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Narrative des Ersten Weltkriegs

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Miriam Seidler and Johannes Waßmer

Wie lässt sich das Fronterlebnis erzählen? Dieser Frage sahen sich die Soldaten im Ersten Weltkrieg gegenüber. Das, was sie an der Front erlebten, ist so neu und einzigartig, so traumatisch und gewaltsam, dass es nicht in Worte gefasst werden kann, selbst wenn es bildlich vor Augen steht. Traditionelle Darstellungsweisen von Krieg und Gewalt werden dem Erleben nicht gerecht. Nicht nur die Kriegsgräuel, auch die gesellschaftliche Rechtfertigung des Krieges und vor allem die Euphorie bei Kriegsbeginn bedürfen einer Sinndeutung. Neben der kulturgeschichtlichen Verortung des Kriegserlebens nimmt der Band vermeintliche Randphänomene wie das Erleben der Heimatfront, den U-Boot-Krieg und den Krieg in Ostpreußen, sowie das weibliche Kriegserleben in den Fokus.
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Zwischen soldatischem Nationalismus und NS-Ideologie. Werner Beumelburg und die Erzählung des Ersten Weltkriegs

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I. Der Aufstieg eines Kriegsschriftstellers

Werner Beumelburg war der sicherlich erfolgreichste deutsche Kriegsschriftsteller der 1920er- und 1930er-Jahre, aber merkwürdigerweise ist er heute kaum noch bekannt. Seine Bücher sind in großer Zahl vorhanden, aber man weiß über ihn nicht annähernd so viel wie etwa über Erich Maria Remarque,2 dessen erfolgreichster Antipode auf Seiten der Rechten Beumelburg gewesen ist.3 Werner Beumelburg wurde 1899 in Traben-Trarbach geboren, sein Vater war ein hochstehender evangelischer Geistlicher (Superintendent). Nach dem Notabitur 1916 und einer kurzen Ausbildung als Fahnenjunker kam er als 17jähriger zum Einsatz an der Westfront, wo er vor allem in der Schlacht von Verdun kämpfte. 1917 in den Offiziersrang erhoben, blieb er bis zum Ende des Krieges an der Westfront im Einsatz. Nach dem Krieg nahm er das Studium der Staatswissenschaften auf, arbeitete aber bald nur noch als Journalist. So war er zwischen 1921 und 1924 Schriftleiter der vom Reichswehrministerium herausgegeben Deutschen Soldatenzeitung sowie Redakteur bei den Düsseldorfer Nachrichten (1924–1926). Nach dem großen Erfolg seiner seit 1923 erscheinenden Kriegsbücher betätigte er sich nur noch als freiberuflicher Schriftsteller.

Während des Nationalsozialismus fanden seine Kriegsbücher massenhafte Verbreitung, der Autor erhielt vielfache Ehrungen und Auszeichnungen. So ← 217 | 218 → wurde er auch Ehrenbürger seiner Vaterstadt Traben-Trarbach und der Stadt Winningen, wo heute noch eine Schule seinen Namen trägt. Gleichwohl trat er nie in die NSDAP ein. Er verehrte den ›Führer‹, in dem er den...

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