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Narrative des Ersten Weltkriegs

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Miriam Seidler and Johannes Waßmer

Wie lässt sich das Fronterlebnis erzählen? Dieser Frage sahen sich die Soldaten im Ersten Weltkrieg gegenüber. Das, was sie an der Front erlebten, ist so neu und einzigartig, so traumatisch und gewaltsam, dass es nicht in Worte gefasst werden kann, selbst wenn es bildlich vor Augen steht. Traditionelle Darstellungsweisen von Krieg und Gewalt werden dem Erleben nicht gerecht. Nicht nur die Kriegsgräuel, auch die gesellschaftliche Rechtfertigung des Krieges und vor allem die Euphorie bei Kriegsbeginn bedürfen einer Sinndeutung. Neben der kulturgeschichtlichen Verortung des Kriegserlebens nimmt der Band vermeintliche Randphänomene wie das Erleben der Heimatfront, den U-Boot-Krieg und den Krieg in Ostpreußen, sowie das weibliche Kriegserleben in den Fokus.
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Verbotene Gefühle. Echos der Shell-Shock-Traumatisierung in Ludwig Renns frühen Romanen Krieg und Nachkrieg sowie in Lewis Milestones Film All Quiet on the Western Front

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Emotionale Strategien, die an literarischen Texten über den Ersten Weltkrieg ablesbar sind, gehen meist auf Pläne des Urhebers zurück, der sich selbst inszenieren bzw. ein spezielles Bild seiner Autorschaft vermitteln möchte: Will er sich von seinem Protagonisten distanzieren oder sich selbst als ›authentischen‹ Helden seines Werks präsentieren, der die Herausforderungen des Kriegs tapfer gemeistert habe? Möchte er um Mitgefühl für die Opfer des Kriegs werben? Soll er selbst für den Leser als ein solches Opfer erkennbar sein? Welche Bilder von ›Freunden‹ und ›Feinden‹ entwirft er im Figurenarsenal seines Textes? Wem gilt die Sympathie des Erzählers? Derartige Grundsatzentscheidungen haben für die nach dem Ersten Weltkrieg einsetzende, neuerliche literarische Verarbeitung traumatisierender – oder auch euphorisierender – Fronterlebnisse eine ganz besondere und exemplarische Bedeutung.

Romane, die den Kampf an der Front thematisierten und für ihre Leser in irgendeiner Weise nacherlebbar zu machen versuchten, hatten während des Ersten Weltkriegs und auch noch danach einen kontinuierlichen Erfolg bei den Lesern. Diese Literatur schien ein emotionales Grundbedürfnis der Konsumenten nach Sensationen zu bedienen, das es wohl auch heute noch gibt, wenn es auch modifiziert wurde und sich mittlerweile an anderen moralischen Parametern orientieren dürfte. Die soziokulturellen Kodes einer Zeit und einer Gesellschaft setzen einem solchen Genuss stets ethische Grenzen, die etwa auch durch Instanzen wie die Literatur- und Filmkritik alltäglich neu definiert werden.

Im Folgenden werden einige Beispiele für diese wechselnde Wirksamkeit emotionalisierender Szenarien in...

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