeitintensiv. Demgegenüber ist Persistenz ein charakteristisches Kennzeichen des WWWs. Private Daten werden gespeichert und zu einem späteren Zeitpunkt auffindbar, sofern sie nicht gelöscht werden: »Heute müssen die Menschen mit dem digitalen Gepäck ihrer Vergangenheit leben« (Solove 2011: 43).317 Problematisch ist dabei, dass vielen Nutzerinnen und Nutzern des Social Webs die Langfristigkeit von gespeicherten Informationen nicht bewusst oder gar bekannt ist (vgl. Dietz 2011: 189).

Ad 4)  Auffindbarkeit: Die Persistenz von Informationen im Social Web ist deshalb von Bedeutung, weil die gespeicherten Daten durchsuchbar und auffindbar sind. Aufgrund verschiedener Verwertungsinteressen können beispielsweise via Data-Mining Daten gesammelt und ausgewertet werden. Als Beispiel sei die weit verbreitete Praxis von Personalverantwortlichen genannt, Informationen über die Bewerber zu suchen; daneben werten auch Wissenschaftler und Journalisten Daten im Social Web aus (vgl. Neuberger 2011: 73). Insbesondere im Zeitalter von »Big Data« (Boyd, Crawford 2012: 672) gewinnt diese Thematik an zusätzlicher Brisanz. Die Rede ist hier von sogenannten Distributionsdaten, die in der Kommunikation in den verschiedensten Kommunikationsformen des Social Webs entstehen. Neben den formalen Daten wie Senderin oder Sender, Empfängerin oder Empfänger und Erstelldatum können auch die Inhalte der Nachrichten semantisch und pragmatisch ausgewertet werden (vgl. Kuhlen 2004: 186). Daneben gibt es jedoch auch Interaktionsdaten, »die beim Navigieren durch Webdienste entstehen und die in der Regel von den Betreibern, wie Internet-Providern, Suchmaschinen, elektronischen Auktionen oder Marktplätzen jeder Art, gespeichert und ausgewertet werden« (ebd.: 186). Wenn Nutzerinnen und Nutzer keine Interaktionsdaten hin ← 232 | 233 → terlassen möchten, so müssen sie Anonymisierungssoftware verwenden. hhdkhklaj, denn damit hinterlassen sie keine Spuren über ihre IP-Adresse (vgl. ebd.: 193).

Ad 5)  Publiziermöglichkeit: Während in Zeitungen, Radio und Fernsehen Gate-keeper über die Veröffentlichung von Inhalten entschieden haben und weiterhin entscheiden, da Zeit und Platz nur beschränkt verfügbar sind, können im Social Web private Inhalte heutzutage beinahe unbeschränkt publiziert werden. Es muss allerdings erwähnt werden, dass man zwar im WWW quasi unbeschränkte Veröffentlichungsmöglichkeiten hat, dass jedoch damit nicht automatisch auch die Aufmerksamkeit der Netzöffentlichkeit einhergeht. Nur sehr wenige Angebote werden mit Aufmerksamkeit bedacht; der größte Teil der im Web publizierten Inhalte wird von relativ wenigen Menschen rezipiert (vgl. Schmidt 2008: 32). Darüber hinaus muss man im Hinblick auf die Netzöffentlichkeit bedenken, dass nicht alle Bevölkerungsgruppen gleichmäßig im Internet vertreten sind, bzw. dass gewisse Personen nicht erreicht werden können (vgl. ad 2).

Ad 6)  Abstufung: Neu am Social Web ist, dass sehr genau bestimmt werden kann, welche (privaten) Inhalte für wen zugänglich sind. Über die Privatsphäre-Einstellungen kann allgemein vorgegeben werden, ob Inhalte nur für Kontakte, auch für Kontakte von Kontakten oder für alle einsehbar sind. Darüber hinaus kann oftmals für jeden einzelnen Inhalt festgelegt werden, wer darauf Zugriff haben soll. Ebersbach et al. (2011: 120) unterscheiden zwischen privaten, internen und öffentlichen Daten. Private Daten sind solche Inhalte,

die nur diejenige Person, die sie ins Netz gestellt hat, sehen kann; so können Daten auf ausgelagertem Speicherplatz abgelegt und auf diese ortsunabhängig zugegriffen werden.318 Öffentliche Daten können von allen Internetnutzerinnen und -nutzern eingesehen werden. Interessant sind die internen Daten: Diese werden gezielt bestimmten Gruppen – sogenannten Teilöffentlichkeiten – zugänglich gemacht, sei es für die Mitglieder der Community, die Freundinnen und Freunde in der Community oder ausgewählte Nutzerinnen und Nutzer.319 Die Userinnen und User haben ← 233 | 234 → so den Eindruck, die Kontrolle über ihre privaten Daten zu haben. Dabei muss allerdings erwähnt werden, dass in den meisten Communitys die Mitglieder automatisch den Betreibern das Nutzungsrecht an sämtlichen veröffentlichten Inhalten einräumen, was jedoch vielen nicht bewusst ist (vgl. Dietz 2011: 188).

           Schließlich müssen Nutzerinnen und Nutzer auch beachten, dass private Inhalte, die sie einer Teilöffentlichkeit zugänglich gemacht haben, von einer Person weiterverbreitet und somit öffentlich zugänglich gemacht werden können. Und selbst öffentlich zugängliche Daten können noch öffentlicher gemacht werden. Als Beispiel sei der News Feed bei Facebook genannt. Es handelt sich dabei um eine sogenannte User Subscription, also eine »automatische Benachrichtigung über die Veröffentlichung neuer Ressourcen eines bestimmten Benutzers« (Frohner 2010: 84). In diesem 2006 eingerichteten News Feed werden die Nutzerinnen und Nutzer auch darüber informiert, wenn Freundinnen und Freunde (private) Daten in ihrem Profil ändern. Gegen die Einführung des News Feeds gab es große Proteste, selbst von Personen, die ihr Profil für die gesamte Netzöffentlichkeit einsehbar gemacht hatten. Solove (2011: 44) erläutert, dass die Nutzerinnen und Nutzer davon ausgegangen waren, dass die vorgenommenen Änderungen, beispielsweise ihren Beziehungsstatus betreffend, nicht sofort wahrgenommen würden. Über die User Subscription allerdings werden sämtliche Freunde über jede noch so kleine Änderung informiert: Öffentliches wird folglich dadurch noch öffentlicher gemacht.

Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Möglichkeiten, Privates zu veröffentlichen, gestiegen sind, während dabei gleichzeitig die Risiken weniger abschätzbar geworden sind. Um diese zu mindern, besteht die Möglichkeit, statt des Klarnamens320 ein Pseudonym zu verwenden, d. h. anonym zu publizieren. Hier gibt es auch Unterschiede zwischen Social-Sharing- und Social-Networking-Communitys: Da bei den Social-Networking-Communitys die Kommunikation mit bestimmten Menschen im Vordergrund steht, werden dort eher Klarnamen und seltener Nicknames321 verwendet. Darüber hinaus besteht in einigen Social-Networking- ← 234 | 235 → Communitys gar ein Klarnamenzwang, so beispielsweise bei Facebook. Auch Google bestand bei seiner Community Google+ zunächst auf Klarnamen und löschte Profile, bei denen sie einen Nickname vermuteten, doch musste diese Regelung aufgrund von Protesten seitens der Nutzerschaft wieder aufgegeben werden.322 Eine Untersuchung zur Namensverwendung in der Social-Networking-Community StudiVZ mit Daten aus dem Frühjahr 2009 hat ergeben, dass 60 % bei der Anmeldung einen Vor- und Nachnamen eintragen, wobei allerdings nicht geprüft werden konnte, ob es sich tatsächlich um die Klarnamen handelte; mehr als 30 % geben lediglich einen Vornamen an und 8 % nutzen eindeutig einen Nickname (vgl. Pscheida, Trültzsch 2011: 165). Zu ähnlichen Ergebnissen kam Kreutzmann (2011: 210) in einer Onlinebefragung Ende 2008: 57 % aller Befragten verwenden ihren Vor- und Nachnamen, 29 % nur einen Teil ihres Namens und 5 % ein Pseudonym. Neuere Zahlen aus einer Befragung von 2010 zeigen ähnliche Resultate: Nur die Hälfte aller Nutzerinnen und Nutzer gibt den Klarnamen an, 25 % verwenden einen Spitznamen, 20 % Teile des Klarnamens und 8 % ein Pseudonym (vgl. Busemann, Gscheidle 2010: 366).323 Anders sieht es in Social-Sharing-Communitys aus: Hier ist es üblich, einen Nickname zu verwenden. In der Foto-Community Flickr wurde zunächst nur ein Benutzername angeführt; inzwischen kann daneben auch der Klarname angegeben werden.

Neben der Möglichkeit, unter einem Pseudonym Privates zu veröffentlichen, gibt es noch die Variante, dass eine Person Accounts in verschiedenen Communitys oder gar mehrere Konten in einer Community anlegt. So kann beispielsweise Berufliches vom Privatleben getrennt werden und verschiedene Teilidentitäten können an unterschiedlichen Orten ausgelebt werden (vgl. Ebersbach et al. 2011: 201). Es lassen sich neuerdings nicht mehr nur Business- von Fun-Communitys unterscheiden (vgl. Kapitel 3.2), sondern es werden im Bereich der Fun-Communitys Differenzierungen vorgenommen. So gibt es Social-Networking-Communitys wie FamilyLeaf, die ausschließlich für Familien konzipiert sind.

Abschließend sei erwähnt, dass in Social-Web-Communitys, die Kommunikationsplattformen darstellen, immer verschiedene Kommunikationsformen zur Verfügung stehen. So bleibt es den Nutzerinnen und Nutzern überlassen, ob sie ← 235 | 236 → einen öffentlich sichtbaren Eintrag auf einer Profilseite vornehmen oder eine systeminterne Nachricht verschicken wollen. Es wäre lohnenswert, inhaltsanalytisch zu untersuchen, welche Informationen öffentlich zugänglich und welche nicht-öffentlich ausgetauscht werden. Allerdings dürfte es bei der Korpuserhebung erhebliche Schwierigkeiten bereiten, ausreichend private Nachrichten von Nutzenden zu erhalten.

6.5  Veröffentlichung von Privatem durch Bilder

Privates kann nicht nur mittels der Zeichenmodalität Sprache, sondern auch durch die Modalität Bild veröffentlicht werden. Während einst vor allem bei außergewöhnlichen Anlässen fotografiert wurde, wird heute häufig auch das Alltägliche in Fotografien festgehalten. Dieser Wandel steht in einem direkten Zusammenhang zur digitalen Fotografie: Nach den Anschaffungskosten für die Ausrüstung fallen praktisch keine weiteren Ausgaben mehr an. Lasén und Gómez-Cruz (2009: 205) gehen davon aus, dass diese veränderte fotografische Praxis sowie der Upload privater Fotos im Social Web dazu beitragen, dass die Konzepte der Privatheit und Öffentlichkeit erneut diskutiert werden und die digitale Fotografie die Einstellung zur Privatsphäre und Intimität verändert.

Pscheida und Trültzsch (2010: 270) konnten feststellen, dass private Daten in Form von Bildern bereitwilliger preisgegeben werden als in Form von Texten. Sie vermuten, dass Privates in Bildern deshalb ohne große Bedenken veröffentlicht wird, weil mit der Publikation die Aussicht auf Aufmerksamkeit und Anerkennung verbunden ist (vgl. ebd.: 271). Wahrscheinlich wird es dafür aber noch weitere Gründe geben. Im vorangegangenen Kapitel wurde als ein relevanter Aspekt beim Publizieren von Privatem im Social Web die Möglichkeit des Auffindens mittels Suche genannt, wobei diese vor allem auf verbaler Ebene gegeben ist. Allerdings wurden im Bereich der Gesichtserkennung in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte erzielt, was eine Gefährdung der Privatsphäre mit sich bringt, da oftmals nicht nur die Uploaderin oder der Uploader selbst auf den Fotos zu sehen ist, sondern seine bzw. ihre Freundinnen und Freunde oder Verwandten (vgl. Ebersbach et al. 2011: 262). Darüber hinaus gibt es in vielen Communitys inzwischen auch Möglichkeiten, Bildausschnitte mit Namen zu versehen und diese allenfalls mit dem entsprechenden Profil verlinken zu lassen.

Doch wie lässt sich Privatheit in Bildern analysieren? Pscheida und Trültzsch (2011: 170) haben eine Kreuzklassifikation zur Analyse vorgeschlagen. Sie unterscheiden auf der inhaltlichen Seite schwach ausgeprägte, bedingt ausgeprägte und stark ausgeprägte Privatheit. Zur schwach ausgeprägten Privatheit zählen Bereiche des Privatlebens, die sich teilweise in der Öffentlichkeit abspielen, bei ← 236 | 237 → spielsweise die Themen Hobby, Freizeit, Party und Alkohol. Unter bedingt ausgeprägter Privatheit werden Themen wie Familie und Urlaub gefasst, d. h. »private Angelegenheiten bzw. Handlungen, die für gewöhnlich zwar in der Öffentlichkeit stattfinden, deren bildliche Präsenz bzw. Präsentation in der Öffentlichkeit bislang dennoch eher unüblich war« (ebd.: 168). Stark ausgeprägte Privatheit schließlich meint Inhalte, die dem Bereich Intimität zugeordnet werden können, zum Beispiel nackte oder knapp bekleidete Personen (vgl. ebd.: 168). Lasén und Gómez-Cruz (2009: 206) postulieren bezüglich solcher im Social Web veröffentlichten Bilder mit stark ausgeprägter Privatheit: »These practices challenge the modern view of sexuality and the body as the ultimate private domains and give clues about an ongoing transformation of the concept of intimacy.«

Auf der Ebene der Gestaltung werden drei Stufen der Inszenierung unterschieden, nämlich amateurhafte, semi-professionelle und professionelle. Professionell erstellte Bilder inszenieren Privates »stets als (zumindest partiell) Öffentliches [… und] unter Berücksichtigung des späteren Eindrucks der Betrachtung, der vorab mitgedacht wird« (Pscheida, Trültzsch 2011: 169). Als Beispiele für schwach ausgeprägte Privatheit und professionelle Inszenierung werden Bewerbungs- und Passfotos sowie Familienporträts genannt, als Exempel für stark ausgeprägte Privatheit und professionelle Inszenierung wird die Aktfotografie angeführt. Durch die Professionalität der Gestaltung werde in einem solchen Fall die Intimität oder Privatheit des Bildes abgeschwächt (vgl. ebd.: 171). Kommen wir nochmals auf den in Kapitel 6.2 angesprochenen Voyeurismus als Motiv für die Rezeption von Privatem zurück: Pscheida und Trültzsch (2009: 265) stellen fest, dass die Rezipierenden insbesondere an Bildern mit stark ausgeprägter Privatheit interessiert sind, die gleichzeitig amateurhaft inszeniert wurden, was einen höheren Grad an Authentizität suggeriert.

Pscheida und Trültzsch betonen, dass es sich bei der Kreuzklassifikation auf beiden Ebenen um Kontinuen handle und dass es noch einer weiteren Systematisierung bedürfte, wenn man die Klassifikation auf eine größere Stichprobe anwenden möchte (vgl. Pscheida, Trültzsch 2011: 169). Insbesondere für die Ebene der Inszenierung dürfte es meines Erachtens nicht leicht sein, trennscharfe Kriterien zu definieren.

In einer empirischen Analyse von Fotos in der Social-Networking-Community StudiVZ konnte gezeigt werden, dass – anders, als es in der Berichterstattung immer wieder suggeriert wird – nur selten Bilder mit stark ausgeprägter Privatheit zu finden sind, sondern vielmehr viele Fotos mit bedingt ausgeprägter Privatheit (vgl. ebd.: 175). Auf der inhaltlichen Ebene hat sich in derselben Analyse Folgendes gezeigt: auf 90 % der analysierten Profile waren Fotos auszumachen, die der Kate ← 237 | 238 → gorie Freundschaft zugerechnet werden können; dieser Befund ist wenig überraschend, da Social-Networking-Communitys den Zweck haben, soziale Kontakte zu pflegen und zu knüpfen (vgl. ebd.: 167). Knapp 50 % der Profile weisen Fotos auf, die zur Kategorie Alkoholkonsum gezählt werden können, 23 % fallen unter die Kategorie knapp bekleidet und 20 % unter Kuss (vgl. ebd.: 167).

Auch bei der Veröffentlichung von Fotos mit privaten Inhalten gilt es zu bedenken: Selbst wenn die Fotos nur einer Teilöffentlichkeit zugänglich gemacht werden, muss man stets in Betracht ziehen, dass sie jemand aus dieser Teilöffentlichkeit einem größeren Kreis zugänglich machen könnte. Inzwischen gibt es zwar Möglichkeiten, eigene statische Bilder im Web nachzuverfolgen. Solche Dienste sind allerdings kostenpflichtig und darüber hinaus hat man lediglich einen Überblick über die eigenen Bilder.324 Oftmals werden jedoch Fotos mit privaten Inhalten ins Netz gestellt, ohne dass die darauf abgebildeten Personen gefragt oder zumindest darüber informiert worden sind. In solchen Fällen sind die Abgebildeten (noch) relativ machtlos.

Der Umgang mit privaten Daten und insbesondere auch Bildern im Social Web ist – dies zeigt das obige Beispiel – mit verschiedenen ethischen und juristischen Fragen verbunden, die schwierig zu beantworten sind (vgl. auch Kapitel 1.4).

6.6  Synopse

Das Konzept der Privatheit kann in Anlehnung an Dürscheid (2007: 30) auf den Kommunikationsinhalt bezogen werden, wobei Dürscheid von einer Dichotomie privat vs. nicht-privat ausgeht. Pscheida und Trültzsch (2011: 170) hingegen sehen für die Abstufung der Grade von Privatheit ein Kontinuum vor, unterscheiden jedoch für eine Klassifikation die Ebenen der schwach, bedingt und stark ausgeprägten Privatheit. Für eine empirische Analyse müsste im konkreten Fall geprüft werden, ob eine Zwei- oder Dreiteilung geeigneter wäre. Der Terminus der Öffentlichkeit wird in der vorliegenden Arbeit mit Dürscheid (2007: 30) auf den Grad der Zugänglichkeit bezogen. Kommunikation kann demgemäß öffentlich, teilöffentlich oder nicht-öffentlich stattfinden.

Die Konzepte der Öffentlichkeit und der Privatheit sind aus linguistischer Perspektive deshalb relevant, da es sich »um Kommunikationsbedingungen handelt, die einen Einfluss auf das Kommunikationsverhalten haben« (ebd.: 23). Es ist also ← 238 | 239 → danach zu fragen, wie die sprachliche Realisierung in Abhängigkeit von den Faktoren Privatheit und Öffentlichkeit ausfällt. So kann davon ausgegangen werden, dass private Kommunikationsinhalte tendenziell in informeller Ausdrucksweise kommuniziert werden (vgl. ebd.: 38). Inwiefern der Aspekt der Zugänglichkeit einen Einfluss auf die (In-)formalität der Sprache hat, wäre eine untersuchenswerte empirische Fragestellung, wobei als Hypothese formuliert werden kann, dass nicht-öffentliche Kommunikation informeller als öffentliche ausfällt. Unbestritten ist, dass die Menge an privaten öffentlichen Daten im Internetzeitalter massiv gestiegen ist. So stellt Imo fest, dass informelles Schreiben vor den Zeiten digitaler Kommunikation auf private Räume beschränkt war; durch das Internet jedoch »werden nun informelle Schriftprodukte in großem Maße sichtbar« (Imo 2012: 228). Daran lässt sich die Frage anschließen, ob sowohl die verstärkte Wahrnehmung des informellen Sprachgebrauchs als auch die quantitativ angestiegene Anzahl informeller Kommunikate zu einer generellen Informalisierung führt (vgl. Linke 2000: 73).

Nicht-Öffentlichkeit und Privatheit sind jedoch nicht die einzigen Faktoren, die einen informellen Sprachgebrauch evozieren können. Und umgekehrt kann selbstverständlich eine bestimmte sprachliche Realisierung, die der konzeptionellen Mündlichkeit oder allgemeiner dem informellen Sprachgebrauch zuzurechnen ist, nicht ohne Weiteres den Konzepten der Privatheit und Nicht-Öffentlichkeit zugeschrieben werden. Die von Landert und Jucker (2011) der konzeptionellen Mündlichkeit zugeordneten Merkmale Satzfragmente oder einfache Syntax könnten beispielsweise bei der Kommunikation auf Flickr der Multimodalität oder den raumbegrenzten Texten325 geschuldet sein.

Bezüglich der Veröffentlichung von Privatem auf Flickr kann konstatiert werden, dass in dieser Social-Sharing-Community kein Klarnamenzwang herrscht. Die bestehende Korrelation zwischen Anonymität und freizügigem Umgang mit privaten Daten würde bedeuten, dass auf Flickr viele private Bilder und Informationen zu finden sein müssten. Es müsste allerdings zunächst untersucht werden, ob von der Möglichkeit der Anonymität tatsächlich auch Gebrauch gemacht wird. Zudem sind Fotos auf Flickr oftmals öffentlich zugänglich, wodurch die Privatheit der Inhalte wiederum verringert werden dürfte. Ob private Daten auf Flickr tendenziell auch eher über Bilder als über Texte preisgegeben werden, wie dies Pscheida und Trültzsch (2010: 270) für Bilder auf StudiVZ festgestellt haben, wäre ebenfalls zu analysieren. ← 239 | 240 →

Flickr-Nutzer sind hauptsächlich private Personen, die Privates entweder inszenieren oder authentisch präsentieren. Dabei ist die Aufmerksamkeit anderer Nutzer ein Motivationsfaktor für die Veröffentlichung von Privatem. Nutzen wie dieser und weitere werden von Userinnen und Usern zunehmend den Risiken gegenübergestellt, welche die Veröffentlichung von Privatem mit sich bringen kann.

Die Konzepte der Privatheit und der Öffentlichkeit haben sich im Social Web aufgrund verschiedener Faktoren verändert. Zunächst ist die enorme Menge an privaten, öffentlich zugänglichen Daten zu nennen, die bei den Nutzenden einen Habitualisierungseffekt bewirken kann. Das Veröffentlichen von Privatem wurde allen Nutzerinnen und Nutzern ermöglicht, da beim Publizieren im Social Web keine Gatekeeper im herkömmlichen Sinne die Daten auswählen. Wenn Filter-Mechanismen zum Einsatz kommen, handelt es sich zumeist um eine Nachzensur, bei der andere Nutzende unangemessene oder falsch kategorisierte Daten melden können. Die privaten Daten können theoretisch weltweit verbreitet werden, wobei jedoch in der Praxis drei einschränkende Faktoren zu nennen sind: Erstens können publizierte private Daten aufgrund des Digital Divides326 nicht von allen Menschen rezipiert werden. Zweitens gibt es in vielen Ländern eine (selektive) Internetzensur, welche den potenziellen Rezipientenkreis verkleinert. So können Nutzerinnen und Nutzer mit einer Yahoo!-ID aus Deutschland auf Flickr keine als eingeschränkt markierten Inhalte rezipieren. Und drittens schließlich können sprachliche private Daten nur bei entsprechenden Sprachkenntnissen rezipiert werden. Es gilt also zu bedenken,

      »dass entgegen mancher technikutopischer Hoffnung diese Erweiterung von Öffentlichkeit nicht per se ›gut‹ oder demokratisch ist, sondern dass auch in den sozialen Medien Ungleichheiten und Machtunterschiede bestehen. Vor diesem Hintergrund ist die informationelle Selbstbestimmung, verstanden als Praxis, Norm und Kompetenz zugleich, eine unverzichtbare Kulturtechnik des 21. Jahrhunderts.« (Schmidt 2013a: 148)

Ein weiterer wichtiger Faktor von Privatheit im Social Web ist in der Persistenz der Daten zu sehen. Sofern Informationen nicht gelöscht werden, sind sie meist über einen langen Zeitraum hinweg einsehbar. Dies ist besonders im Zusammenhang mit der Durchsuchbarkeit der Daten von Relevanz: Im Zeitalter der Big Data können Profile von Menschen erstellt werden, bei denen Daten von verschiedenen Anwendungen und aus unterschiedlichen Jahr(zehnt)en miteinander kombiniert und ausgewertet werden. Ebenfalls neu im Social Web sind die Definitionsmög ← 240 | 241 → lichkeiten von abgestuften (Teil-)Öffentlichkeiten, welche es den Nutzern erlaubt, private Informationen mit bestimmten Personengruppen zu teilen.

Private Informationen lassen sich in Bildern noch besser global verbreiten, da das Problem der Sprachbarriere größtenteils wegfällt. In Communitys wie Pinterest oder Tumblr werden oftmals lediglich Bilder mit anderen Nutzern geteilt, also dupliziert, und den eigenen Followern präsentiert.

Um bestimmen zu können, inwiefern sich Privatheit in Bildern manifestiert, müssen sowohl Aspekte der inhaltlichen als auch der gestalterischen Ebene beachtet werden. Dabei gilt, dass professionelle Aufnahmen den Grad der Privatheit abschwächen und amateurhafte ihn erhöhen. Private Bilder zeichnen sich demnach durch eine stark ausgeprägte inhaltliche Privatheit und eine amateurhafte Gestaltung aus. Demgegenüber stehen Fotos, die sowohl inhaltlich eine schwach ausgeprägte Privatheit aufweisen als auch professionell gestaltet sind. Da bei Flickr unter den öffentlich zugänglichen Bildern viele (semi-)professionelle Fotos zu finden sind, handelt es sich auf der gestalterischen Ebene eher um nicht-private Fotos (vgl. Kapitel 4.2).

Aus linguistischer Sicht wäre es von Interesse zu untersuchen, ob die Privatheit von Bildern mit der Nähesprachlichkeit von dazugehörigen Texten korreliert. Wenn dem so wäre, könnte man vermuten, dass die große Anzahl an privaten Bildern ihren Teil zur Informalisierung der Sprache beiträgt.

Als Einstiegsliteratur in das Thema Privatheit und Öffentlichkeit eignen sich die beiden in der Medienwissenschaft angesiedelten, schon etwas älteren aber trotzdem noch lesenswerten Sammelbände von Imhof und Schulz (1998a) sowie von Weiß und Groebel (2002). Zu den Konzepten Privatheit und Öffentlichkeit im Social Web seien Arbeiten aus dem Bereich der Philosophie (Dietz 2011), der Medien- und Kommunikationswissenschaft (Boyd 2011; Kreutzmann 2011; Reinecke, Trepte 2008; Trepte, Reinecke 2011) und den Rechtswissenschaften (Solove 2011) empfohlen. Zu privaten Bildern und der Veröffentlichung derselben im Social Web sei auf die Arbeiten von Pscheida und Trültzsch (2009; 2010; 2011) sowie diejenige von Lasén und Gómez-Cruz (2009) verwiesen. Aus linguistischer Sicht schließlich können die Arbeiten von Dürscheid (2007) sowie von Landert und Jucker (2011) als grundlegend erachtet werden. ← 241 | 242 → ← 242 | 243 →


301   Diese Unterscheidung ist – wie in Kapitel 3.2 erwähnt – in der Literatur üblich, doch ist die Benennung etwas unglücklich gewählt. Damit ist gemeint, dass Social-Web-Anwendungen für berufliche oder private Zwecke benutzt werden, wobei private Zwecke nicht auf Spaß beschränkt sein müssen.

302   Zwar benutzt bereits Schmitz (2004d: 59) für den Grad der Zugänglichkeit die Termini nicht-öffentlich sowie öffentlich zugänglich, führt dies aber nicht explizit aus.

303   Dies entspricht auch der aus der Epoche der Aufklärung stammenden ursprünglichen Bedeutung des Ausdrucks Öffentlichkeit: Publizität bzw. uneingeschränkte Zugänglichkeit (vgl. Pscheida, Trültzsch 2009: 247).

304   Massenmedialität ist dann gegeben, »wenn eine Mitteilung durch technische Vervielfältigung allgemein zugänglich wird und als Produkt zahlreiche anonym bleibende und heterogene Rezipienten an unterschiedlichen geographischen und sozialen Orten erreicht« (Habscheid 2005: 51). Schmitz (2004d: 12) weist darauf hin, dass eine Unterscheidung in Massenmedien und digitale Medien mittlerweile fragwürdig geworden ist, vielmehr wäre das Kriterium der Kommunikationsrichtung anzusetzen.

305   Pscheida und Trültzsch (2009: 255) konstatieren, dass Social-Networking-Sites »von ihrem inhaltlichen Aufbau her per se auf die […] schriftliche Preisgabe privater Informationen« abzielen und dass diese personenbezogenen Daten auch bereitwillig preisgegeben werden.

306   An dieser Stelle sei auf Calverts Konzepte des »mediated voyeurism« und »mediated exhibitionism« verwiesen: »Mediated voyeurism refers to the consumption of revealing images of and information about others’ apparently real and unguarded lives, often yet not always for purpose of entertainment but frequently at the expense of privacy and discourse, through the means of the mass media and Internet« (Calvert 2004: 2–3, Herv. im Original). Unter Exhibitionismus versteht Calvert (2004: 45) die Praxis so zu agieren, dass man die Aufmerksamkeit auf sich lenkt. Ich danke Martin Luginbühl für diesen Hinweis.

307   Kuhlen (2004: 179–180) verwendet die Termini Privatheit, privacy und Privatsphäre explizit als Synonyme.

308   Der Terminus sekundäre Intimität stammt ursprünglich von Jürgen Habermas (vgl. Dürscheid 2007: 22).

309   Ob die Beispiele auf Webfail.at jeweils echt sind oder um des Unterhaltungsfaktors kreiert wurden, lässt sich leider nicht eruieren (http://de.webfail.at/ffdt/das-gesternwar-unglaublich-facebook-fail-des-tages-.html, 19.07.2013).

310   Mittlerweile sind zwar viele Radio- und Fernsehsendungen in digitalen Archiven verfügbar und man kann zu einem beliebigen Zeitpunkt darauf zugreifen, allerdings wird gesprochene Sprache im Gegensatz zu Texten (noch) nicht indexiert, folglich können mündliche Kommunikate nicht mittels Suchmaschinen gefunden werden.

311   Während in den gedruckten Ausgaben nur eine Auswahl an Texten präsentiert werden kann, sind online alle Texte zu finden, die nicht der Zensur anheimgefallen sind, z. B.: http://www.aargauerzeitung.ch/mitmachen/deinsms-aargau (28.06.2013).

312   Dazu zählen beispielsweise: Aargauer Zeitung, Basellandschaftliche Zeitung, Oltner Tagblatt, Solothurner Zeitung.

313   Teilung in solche Menschen, die online sind und andere, die es nicht sind (Nonliner).

314   http://www.flickr.com/help/filters/#258 (06.05.2012).

315   http://www.flickr.com/help/filters/#249 (06.05.2012).

316   http://internetworldstats.com/stats7.htm.

317   Bezüglich Flickr kann beispielsweise konstatiert werden, dass bei der Löschung des Accounts zwar die Bilder gelöscht werden, nicht aber die hinterlassenen Kommentare oder Notizen.

318   Man spricht hier vom sogenannten Cloud Computing: Daten und Software werden ins Internet ausgelagert und man kann mit verschiedenen Geräten von überall her darauf zugreifen (vgl. Rey 2011: 4).

319   In der Social-Networking-Community Google+ können Inhalte in sogenannten Kreisen (circles) geteilt werden, bei Facebook können die Kontakte ebenfalls in Kategorien wie enge Freunde, Bekannte oder selbst definierte Personengruppen eingeteilt werden.

320   Im Zusammenhang mit dem Internet wird statt von Klarname oftmals von Realname gesprochen.

321   Der Ausdruck Nickname wird im Deutschen ausschließlich im Zusammenhang mit dem Internet verwendet. Benutzer wählen einen Nickname aus, den sie zur Anmeldung für ein Benutzerkonto und in der entsprechenden Community zur Wiedererkennung nutzen. Bei den Nicknames können verschiedene Arten unterschieden werden: Selbst der Klarname kann – in gekürzter oder ungekürzter Form – als Nickname dienen, darüber hinaus handelt es sich dabei zumeist um offline entstandene Spitznamen oder Pseudonyme, die mit dem Realnamen nichts zu tun haben.

322   Der genannte Konflikt ist unter dem Namen Nymwars, einem Portmanteau-Wort aus pseudonym und wars, bekannt geworden.

323   Da Nutzerinnen und Nutzer zumeist in verschiedenen Communitys aktiv sind, waren Mehrfachnennungen möglich, weshalb die Summe 100 % überschreitet.

324   Bei der Bildersuche von Google können auch Fotos hochgeladen werden, um im Web nach diesen oder ähnlichen Fotos zu suchen: https://www.google.ch/imghp?hl=de&tab=wi (19.07.2013). Das Verfahren ist jedoch nur für einzelne Fotos und nicht für ganze Bildersammlungen praktizierbar.

325   Titel und Tags sind auf 255 Zeichen beschränkt.

326   Für einen aktuellen Forschungsüberblick zur Thematik des Digital Divides siehe van Dijk 2013.