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Narrative des Ersten Weltkriegs

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Miriam Seidler and Johannes Waßmer

Wie lässt sich das Fronterlebnis erzählen? Dieser Frage sahen sich die Soldaten im Ersten Weltkrieg gegenüber. Das, was sie an der Front erlebten, ist so neu und einzigartig, so traumatisch und gewaltsam, dass es nicht in Worte gefasst werden kann, selbst wenn es bildlich vor Augen steht. Traditionelle Darstellungsweisen von Krieg und Gewalt werden dem Erleben nicht gerecht. Nicht nur die Kriegsgräuel, auch die gesellschaftliche Rechtfertigung des Krieges und vor allem die Euphorie bei Kriegsbeginn bedürfen einer Sinndeutung. Neben der kulturgeschichtlichen Verortung des Kriegserlebens nimmt der Band vermeintliche Randphänomene wie das Erleben der Heimatfront, den U-Boot-Krieg und den Krieg in Ostpreußen, sowie das weibliche Kriegserleben in den Fokus.
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Von Wikingern und Werwölfen. Erlebnisse deutscher U-Boot-Helden im Ersten Weltkrieg

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I. Vergessene Helden

Die U-Boot-Helden des Ersten Weltkriegs scheinen vergessen zu sein. Selbst Lothar von Arnauld de la Perière sei „heute selbst unter Militärexperten kaum noch bekannt“, konstatiert Herfried Münkler in seinem Buch zum Großen Krieg.1 Anders als in Frankreich oder England wurde in deutscher Erinnerung der Erste durch den Zweiten Weltkrieg überlagert. Der U-Boot-Krieg war in seinen medialen Vergegenwärtigungen weitgehend als Phänomen des Zweiten Weltkrieges präsent: als „Atlantik-Schlacht“, die 1943 verloren ging. Neben zahlreichen populärwissenschaftlichen Darstellungen des ›Krieges unter Wasser‹ prägte vor allem Lothar-Günther Buchheims Bestseller Das Boot (1973) das kulturelle Gedächtnis, in der Wirksamkeit vielleicht noch übertroffen durch Wolfgang Petersens Verfilmung (1981), die in der BRD zu einem Fernsehereignis und im internationalen Kino zum Kassenschlager wurde. Nur wenigen dürfte bewusst gewesen sein, dass die Protagonisten jener in den 1970er-Jahren imaginierten Odyssee im Herbst und Winter 1941 mit einer gegenüber dem Ersten Weltkrieg technisch kaum weiterentwickelten Waffe kämpften. Jedenfalls scheinen diese effektvollen medialen Einschreibungen wie eine Erinnerungsbarriere gewirkt zu haben, hinter der die U-Boot-Schlachten aus dem Ersten Weltkrieg verschwanden. Dass jedoch die U-Boot-Fahrer schon in der Weimarer Republik „dem Vergessen anheimfielen“, auch „weil sie keine vergleichbaren Erlebnisberichte verfasst haben wie die Jagdflieger“2 und, wie Münkler vermutet, schon aufgrund der programmatischen Unsichtbarkeit ihrer Waffengattung nicht zur Heldenverehrung taugten, entspricht nicht der Quellenlage. Erst der erneuerte Mythos der U-Boot-Waffe, der schon in der Weimarer Republik einsetzte, erklärt den Glauben an...

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